Zynisch und degoutant

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Hundsmiserabel gemachte SP-Webung mit AKW

Wenige Tage bevor sich 9/11 zum sechsten Mal jährt also dieser werberische Höhenflug. Dieses Mal donnert die Maschine nicht ins World Trade Center in New York, sondern in ein Schweizer Atomkraftwerk.

Versuchen wir differenziert zu bleiben: Die Fotomontage schockiert, schürt Emotionen und ruft Erinnerungen wach. Aus dieser Perspektive ist das neue Sujet der SP ein Erfolg.

Die grafische Umsetzung ist grottenschlecht.

Die Botschaft, die vermittelt wird, passt nicht. Sie ist nicht zu Ende gedacht. Das Sujet wird mit der Katastrophe vom 9. September 2001 in den USA in Verbindung gebracht, nicht mit dem Atomrisiko.

Sollte tatsächlich einmal ein Flugzeug in den Kühlturm eines Atomkraftwerkes fliegen, ist das ungefährlich. Eine atomare Verseuchung wird so nicht ausgelöst.

All diese Punkte sind für mich Nebenschauplätze. Entscheidend ist, dass mit diesem Sujet der Stil einer anderen Partei kopiert wird. Mit der Angst der Menschen zu geschäften ist zynisch und degoutant. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, dass eine zweite Partei auf diese Art den Weg in die Schlagzeilen von morgen sucht. Im Gegensatz zu der anderen politischen Kraft hätte die SP das intellektuelle Potential, ihre Themen mit durchdachten Offensiven zu lancieren.

In der Sommerflaute lieferten zwei SP-Kandidierende aus dem Kanton Zürich ein Lehrstück, wie man ein Thema lanciert: Nationalrätin und Ständeratskandidatin Chantal Galladé sowie Kantonsrat Daniel Jositsch. Ihr „12-Punkte-Plan zu Bekämpfung der Jugendgewalt“ beinhaltet alles. Das war durchdachter und gleichzeitig clever inszenierter Wahlkampf.

Mark Balsiger

9 Comments on “Zynisch und degoutant”

  1. Lupe

    gebe euch recht bezüglich der grafik, könnte man wesentlich besser machen.

    allrdings, mark, mal ehrlich, das layout deines blogs ist nicht viel besser. würde zumindest etwas eigenständigkeit vertragen.

  2. Dani

    Lieber Mark Balsiger, dass Sie das Plakat von der SP als “Zynisch und degoutant” betiteln ist richtig. Was fehlt ist eine kritische Betrachtung anderer Plakat- und Inserat-Entgleisungen von verschiedenen Parteien. Das blöckendee “Schöfli-Plakat” wäre nur ein Beispiel von vielen. Denn, ein Blogg für Kandidiernede sollte nicht eine einzige politische Meinung vertreten. Schade für Ihr Engagement.

  3. Aegerter

    Denke mal es macht dem KKW nichts viel aus wenn ein Flugzeug in den Kühlturm fliegt.

    Klar mann könnte alle KKW einstellen.
    Dann hättet ihr ja gewonnen. Aber ich werde ganz sicher nicht au Strom verzichten und ihr wahrscheindlich auch nicht.

    also entweder geht ihr zu heuerm HAK und schraubt die Sicherungen raus oder na ja erfindet eine bessere Lösung

  4. Anonymous

    Stimmt ein Flugzeug könnte kein AKW zerstören… dazu sind die Konstruktionsarten zu massiv…

  5. monie

    aber sicher! Einfach nicht, wenn es in den Kühlturm fliegt.
    Auszug aus Bericht HSK (Hauptabteilung zur Sicherheit der Kernanlagen in der Schweiz, 2003): “Kernkraftwerke sind aus bautechnischer Sicht nicht gegen Angriffe aus der Luft geschützt (…) Bei einem derartigen Anschlag auf eines der Schweizerischen Kernkraftwerke (…) kann nicht ausgeschlossen werden, dass Brennelemente im Brennelementenlager oder das Primärkühlsystem beschädigt werden und daraus eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen erfolgt.” …also Super-GAU ist möglich…

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