Ueli Maurer: Vom Suppenkaspar zum Schwergewicht – Fehr blieb Fehr

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Ende Monat treten zwei Parteipräsidenten ab: Hans-Jürg Fehr (SP) und Ueli Maurer (SVP). Beide Parteien kühren am 1. März ihre Nachfolger, bei beiden Parteien ist schon lange klar, wer übernimmt. Fehr und Maurer kündigten übrigens am gleichen Tag – es war am 26. Oktober 2007 – ihren Rücktritt an. Ansonsten gibt es keine Parallelen. Die Pendlerzeitung “.ch” hat Politologe Andreas Ladner und mich gebeten, eine Bilanz zur Wirkung der beiden abtretenden Präsidenten zu ziehen. Et voilà:

Punkt_CH_27_Februar_2008.pdf

Pendlerzeitungen verlangen Kürze. Deshalb publiziere ich hier meine Einschätzung, schwergewichtig auf die Auftrittskompetenz fokussiert, der beiden Präsidenten etwas ausführlicher.

hans_jurg_fehr1.jpgHans-Jürg Fehr argumentiert klug und ist in der Debatte gewieft. Er kann sehr gut zuhören und blitzschnell kontern. In Streitgesprächen und Interviews punktet er oft. Sein Dilemma: Viele Zuschauer bemerken das kaum. In öffentlichen Auftritten wirkt Fehr manchmal säuerlich. Er liebt weder die Show noch das Spiel mit den Medien. Er hat Schalk und eine Prise Humor, zeigt dies aber viel zu selten.

In den letzten 15 Jahren hat in der Schweiz das Fernsehen massiv an Bedeutung gewonnen. Bei den Auftritten im Fernsehen ist die non-verbale Kommunikation entscheidend, nicht der Inhalt. Das kam Hans-Jürg Fehr mit seiner zuweilen biederen Art nicht entgegen. Vermutlich ist er froh, jetzt wieder ins zweite Glied rücken zu dürfen. Fehr hat keine tiefen Spuren hinterlassen, was auch mit seiner Partei zu tun haben könnte. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die SP keinen starken Präsidenten tolerieren würde. Eine autoritäre Figur wie Helmut Hubacher passte nicht mehr in die heutige Zeit. Der schlitzohrige Peter Bodenmann wiederum überforderte mit seinem Tempo nicht nur die Gegner, sondern auch viele Mitglieder aus den eigenen Reihen. Er war, im Gegensatz zu Hans-Jürg Fehr, auch kein Teamplayer. Der designierte Präsident Christian Levrat, erst 38-jährig, lädt sich eine schwere Last auf die Schultern. Seine Aufgabe ist es, die Partei zu einen und klar zu positionieren. Gleichzeitig muss die SP im umgruppierten linken Lager ihre Rolle finden, sonst verliert sie weiter. An die Grünen und die Grün-Liberalen, womöglich sogar an die CVP.
ueli_maurer3.jpgUeli Maurer wirkte 1996, zu Beginn seiner Präsidentschaft sympathisch, aber unsicher und zum Teil unbeholfen. Er wurde von Feind und Freund belächelt. Peter Bodenmann nannte ihn einen “Suppenkaspar”. Die Veräppelungen in „Viktors Spätprogramm“ waren entscheidend: Einerseits wurde Maurer dank der populären Satiresendung schweizweit bekannt. Andererseits überdeckte die trottelige Figur, die dort gegeben wurde, Maurers Entwicklung zu einem politischen Schwergewicht. Maurer pflegt eine klare, einfache Sprache, ein guter Rhetoriker ist er aber nicht. Er platziert die Kernaussagen seiner Partei unermüdlich und hat perfekt verinnerlicht, was „keep it simple and stupid“ heisst.

Maurer war nach eigenen Angaben bis zu 250 Abende pro Jahr für seine Partei unterwegs. Bei seinen unzähligen Auftritten erarbeitete er sich sein rhetorisches Rüstzeug. Im Scheinwerferlicht ist Maurer stets von der ersten Minute an auf Touren, während seine Kontrahenten sich noch warmlaufen. Mit seinem druckvollen Powerplay nimmt er deshalb nicht selten von Beginn weg das Heft in die Hand und dominiert die Debatte bis zum Schluss. In den letzten Jahren ist er mir mit seinen gereizten Auftritten aufgefallen.

Ueli Maurer hinterlässt grosse Fussstapfen. Er war nebst Christoph Blocher die wichtigste Figur der SVP Schweiz und wird kaum zu ersetzen sein.

Foto Fehr: espace.ch; Foto Maurer: nzz.ch

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