Wenn die Zeitung “Der “Bund” fällt, fallen womöglich andere Verlage in Bern ein

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Mein Arbeitsweg führt mich täglich am altehrwürdigen “Bund”-Turm an der Effingerstrasse vorbei. Er steht immer noch, seit neuem verziert durch ein Transparent mit dem Claim: www.rettet-den-bund.ch. Der Versuch, dass das mögliche Ableben der Traditionszeitung nicht untergeht nebst den vielen relevanten und irrelevanten Storys, die uns um die Ohren gepfeffert werden.

Es ist gut für mich, täglich den Turm und das Transparent zu sehen. Der Kampf geht weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Zeitungsbranche in der Schweiz ist mitten in einem grossen Umwälzungsprozess. Die grossen Verlage wollen noch grösser werden, sie haben die Namen der mittelgrossen Häuser auf dem Speisezettel – oder sich diese schon einverleibt. Und womöglich verspüren die ganz grossen Verlage aus Deutschland und Frankreich schon bald Appetit auf Tamedia, Ringier und NZZ.

Noch ist es nicht soweit. Zuerst wird die “Schlacht” in Bern geschlagen. Sie dürfte vorentscheidend sein auf die Zukunft der “Basler Zeitung”, die von der Tamedia zurzeit noch relativ charmant umworben wird. Allerdings möchte hier Peter Wanner von der AZ Medien Gruppe auch noch ein Wörtchen mitreden.

Vieles deutet darauf hin, dass die Tageszeitung “Bund” in ihrem 160. Lebensjahr eingeht. Dass danach allerdings eine Monopolsituation droht, ist nicht sicher. Andere Verlage trachten danach, in Bern einzufallen. Sie könnten in das Vakuum, das prognostiziert wird, vorstossen. Einer der Verleger, der nicht nur im Stillen Interesse bekundet, sondern dieses auch laut kundtut, ist Christian Müller. Der Unternehmensleiter der Vogt-Schild in Solothurn sagt im heutigen Blogbeitrag des Branchenmagazins “Klartext”, dass der “Einmarsch in Bern einfach” wäre.

Das ist eine Kampfansage, die zweifellos ihren Widerhall findet.

Foto: Beat Schweizer

One Comment on “Wenn die Zeitung “Der “Bund” fällt, fallen womöglich andere Verlage in Bern ein”

  1. open society

    Dem Berner “Bund” droht das Ende. So schmerzlich dies für die Betroffenen ist, ist es doch die logische Fortsetzung eines Revirements, welches in der kleinen Printmedienlandschaft der Schweiz schon seit langem läuft. Diese Entwicklung ist übrigens nicht auf die Schweiz beschränkt, wirkt sich hier aber durch die hohe Titeldichte und die – im internationalen Vergleich – kleinen Auflagen vielleicht verschärfend aus.

    Der Meinungsvielfalt tut dies aber keinen Abbruch. Neue Medien und Meinungen kommen hinzu, alte fallen weg – nur das Radio bleibt konstant.

    In diesem Sinne brauchen wir uns auch vor dem Einzug deutscher oder französischer Verlage nicht zu fürchten – im Gegenteil. Vielleicht würde dies sogar den Kostendruck etwas reduzieren, der heute nolens volens in fast jede Redaktionsstube durchschlägt. Denn unabhängige Redaktionen sind ein Luxus. Ein Luxus, den sich heutzutage nur noch ganz grosse Medienhäuser leisten können.

    Beredtes Beispiel mag die “Aargauer Zeitung” (AZ) sein. Diese hat sich in den letzten zwei Jahren von einem, wenn auch bürgerlichen, so doch ausgewogenen Blatt hin zu einer Elektoratsschreibe für die SVP entwickelt. Da warte ich noch auf die Folgen des Strukturwandels.

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