Virtuelle Bühnen sollten gut bespielt werden

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Wahlen werden weiterhin nicht im Netz entschieden. Das Internet und seine unerschöpflichen Möglichkeiten gewinnen aber auch bei Wahlkämpfen in der Schweiz an Bedeutung. Das treibende Medium dieser Dynamik, die im Sommer 2008 einsetzte, ist Facebook. Heute haben 2 Millionen Menschen in unserem Land ein Facebook-Profil, im Durchschnitt sind die User täglich 25 Minuten online.

Grossrat Marc Jost (evp, Thun) ist einer der wenigen Berner Politiker, die schon seit Jahren die neuen Medien nutzen. Als er bei Facebook begann, wussten die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen noch gar nichts von dieser Social-Media-Plattform. Inzwischen hat er rund 560 “Friends” – eine solide Basis für einen glaubwürdigen Dialog und für wirkungsvolle Mundpropaganda. Jost nutzt diesen Kanal seit langem rege. Das hilft – im Gegensatz zu den Fangruppen, die erst in den letzten zwei Monaten entstanden sind.

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Im Weiteren führt Marc Jost seit nunmehr drei Jahren einen Blog, seine Postings erfolgen ziemlich regelmässig. Das ist eine weitere Möglichkeit, als Kandidat sein Online-Profil dauerhaft zu schärfen und potenzielle Neuwähler zu binden. Die Ansprache des Publikums erfolgt direkt, nicht über die Massenmedien, die ja oftmals als Gatekeeper fungieren.

Blogs werden meistens erst wenige Monate vor dem Wahltermin lanciert, schlafen danach aber in der Regel schnell wieder ein. Das wirkt sich negativ aus, wenn der Auftritt online bleibt. Es gibt im Kanton Bern einige solche Online-Ruinen, die seit 2007 nicht mehr bewirtschaftet wurden.

Nebst Marc Jost verdienen drei weitere Berner Politiker Anerkennung für ihren langen Blogger-Atem: Christian Wasserfallen (fdp, Bern), Konrad Hädener (cvp, Thun) und Reto Müller (sp, Langenthal). Letzterer mischt Politik und Privates nach Lust und Laune. Das kann Angriffsflächen bieten und irgendeinmal ausgenützt werden.

Doch zurück zu Marc Jost. Er produzierte als Regierungsratskandidat einen Videoclip. Das ist zwar alles andere als neu, wurden doch im eidgenössischen Wahljahr 2007 viele “Videos” ins Netz gestellt. Viele davon sind allerdings dilletantisch oder unfreiwillig satirisch. Josts Video ist weder das eine noch das andere. Der 3 Minuten 47 dauernde Clip wirkt zwar “home made”, hat aber gerade deswegen seinen Charme. Jost kommt sympathisch herüber, obwohl seine Texte auswendig gelernt erscheinen, er thematisiert das, was ihm am Herzen liegt.

Fazit: Marc Jost bespielt die virtuellen Bühnen Facebook, Blog und Youtube. Damit erreicht er neue Wählersegmente, was zusätzliche Stimmen generieren kann. Die Wiederwahl in den Grossen Rat dürfte unproblematisch sein, die Hürden für eine Wahl in den Regierungsrat sind für ihn zu hoch. Das weiss Jost auch.

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