Ueli Maurer tritt ab, Verena Diener tritt an – und Rot-Grün kriegt einen Tritt ans Bein

Publiziert am

Das Zusammenfallen dieser beiden Nachrichten ist Zufall: Ueli Maurer hat eben bekanntgegeben, dass er im nächsten Jahr als Präsident der SVP Schweiz abtritt. In Zürich erklärte Verena Diener fast zeitgleich vor den Medien, dass sie auch beim zweiten Wahlgang für den freien Ständeratssitz antreten wird.

Damit knallen bei der SVP Zürich schon über Mittag die Korken: Maurer wird am 25. November als Ständerat gewählt. Weil sich Verena Diener und Chantal Galladé das Stimmenpotential im Mitte-Links-Spektrum teilen müssen, werden sie beide weit abgeschlagen hinter Ueli Maurer landen. Tragisch, dass sich die beiden Kandidatinnen und ihre Parteien nicht finden könnten. So kriegen sie am 25. November gleich nochmals einen heftigen Tritt ans Bein.

Zu Ueli Maurer: Er war Anfang 1996 als weitherum unbekannter Parteipräsident gestartet. SP-Chef Peter Bodenmann verspottete ihn damals als “Suppenkaspar”. Maurer wuchs aber kontinuerlich in seinem Amt und ist seit einigen Jahren eine der wichtigsten Figuren innerhalb der Erfolgs-SVP. Er hinterlässt grosse Fussstapfen, und man darf gespannt sein, ob sein Nachfolger sie ausfüllen kann.

Kommt dazu, dass Gregor Rutz im nächsten Jahr als Generalsekretär aufhören wird. Auch er ist eine Schlüsselfigur. Beide haben den richtigen Zeitpunkt für ihre Demission gewählt. Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Ueli Maurer gibt seinen Brotberuf beim Bauernverband ab und macht sich selbständig. Er möchte in die Kommunikationsbranche. Zu Beginn, und jetzt werde ich ausnahmsweise polemisch (ein präventives Pardon!), sollte er den Spitzen der Zürcher SP und den Grünliberalen die “Basics” für einen strategisch und taktisch erfolgreichen Wahlkampf erklären.

Mark Balsiger

8 Comments on “Ueli Maurer tritt ab, Verena Diener tritt an – und Rot-Grün kriegt einen Tritt ans Bein”

  1. Andi

    Unfassbar. Irr. Wahnsinnig. Da läufts einem als Linker kalt den Rücken runter: Wer dermassen blödsinnig stur ist, sollte auch gerade aus dem Nationalrat zurücktreten. Ich schäme mich, politisch einem solchen Kindergarten nahe zu stehen.

    Galladé und Diener sind beide in den Nationalrat gewählt und haben einen Sieg eingefahren. Gut. Galladé prescht aber in der Ständeratswahl vor vor und nimmt Diener jegliche Möglichkeit, das Gesicht zu wahren und in Ehre abzutreten. Diener ist ob dieser Situation unfähig, für unsere Sache in den sauren Apfel zu beissen und vernünftig zu sein.

    Wahnwitzig dumm, das ganze Vorgehen, von A-Z. SP und GLP, die gemeinsam ausgerechnet diesem Ueli einen Ständeratssitz schenken – echt, das k…. mich an. Passt ausgezeichnet zu Dilettantismus wie dieser Kampagne – offenbar müssen wir damit rechnen, dass es so weiter geht.

    Wann übernimmt die SVP die absolute Mehrheit im Land?

    Langsam hab ich das Gefühl, dies sei das kleinere Übel, als diesen dummen und unprofessionellen linken Splitterhaufen ertragen zu müssen.

    Jetzt gibts nur noch eine Chance: Die SP zeigt Grösse und nimmt Galladé aus dem Wahlkampf. Aber angesichts dessen, wie sich die Partei bisher verhalten hat, erwartet das wohl niemand. Das Plakat von Alain Sutter müsste heuer lauten: “Stop it, Sozis!”

  2. sultan

    Das ganze Vorgehen könnte den Eindruck erwecken, als das es den beiden Frauen nicht um die Sache geht, sondern um die eigene Machtpolitik. Lieber die SVP unter gehjohle ins Stöckli einziehen lassen und eine rechtslastige Politik für die nächsten 4 Jahre in Kauf nehmen, als über den eigenen Schatten springen! Wow! Das ist eben Politik und zeugt von grosser Weitsicht und einem staatsfrauisch ausgeprägten Verantwortungsgefühl. Bravo!

  3. Pingback: Zweiter Wahlgang: Verena Diener und Chantal Galladé verschenken Ständeratssitz an Ueli Maurer

  4. easy

    Noch ein Waterloo? Die SP braucht dieses Fiasko offensichtlich noch, bis sie kapiert, und verheizt gleich noch eine Junghoffnung. Alle verhalten sich richtig in Zürich, nur die SP nicht: so einfach kann man das sagen. Die Grünliberalen erteilen der SP die nötige Lektion, dass es in einer 1:1-Wahl die Mitte braucht, und machen gleich noch schweizweit Promo für ihre Partei, die Grünen geben bei zwei Mitte-Links-Kandidaten richtigerweise Stimmfreigabe (wer setzt schon auf ein sicheres Verliererpferd) und der Ueli Maurer lacht. Und die SP? Sie wird weinen. Oder doch noch verzichten. Damit könnte sie gleich zweimal gewinnen: als Partei, sie würde doch noch zur Siegerin, und auch die Kandidatin Chantal Gallade, die nochmal an Profil gewinnt, was sie in Zukunft mit Sicherheit noch gebrauchen kann!

  5. easy

    Gallade zurückziehen gewinnt 2x!
    Die SP hat jetzt die Chance, in Zürich doch noch zur Wahlsiegerin zu werden, und Chantal Gallade gewinnt sowieso. Statt zur Maurer-Wahlhelferin zu mutieren, gewinnt sie weiter an Profil, und das wird sie noch gut gebrauchen können!

  6. Andi

    Unglaublich, Galladé zieht sich zurück. DAS ist Grösse und Vernunft. Wieso nicht gleich von Beginn an? Uff. Echt. Bastler.

  7. J.C.

    Ach, geht doch mit euren Frauen nicht so hart ins Gericht, meine Herren Sozialdemokraten. Weiter östlich von Zürich (aber immer noch in der Schweiz) sind wir damit beschäftigt, einen Ständerat Toni Brunner zu verhindern. Dank dem Rückzug von Regierungspräsidentin Kathrin Hilber (SP) in dieser Woche wird der Kampf um die beiden Sitze noch eng. Klar die Ausgangslage ist nicht vergleichbar mit Zürich, denn die SP-Frau wäre im zweiten Wahlgang chancenlos gewesen. Trotzdem hätte ihr Antreten Toni Brunner genützt. Kathrin Hilber begründete daher ihren Verzicht auch damit, nicht Steigbügelhalterin für die SVP sein zu wollen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.