“The Sun” lässt Gordon Brown fallen

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“The Sun” ist nicht einfach ein Boulevardblatt, sondern noch immer eine Macht. Mit einer Auflage von 3,1 Millionen Exemplaren und rund 10 Millionen Lesern ist sie die grösste Zeitung Grossbritanniens. Gestern beschied “The Sun” ihren Lesern, dass sie die Labour-Partei nicht weiter unterstützen werde.

gordon_brown_11tech_wordpress_com_small200Für den erfolglosen Premierminister Gordon Brown (Bild) ist das ein weiterer herber Schlag, viele Kommentatoren zählen ihn seit geraumer Zeit aus. “We have to swim with the tide”, begründet die Redaktion ihren Wechsel zu den Tories. In der Tat führen die Konservativen in Meinungsumfragen deutlich: Sie erreichten Ende September 43 Prozent, Labour 26 Prozent.

In der Geschichte von “The Sun” gab es mehrere Seitenwechsel: 1997 unternahm der Spitzenkandidat der neuformierten Labour-Partei, Tony Blair, eine Reise nach Australien, um “Sun”-Besitzer Rupert Murdoch um Unterstützung für seine Kampagne zu bitten. In den Jahren zuvor ballerte das Revolverblatt auf Labour in einem Stil, den man auf dem Festland nicht kennt.

Das Treffen zwischen Blair und Murdoch fruchtete – kurz vor dem Wahltermin im März 1997 lautete die Schlagzeile auf der Front: “The Sun Backs Blair”. Das war ein zentrales Element der Labour-Kampagne, die damals neue Dimensionen und ein zuvor nie dagewesene Professionalität erreichte.

In verschiedenen Büchern, die nach dem erdrutschartigen Sieg von Labour erschienen sind, wird in diesem Zusammenhang eine Notiz von Blair erwähnt. Er soll Medienmogul Murdoch handschriftlich für die Unterstützung gedankt haben, die “Sun” habe den Unterschied ausgemacht.

Foto Gordon Brown: 11tech.wordpress.com

4 Comments on ““The Sun” lässt Gordon Brown fallen”

  1. JC

    Ach so, in Grossbritannien haben sich die Österreicher das abgeguckt. Die Geschichte des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann (SPÖ) und dem Boulevard-Blatt “Kronen-Zeitung” ist ähnlich: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090710_OTS0279

    Ausserdem dichtete 1997 Wolf Martin von der “Kronen-Zeitung” für Werner Faymann (damals SPÖ-Infrastrukturminister) Folgendes:

    “Wem, wenn nicht Faymann,
    sollt’s gelingen,
    den Tod auf Straßen zu
    bezwingen?
    Genug der Worte, hehr
    und schön!
    Nun lasst uns endlich
    Taten sehn!”

    Oder auch dies:

    “Man sollte sich darauf besinnen:
    Auch tüchtige MinisterInnen
    gibt es in der Regierungs-Crew.
    Manch kluge Frau gehört dazu
    und mancher tüchtiger
    Parteimann.
    Doch keiner ist wie Werner
    Faymann.
    Unaufgeregt, präzis, dezent
    zeigt er uns: Er ist kompetent.”

  2. ChliiTierChnübler

    Wunderbar, da haben Sie aber einen feinen Politblog Herr Balsiger. Ich werde nun künftig doch mehr als einen dieser Sorte lesen “müssen”.

  3. Mark Balsiger

    Die “Kronen-Zeitung” ist in der Tat ein zweites gutes Beispiel. Beide Fälle sind aussergewöhnlich: Boulevardzeitungen unterstützen in aller Regel bürgerliche Politik bzw. sie hauen kräftig auf Andere ein. In den Achtzigerjahren führte beispielsweise der “Blick” heftige Kampagnen gegen die Grünen und die Tamilen.

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