SVP-Kampfblatt: Laut angekündigt, still begraben

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In der heissen Phase des Wahlkampfs 2007 kündigte SVP-Präsident Ueli Maurer ein Kampfblatt an. Das hatte er als weitere Drohung platziert:

“Wird Blocher am 12. Dezember abgewählt, verkünden wir am Tag darauf die Lancierung einer Tageszeitung. Die Pläne dafür liegen in der Schublade. Im November und Dezember haben alle beteiligten Personen Termine blockiert, damit wir am 13. Dezember ein fixfertiges Konzept auf den Tisch legen können.”

Und was erhoffte sich Maurer davon?

“Die Zeitung würde ein zentrales Element unserer Oppositionspolitik. Mit Blocher hätten wir einen Ex-Bundesrat, der den Laden kennt. In unserer Zeitung könnten wir die Missstände der regierenden Parteien thematisieren. Ich bin sicher, vier Jahre später kämen wir auf 40 Prozent Wähleranteil.”
(SonntagsBlick 30.09.2007, Werbewoche 11.10.2007)

Maurers Ankündigung sorgte damals für sorgenvolle Mienen: Die Verleger, ohnehin schon in einem entfesselten Verdrängungskampf, mussten mit einem neuen unberechenbaren Konkurrenten rechnen. Die anderen Parteien wiederum fürchteten, dass die SVP ihre Parolen bald sechsmal wöchentlich in die Welt posaunen kann.

Eine Zeitung zu lancieren ist kostenintensiv. Branchenkenner nannten die Summe von 20 Millionen Franken pro Jahr.

Aus der Renaissance der Parteipresse wird allerdings nichts. An der “Journalist des Jahres”-Preisverleihung vermeldete SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, dass das Projekt nicht zustande komme. Die Pendlerzeitung “20Minuten” zitiert ihn heute so: “Eine Tageszeitung ist eine zu grosse Kiste. Es ist einfach zu teuer.”

Die Ankündigung Maurers von Ende September 2007 ist ein exemplarisches Beispiel für Wahlkampfrhetorik. Sie ist laut, provokativ, einschüchternd, oft verletzend, schlagzeilenträchtig. Die Beerdigung des Projekts aber schafft es nicht oder nur noch ganz knapp in die Medien. In diesem Fall waren es keine 15 Zeilen in einem Pendlerblatt.

Epilog:  Die linke “WochenZeitung” hatte gegen Ende letzten Jahres für eine gesamte Ausgabe die Seite gewechselt und so vorgemacht, wie ein SVP-Kampfblatt tönen könnte. Im Newsnetzwerk wiederum wurde vorsorglich ein mögliches Titelbild für die angekündigte und nun still begrabene Postille publiziert. Et voilà, dieses Überbleibsel aus dem Wahlkampf 2007 will ich Ihnen nicht vorenthalten:

2 Comments on “SVP-Kampfblatt: Laut angekündigt, still begraben”

  1. Mark Balsiger

    Im heutigen Newsletter der “Werbewoche” wird die stille Beerdigung des SVP-Projekts bestätigt. Die Meldung im Wortlaut:

    Pläne für SVP-Tageszeitung vom Tisch

    Die Schweizerische Volkspartei (SVP) beerdigt die Pläne für eine eigene Tageszeitung. «Im Moment planen wir keine Zeitung», bestätigte der neue SVP-Sprecher Alain Hauert gegenüber der Werbewoche eine Meldung der Gratiszeitung 20 Minuten. «Wir kommunizieren dann, wann es Sinn macht; das muss nicht zwingend im Tagesrhythmus sein.» Die SVP setze auf die bisherigen Kommunikationskanäle und wolle beispielsweise im Bereich Internet ausbauen. Ausserdem verfüge man gar nicht über eine entsprechende Redaktion für ein tägliches Blatt, so Hauert weiter. SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli hatte gemäss 20 Minuten an der «Journalist des Jahres»-Verleihung gesagt, eine Tageszeitung sei eine «zu grosse Kiste» und zu teuer. Dass der finanzielle Aspekt ausschlaggebend war, wollte Hauert nicht bestätigen. Im September hatte Noch-Parteipräsident Ueli Maurer angekündigt, man überlege sich eine eigene Tageszeitung für den Fall, dass Christoph Blocher als Bundesrat nicht wiedergewählt werde. «Wird er am 12. Dezember gekippt, verkünden wir am Tag darauf die Lancierung einer Tageszeitung. Die Pläne dafür liegen bereits in der Schublade», sagte Maurer damals dem Sonntagsblick. Kurz darauf bezeichnete Blocher das Projekt als Ente und meldete aufgrund der Kostenfrage Zweifel an der Realisierbarkeit an. Dennoch doppelte der ehemalige SVP-Sprecher Roman S. Jäggi nach und erklärte, dass man definitiv eine Zeitung lancieren wolle (siehe SVP-Parteileitung hält an Zeitungsplänen fest). Dass sich der Wind nun so gedreht hat, erklärte Hauert damit, dass die SVP als politische Partei ihren Wählern gegenüber zu politischer Arbeit verpflichtet sei und nicht die Funktion einer Zeitungsredaktion hätte. Entsprechend würden die Ressourcen in die bestehenden Kommunikationsgefässe eingesetzt und das Projekt einer Tageszeitung auf Eis gelegt.

    http://www.svp.ch
    http://www.20minuten.ch

  2. Pingback: Wahlkampfblog » Blog Archive » SVP-Chef Toni Brunner und die Opposition

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