Samuel Schmid, Roland Nef, dessen Ex-Partnerin und die Medien

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Land unter im Tessin. Bundesrat Samuel Schmid und Roland Nef, seit Anfang Jahr Chef der Armee, steht das Wasser bis zum Hals. Zu diesem Schluss kommt, wer die Berichte und Kommentare vereinzelter Medien seit dem Primeur der “SonntagsZeitung” vor zwei Tagen gelesen hat.

Der “Tages-Anzeiger” fordert Schmid auf, sich zu verabschieden: “Time to Say Goodbye” lautet der Titel des heutigen Kommentars. Der “Blick” macht Details aus dem privaten Umfeld von Roland Nef publik und die “Neue Luzerner Zeitung” wieder schrieb schon gestern von einer Schmierenkampagne. Die NZZ schliesslich ordnet zurückhaltend ein.

Der Fall Nef ist zweifellos auch ein Fall Schmid. Interessant ist aber auch die Rolle der Medien. Was meinen Sie?

20 Comments on “Samuel Schmid, Roland Nef, dessen Ex-Partnerin und die Medien”

  1. Hardy

    Das Timing hätte besser gar nicht sein können. Genau zum Beginn der “Saure-Gurken-Zeit” (er)findet die SonntagsZeitung einen Skandal der die politische Schweiz erschüttert.

    Naja, das ist wohl leicht übertrieben. Aber was die Medien in den letzten Tagen aus dieser Geschichte gemacht haben, ist masslos übertrieben.

    Soll ein Unternehmen jemanden nicht einstellen, weil seine Frau ihn verklagt hat? Was bitte schön, hat das denn mit seinen beruflichen Qualifikationen und Fähigkeiten zu tun?

    Aber eben, wenn sich die Medien auf jemanden (Sämi Schmid) eingeschossen haben (Jungfrau, Kander, Zecken) dann muss man natürlich dran bleiben.

    Das erinnert mich stark an die unsägliche und peinliche Geschichte Borer/Fielding. Da wurde ein guter Schweizer Botschafter geopfert, damit die Medien ihr Sommerloch stopfen konnten.

    Schade, gehen die Medien mit ihrer Macht nicht verantwortungsvoller um.

  2. Titus

    Derart persönliche Attacken nehmen schon langsam bizzare Formen an (ob das eine “Nebenwirkung” der Personifizierung bei einer SVP ist?). Potentielle Kandidaten für irgendein hohes, in der Öffentlichkeit bekanntes Amt scheinen sich bald einem Lügendetektor-Test unterziehen zu müssen, haben gefälligst noch einen Auszug aus dem Betreibungsamt mitzubringen und haben Vorfahren vorzuweisen, die zurück bis 1291 unbescholtene Bürger waren…

    Hardys Aussagen stimme ich voll und ganz zu. Nach Leuenberger, Schmid und Leuthard sind jetzt drei Bundesräte “schon durch”. Bis zum Ferienende sollten die Medien auch noch die verbleibenden vier schaffen…

    Es liegt mir fern, irgend jemanden verteidigen zu wollen. Nur haben wir wohl wichtigere Herausforderungen zu lösen, oder?

  3. kathrinb

    ich bin auch der meinung, dass das privatleben nicht an die öffentlichkeit gehört. die frage ist nur, was gehört alles in die privatsphäre?

    wenn herr nef z.b. seine (ex-)frau betrogen hätte, wäre das meiner meinung nach ganz klar seine privatangelegenheit.

    häusliche gewalt ist aber auf keinen fall privatsache!!! in der schweiz wird leider häusliche gewalt oft immer noch verharmlost, was extrem beunruhigend ist…

    ausserdem kann man doch nicht allen ernstens behaupten, das hätte nichts mit der beruflichen qualifikation zu tun! hallo?!? jemand der entweder so gewälttätig oder so jähzornig und unbeherrscht ist, dass er seine frau schlägt, ist in einem verantwortungsvollen posten nicht tragbar!!!

  4. Titus

    @ kathrinb
    Häusliche Gewalt ist in der Tat ein schlechter Charakterzug, den man in keiner beruflichen Position tolerieren kann. Auch ist häusliche Gewalt nicht zu verniedlichen.

    ABER: Es gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Nur weil jemand gegen Dich Klage erhebt, bist Du ja auch noch nicht schuldig, oder? Er soll sie mit bösen E-Mails, SMS und Telefonanrufen verfolgt haben. Was ist “böse”? Wenn er einmal die Contenance verloren hat – was uns allen schon einmal passiert ist – und er sich dann zuerst per SMS und anschliessend per Telefon entschuldigen wollte, ist das dann “verfolgt”?

    Ich will damit nur aufzeigen, dass wir gar nichts wissen, nicht einmal was sie für ein Typ ist. Da können und dürfen wir über solche Dinge auch nicht (vor)urteilen.

    Aber eben, es ist Saure-Gurken-Zeit und die Medien lieben es zu spekulieren (z. B. auch über mögliche Bundesratsrücktritte nach den Sommerferien). Das nächste Kapitel wäre dann, dass sie nachgibt und anfängt, öffentlich unsaubere Wäsche zu waschen. In dem Moment werden die anderen vier Bundesräte wohl noch mit einem blauen Auge davon kommen… ;-)

  5. open society

    Saure Gurken-Zeit oder gezielte SVP-Inszenierung?

    Ich teile die Kommentare über die Vorverurteilung. Ebenso natürlich das Prinzip der Unschuldsvermutung. Spanisch kommt mir nur vor, dass die Aktion derart konzertiert kommt und offensichtlich irgend jemand hinter der Aktion laufend füttert.

    Tatsache ist jedenfalls:

    – Die SVP ist seit Monaten mit schlechter Presse in den Medien
    – Der SVP ist es nicht gelungen, Bundesrätin Schlumpf wegzumobben
    – Toni Brunner hat seit 10 Tagen ein Gesuch um Aufhebung seiner Immunität am Hals

    Fragen: wer liefert hier (teilweise private) Informationen an wen? Wer hätte derzeit am meisten Interesse an einem Rücktritt einer der beiden ehemaligen SVP-Bundesräte? Wie reagierte die SVP jeweils, wenn Alt-Bundesrat Blocher mal wieder seine KollegInnen nicht informierte?

    Das stinkt zum Himmel und scheint von A bis Z inszeniert. Aber irgendwie typisch. Sollte sich diese Theorie jedoch bewarheiten, dann werden einige Journis inskünftig ihre Informationen wohl nur noch auf schriftliche Anfrage hin in ebensolcher Form erhalten.

  6. Hugo Ferrari

    Die Liste der Peinlichkeiten ist schon lang, aber noch nicht unbedingt zu Ende. Wie lange wird es dauern, bis die Armee wieder in den Schlagzeilen steht? Wo wird der erste Zivilist von einem Wache schiebeden Soldat über den “Haufen” geschossen?

  7. Mark Balsiger

    Da ist einiges zusammen gekommen, herzlichen Dank an alle, die sich hier beteiligten.

    Die Frage von kathrinb bezüglich Privatsphäre finde ich wichtig: Was ist privat, was öffentlich? Beispielsweise: Geht es uns etwas an, wenn Roland Nef seine damalige Freundin via Partnervermittlungsinstitut fand? Müssen wir wissen, dass er jetzt mit einer anderen Frau und deren Kind zusammenlebt?

    Die Vermischung von Privatem und Öffentlichem geschieht immer häufiger, sehr oft auch bewusst von den Akteuren inszeniert. Es sind nicht immer nur die “bösen Medien”, die daran schuld sind.

    Die Ansichten von Hardy und open society finde ich spannend. Andere mögen sie Verschwörungstheorien nennen. Dass die SVP schon lange Samuel Schmid und Micheline Calmy-Rey zu demontieren versucht, ist offensichtlich. Alles andere ist Spekulation. Das ist reizvoll, klar, aber es schadet unter dem Strich allen und damit auch dem Ansehen der Politik.

  8. Mark.Balsiger

    @ Hardy

    Mein Langzeitgedächtnis setzt wieder ein: Der Fall von Botschafter Thomas Borer brach im Frühjahr 2002. Der “SonntagsBlick” zeigte eine Fotografie eines Nacktmodells, das Borer in der Botschaft besucht haben soll. Diese Fotografie war ein Fake, die Aussage des Modells mit 10’000 Euro gekauft – von Riniger. Aus der Affäre Borer wurde eine Affäre Riniger. Chefredaktor Nolte trat zurück und der “Blick” musste eine Abfindung zahlen. Die Höhe wurde entweder nicht öffentlich bekannt gegeben oder ich erinnere mich nicht mehr daran.

    Der politische Teil dieser Geschichte: Bundesrat Joseph Deiss liess Borer faktisch fallen, damit er nicht auch noch unter die geballte Kampagne von Ringier geriet.

    Bei Schmid/Nef präsentiert sich der Fall also definitiv anders.

  9. open society

    @ Mark Balsiger
    Ich habe insinuiert, dass die SVP gezielt dahinter stehen könnte. Aufgrund der präsentierten Faktenlage sowie der offenen Fragen ist dies sicherlich nicht reine Spekulation. Die Frage, wer hier füttert bleibt offensichtlich auch heute offen.

    Zur aufgeworfenen Frage der Vermischung von Privatem und Öffentlichem: nebst den beiden genannten Akteuren „Medien/ Journalisten“ sowie „Personen (Sache?) des öffentlichen Interesses“ vermisse ich den Dritten: den „Medienkonsumenten“.
    Kleinformatblätter (tiefsinniger NZZ-Jargon) steigern ihre Auflagen seit Jahren. Dies mit einem Mix aus Agentur-Nachrichten, viel Glamour, ein wenig Auto und etwas mehr Sport. Die Nachfrage bestimmt das Angebot; ganz offensichtlich ist für die breite Masse die Frage „wer mit wem wann und wo und in welcher Stellung“ von weit grösserem Interesse als Details des Bundesbeschlusses zur Förderung der einheimischen Rebkulturen in Gegenden über 800m.
    Wenn aber die Anzahl von Spalten und mm über Karrieren, gesellschaftliches Fortkommen und letztlich über Positionen (mit-)entscheiden, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Akteure diese System-Immanenz als Mittel zum Zweck einsetzen – bis zum Punkt, wo das Mittel zu einem unvorhergesehenen Zweck umgedeutet wird.

  10. loeffel robert

    aber hallo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    diese obenstehenden “politisch fundierten” äusserungen zum thema schmid/nef schiessen jeden vogel ab. da ist die rede von häuslicher gewalt sei privatsache. so ein schwachsinn.

    1. geht es nicht um häusliche gewalt, sondern um nötigung. und nötigung ist von amtes wegen ein offizial-delikt. aber das wurde (oh wunder!!!!!) plötzlich als es um die beförderung ging mit einem gütlichen stillschweigen aufgehoben.

    2. geht es in erster linie nicht um diesen umstand des delikts von herrn nef. sondern ums verhalten von bundesrat schmid gegenüber dem gesamtbundesrat. und das ist der entscheidende punkt in dieser affäre.

    jeder bundesrat ist verpflichtet: wenn es um eine beförderung geht seine bundesratskollegen und kolleginnen (bei einer hängigen strafverfolgung der betreffenden person), diese zu informieren. und in diesem fall hat herr schmid den gesamtbundesrat hintergangen.

    hätte herr schmid dies nicht vertuscht und verschwiegen wäre dies richtig und anständig gewesen.

    ausgerechnet herr schmid der in seinem fall immer von den andern anstand und stil einforderte.

    aber hauptsache man kann, wie in den obenstehenden bloggs, wieder einmal nach herzenslust auf die svp einschiessen.

    ob politisch fundiert oder nicht, hauptsache man hat etwas geschrieben. wenn nächstens z.b. eine linke politikerin alkoholprobleme hat (wie diese in biel) steckt in jedem fall die svp dahinter.

    aber auf alle fälle offenbart “das schweigen des schmids” bis zum heutigen tag, eine weitere charakter- und führungsschwäche von ihm. das wäre in keinem europäischen parlament möglich.

  11. Andreas

    @ open society

    Dein letzter Abschnitt bringt die Sache kurz und bündig auf den Punkt:

    “Wenn aber die Anzahl von Spalten und mm über Karrieren, gesellschaftliches Fortkommen und letztlich über Positionen (mit-)entscheiden, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Akteure diese System-Immanenz als Mittel zum Zweck einsetzen – bis zum Punkt, wo das Mittel zu einem unvorhergesehenen Zweck umgedeutet wird.”

    Danke.

    Wundern tun wir uns ja schon lange nicht mehr, aber kritisch dagegen schreiben sollten wir, dass die Blätter, Radio- und TV-News des Schweizer Journalismus zunehmend aus in Flaschen abgefüllter PR bestehen. Wie immer gibt es einige positive Ausnahmen. Ich will damit gar nicht sagen, dass “die” Medien und “”die” JournalistInnen an dieser Entwicklung Schuld seien (Instrumentaliserung gab es schliesslich schon immer; ja sogar eine quasi institutionalisierte Instrumentaliserung zu Zeiten der Partei- u. Gesinnungspresse, die sich in der Schweiz bekanntlicherweise ziemlich lange halten konnte). Nein, diese Entwicklungen sind meiner Meinung nach schlicht und einfach eine logische Folge der Professionalisierung und des Ausbaus professioneller PR (auf Unternehmens-, Organisations- und auf der Stufe politischer Institutionen). Und die JournalistInneen ihrerseits spüren den ökonomischen Druck im Nacken. Da bleibt zu wenig Zeit (und bisweilen vielleicht auch das nötige kritische Verständnis?) dafür, Informationen und Quellen kritisch zu bewerten. Was zählt ist der Primeur.

    Allerdings haben wir da noch Web 2.0. Ich frage mich, wie lange diese Sphäre noch von (erfolgreicher) professioneller PR verschont bleiben wird? Immerhin lässt dieser Raum sich nur schwer kontrollieren…

  12. Mark.Balsiger

    @ loeffel robert

    Ich gehe mit Ihrem 2. Punkt weitgehend einig.

    Zum Fall der “linken Politikerin mit Alkoholproblemen”, den Sie anschneiden. Es handelt sich um Valérie Garbani, die in der Stadtregierung von Neuenburg sitzt. Nicht in Biel. Und es war auch nicht so, dass sie explizit von SVP-Mitgliedern angegriffen wurde.

    Die Glaubwürdigkeit von Blogs wird dann erhöht, wenn wir uns an Fakten orientieren. Emotionale Ausbrüche und viele Ausrufezeichen helfen bei einer Diskussion selten weiter.

    Das Wahlkampfblog ist parteipolitisch unabhängig, vom einseitigen Eindreschen auf Menschen oder deren Werthaltungen halte ich nichts.

  13. loeffel robert

    mir war der name garbani schon bewusst. aus lauter persönlichkeitsschutz erwähnte ich ihn nicht. wo ich mich ganz klar vertan habe ist mit biel. richtig ist natürlich neuenburg (habe mich in der drei seenlandschaft verlaufen)!

    Danke für die richtigstellung.

    war übrigens auch nur als beispiel zu verstehen, wenn andere fehler machen ist die mutmassung die svp könnte dahinter stecken nicht mehr weit.

    mit der glaubwürdigkeit und sich an fakten in den bloggs zu halten stimme ich ihnen voll und ganz zu.

    aber tatsache ist:
    3 einträge mutmassen und finden: die medien seien instrumentalisiert, saure gurkenzeit, medien von a-z inzeniert, medien lieben es zu spekulieren etc…

    … oder es sei eine privatsache von herrn nef

    4 einträge mutmassen oder finden: eine personifizierung der svp, gezielte svp inzenierung, die svp könnte dahinterstecken etc…

    letztere zeugen auch nicht gerade von, sich an fakten halten oder parteipolitisch unabhängigen wahlkampfblogs.

    wie gesagt mir geht es um das fehlverhalten des bundesrats schmid, und das ist bei dem immer geforderten stil und anstand von diesem herrn nicht ohne. die unfähigkeit zu führen und das “schweigen der läm……, pardon von schmid geht weiter.

  14. Titus

    Weiss hier jemand, inwiefern sich JournalistInnen an die Erklärungen und Richtlinien des Presserats zu halten haben (www.presserat.ch)? Sind diese nur „fromme Wünsche“ oder haben sie verbindlichen Charakter?

  15. Mark.Balsiger

    @ Titus

    Die Richtlinien des Presserates sind Richtlinien, nicht mehr und nicht weniger. Sie gelten aus meiner eigenen Erfahrung als eine Art Ehrenkodex, an den sich die allermeisten Medienschaffenden übrigens auch halten.

    Problematisch ist, dass sich in solchen Fällen die Skandalisierungsspirale zu drehen beginnt und teilweise flüchtig “recherchiert” wird.

  16. loeffel robert

    titus, das ist eine interessante frage! ich möchte hier aber die journalistengilde nicht unisono angreifen, was sie zu hat hat oder nicht.

    vielleicht nur soviel: aus der heutigen ausgabe von der gratiszeitung .ch vom 16 juli (sicherlich nicht gerade das politisch relevanteste blatt).

    Titelseite: Armeechef nef sorgt für weitere verwirrung.
    gegen roland nef war eine strafanzeige hängig, als ihn der bundesrat zum armeechef wählte. und jetzt kommts: deshalb wird verteidungsminister samuel schmid von allen seiten angeriffen.

    der arme sämi wird angegriffen.

    heute morgen meldete das schweizer radio: aus gut informierten kreisen, habe nef seiner damaligen lebenspartnerin mehrere tausend franken schweigegeld bezahlt. ein skandal!!!!!

    und nun zur informationspolitik des schweizer fernsehens (bekanntlich unausgewogen links) in der 13.00-uhr-ausgabe der tagesschau.

    als erstes wurde vom gefangenen-austauch zwischen israel und der hisbolla berichtet. anschliessend von protestierenden bauern in südamerika. danach von einem kuala-bären in australien, der sich mit seinem kopf in einem kühlergrill eines autos “verhäderte” und eine mehrere kilometer lange fahrt überlebte.

    alles notabene mit filmberichten!!!! versteht sich von selbst.

    ganz am schluss vor den börsendaten wurde noch schnell in zwei drei sätzen der schweizer bürger vom schweigegeld von nef unterrichtet.

    was sich in deutschland oder oesterreich sicher schon vor tagen zu einem veritablen skandal (fehlverhalten eines verteidigungsminister) ausgeweitet hätte, wird in der schweiz vom presse und fernsehen verharmlost. der deutsche oder oesterreichische verteidigungsminister hätte sich schon lange erklären und der öffentlichkeit stellen müssen. aber nicht in der schweiz.

    unter solchen gesichtpunkten ist auch die gestrige aussage vom grünen joe lang in 10 vor 10 zu verstehen. er und die anderen parteien hätten kein interesse den sämi fallen zulassen. warum auch? da hätte ja die svp plötzlich wieder einen bundesrat. und das wäre ja bekanntlich schlecht für diese heutige häfeli techeli politik im bundeshaus.

  17. Hugo Ferrari

    Auch wenn nur 10% der Infos von disem Armee-Sommer in die Presse gekommen wären, ich genau gleich mit Leserbriefen reagiert.

    Mit der SVP habe ich rein nichts am “Hut”. Sie hat sogar für Freude gesorgt, indem sie am 17. Dezember 2007 ermöglicht hat, dass Franz Hohlers “Totemügerli” Mensch geworden ist.

    Jeder dieser Punkte war zu viel:
    – die zwei Unfälle mit Toten
    – die Zecken ziehenden Soldaten
    – die geheim gehaltenen Privaten Angelegenheiten von Herr Nef
    – die Probleme mit den Wachsoldaten, die ihre Waffe nicht unter Kontrolle haben
    – ihr Kommandant, der sich selbst nicht unter Kontrolle hat

    Ist die Liste vollständig, ich führe keine Statistik? Es ist genug passiert, ich erwarte das irgend wie wieder ein wenig Ordnung ins System kommt.

  18. Christian Scheidegger

    Eine Interessante (und selten “nivaugestörte” Kette) von Kommentaren mit einer guten, “philosophischen Tendenz” wo leider im im Allgemeinen doch eher Waschküchen Atmosphäre herrscht!

    Zum Ganzen steht für mich heute schmerzhaft die Frage im Raum, woher in dieser aktuellen Politkultur alles das “real und fundiert abgeholt” werden soll, was (ein Bisschen beliebig aber doch meist vehement und oft zu Recht) angemahnt wird: Stil, Anstand, Fairnes und Sachlichkeit. Man weiss: an dieser Frage muss man, weil nur theoretisch beantwortbar, resignieren.

    Eine Hoffnung möchte ich mir allerdings erhalten: dass die Mehrheit der Schweizerbürger in den aktuellen Partei- und Personenturbulenzen die Chance erkennt, durch Teilnahme (Mitsprache/Wahlen) neue Ordnungen und Wertkonturen zu unterstützen, die aus dem Wäscheschlachtfeld wieder ein politisches Arbeitsfeld machen. Mit Arbeit, bei der Sachverstand und Souveränität (Nachsicht beim Befüllen, “gesundes” Waschpulver, modernes Waschgerät, saubere Leinen, unverschleierte Sonne und guter Wind) wichtiger sind als vieldeutige Spuren in persönlichen Unterwäschen, lästige Vogelschissli und farbige Chlämmerli…

  19. open society

    @ Christian Scheidegger

    Wagen wir einen kurzen Blick in die Zukunft:
    Nef wird zurücktreten, Schmid Bundesrat bleiben, die mediale Selbstreflexion und allenfalls Selbstkasteiung etwa ab Mitte kommender Woche auf den dritten Seiten anrollen bis sie dann mit einem Abgesang in den Feuilleton-Seiten endet.
    Die Medienschaffenden werden wieder Medien schaffen, dem jeweils eigenen journalistischen Selbstverständnis mehr oder minder gerecht werdend und männiglich wird wieder in die Niederungen des Alltags zurückkehren. Rasch werden uns alle die täglichen Banalitäten (Obama in Afghanistan und Irak, brökelnde Grosse Koalition in Deutschland usw.) eingeholt haben. In wenigen Wochen schon wird wieder einem Journalisten ein vermeintlicher Primeur zugeraunt werden. Der Betreffende, endlich den jahrelang erhofften persönlichen watergate-Skandal vor Augen, zu schreiben anfangen … und die Maschinerie von vorne, die Hatz von Neuem beginnen. Nur um hernach zurückzuschauen und die zur Strecke gebrachten zu zählen.

    Dennoch hoffen wir, dass trotz alledem etwas bleiben wird, was auch Konsequenzen in Form von politischem Handeln nach sich zieht. Welches wären die Aussichten ohne diese Hoffnung?

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