Rudolf Joder demontiert sich selbst

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Rudolf Joder Spital Medizin Versorgung

Vor 20 Jahren ist “Das LOLA-Prinzip” von René Egli erschienen. Das Buch wurde zu einem Bestseller; es thematisiert unter anderem das Loslassen. Wir dürfen annehmen, dass beim Berner SVP-Nationalrat Rudolf Joder (oben) die Essenz nicht angekommen ist.

Joder ist de facto seit 1989 Berufspolitiker. Zuerst war er 15 Jahren lang Gemeindepräsident von Belp, 1999 schaffte er den Sprung in den Nationalrat. Die SVP des Kantons Bern kennt eine Altersguillotine, die in der Grossen Kammer nach 16 Jahren fällt. Auf Ende der laufenden Legislaturperiode, also im Herbst 2015, müsste Joder aufhören. Ein Leben ohne politisches Amt kann er sich, so Stimmen aus der eigenen Partei, kaum vorstellen. Als Berner Parteipräsident (2006 bis 2012) holte er sich im SVP-Krisenjahr 2008, als Abtrünnige die BDP gründeten, keine Loorbeeren. Nach innen schaffte er es nicht, die Auseinandersetzungen zu moderieren, nach aussen kommunizierte er schwach.

In den letzten 18 Monaten war er, der Politiker auf Bundesebene, auffällig umtriebig im Kanton, etwa mit einer Steuersenkungsinitiative, die allerdings bis heute nicht lanciert wurde, oder der Spitalstandortinitiative. Diese verlangt, stark vereinfacht, dass die kleinen Spitäler in den Regionen weiterhin betrieben werden. Ein populäreres Engagement gibt es kaum.

Kurz nach seinem 64. Geburtstag prescht Joder nun in eigener Sache vor: Er lancierte gestern seine Ständeratskandidatur – mit einer Medienmitteilung, die er gleich selber verschickte. Er sei vom Vorstand der SVP Mittelland-Süd nominiert worden. Wie die “Berner Zeitung” heute schreibt, hat dieses Gremium allerdings noch gar keine Abstimmung durchgeführt.

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Mit dem Vorpreschen Joders hat die Berner SVP-Kantonalsektion ein handfestes Problem: Es ist seit geraumer Zeit ausgemacht, dass ihr Kampfkandidat für den Ständerat Werner Salzmann (Foto) heissen soll. Der 52-jährige Kantonsangestellte wurde im Herbst 2012 Parteipräsident und damit Nachfolger von Joder, was der Konstellation zusätzlich Zunder gibt. Bei den Nationalratswahlen 2011 verpasste Salzmann den ersten Ersatzplatz um nur eine Stimme. Mit einer Doppelkandidatur für den National- und Ständerat würde er im Herbst 2015 mit Sicherheit den Sprung auf die nationale Bühne schaffen.

Joder ist für die Volkspartei der Mann von gestern, Salzmann hingegen der Mann der Zukunft. Schon bei der Kampfwahl zum Präsidenten setzten sich Mitglieder des nationalen Parteikaders für ihn ein. Damals obsiegte Salzmann gegen Grossrat und Fraktionschef Peter Brand mit 224 zu 214 Stimmen.

Die Kantonalberner SVP ist gut im Schuss: Bei den Grossratswahlen im März erreichte sie satte 29 Prozentpunkte (+ 2.4%). Als klar wählerstärkste Partei muss sie alles daran setzen, ihren traditionellen Ständeratssitz wieder zurückzuerobern. Problematisch ist, dass ihre Nationalräte mit Wahlchancen, etwa Albert Rösti oder Andreas Aebi, kein Interesse signalisierten. Adrian Amstutz wiederum verlor im Herbst 2011, notabene nach nur zwei Sessionen, sein Ständeratsmandat gegen den Sozialdemokraten Hans Stöckli.

Die Spannungen der Berner SVP sind nun öffentlich, auch wenn die Parteioberen den Ball flachhalten werden: Joder muss seinen verzweifelten Sololauf im Nachhinein von seiner Sektion absegnen lassen, Salzmann wiederum braucht Nerven und einen kühlen Kopf. Agiert und kommuniziert er in eigener Sache geschickt, wird er als Ständeratskandidat auf den Schild gehoben. Und damit wäre die Selbstdemontage Joders perfekt.

Mark Balsiger

 

Fotos Rudolf Joder & Werner Salzmann: derbund

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