Roland Nef nimmt den Hut

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Armeechef Roland Nef hätte bis zur ersten Bundesratssitzung vom 20. August Zeit gehabt, seine Unschuld zu beweisen. “Die Wahrheit muss eine Chance haben”, betonte Bundesrat Samuel Schmid am letzten Montag, als er Nef dieses Ultimatum stellte und damals schon auf Distanz ging.

Nefs Situation war ausweglos. Ich habe dieser Tage schon einmal das Bild eines Boxers verwendet. Es passt: Nef ging in die letzte Runde, schwer angeschlagen. Die Kommentatoren und das Publikum gaben ihm keinen Kredit mehr. Und auch sein Coach wusste, wie der Kampf ausgehen wird.

Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn Nef jetzt seine Demission beantragt. Bundesrat Schmid wird sich heute gleichwohl den harten Fragen der beiden Sicherheitspolitischen Kommissionen stellen müssen. An seinem Stuhl wird weiter gesägt. Die Rücktrittsforderungen sind teilweise doppelbödig. Die SVP hat gewiss kein Interesse, in den nächsten Jahren ohne ihren Lieblingsfeind weiter auf “Opposition” machen zu müssen.

Für die Schweizer Armee ist Nefs Entscheid ein Befreiungsschlag: Sie steckt in einem grossen Reformprozess und die Kader sind zutiefst verunsichert, weil die Ausrichtung unklar ist. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass ihr höchster Offizier eine glaubwürdige und integre Persönlichkeit ist. Nach innen wie nach aussen. Wir können uns nur wünschen, dass Divisionär André Blattmann, der interimistische Armeechef, wieder Ruhe in die Truppe bringt.

32 Comments on “Roland Nef nimmt den Hut”

  1. tinu

    wieder Ruhe in die Truppe bringt

    Habe ich was verpasst, gab es da Unruhe “in der Truppe”? Dann wissen Sie offenbar wieder mehr… Wie die Medien – die können jetzt sich jetzt auf die Schultern klopfen. Aber es ist ja nur ihr halbes Ziel…

  2. Alexander Müller

    Nef war integer und glaubwürdig, er ist das Opfer einer Hetzkampagne geworden. Raymond Cron hingegen ist nicht glaubwürdig und trotzdem weiterhin Chef des Bundesamts für Zivilluftfahrt.

    Aber eben, vielen meinen Eben, dass leichte vergehen schwerer geahndet werden müssen wenn die Medien hetzen als schwere Verbrechen und so kommt es dann halt, dass derjenige mit dem sauberen Strafregisterauszug plötzlich nicht mehr glaubwürdig ist währendem der Vorbestrafte weiterhin im Amt sitzen kann und dann sogar nicht in höchsten Tönen gelobt wird.

  3. tinu

    @A.M.
    Was das BAZL in letzter Zeit an völlig unrealistischen und unpraktikablen Schreibtischtaten verbrochen hat, lässt mich doch sehr zweifeln, dass Cron “in den höchsten Tönen gelobt” wird.

  4. kathrinb

    @A.M. und tinu
    Die Kritik an Raymond Cron mag berechtigt sein, aber es tut hier nichts zur Sache.
    Es ist einfach unglaublich, zu schreiben, dass Nef “integer und glaubwürdig” sei und höchstens ein “leichtes Vergehen” begangen habe.
    Die Vorwürfe der Medien sind zwar nicht bewiesen, aber es ist wahrscheinlich, dass sie so oder zumindest ähnlich passiert sind.
    Die Aussage, es handle sich nur um ein “leichtes Vergehen” zeigt einmal mehr, dass häusliche Gewalt in der Schweiz noch immer als Kavaliersdelikt und als Privatsache betrachtet wird. Dabei ist häusliche Gewalt ein gravierendes gesellschaftliches Problem mit traumatischen Folgen für die Opfer. Zudem ist häusliche Gewalt ein Offizialdelikt und wird strafrechtlich Verfolgt.
    Nef hat ja, immer unter der Voraussezung, dass die Vorwürfe gegen ihn stimmen, nicht einfach im Affekt 2-3 böse SMS geschrieben, sondern seine Ex über einen sehr langen Zeitraum gezielt und massiv bedroht und belästigt. Das ist alles andere als harmlos.

  5. tinu

    @kathrinb
    Natürlich ist häusliche Gewalt schlimm und hässlich für die Betroffenen. Aber betr. Nef gibts einen Denkfehler und ist typisch, wie auf die Hetze der Medien mit ständigen Vorverurteilungen reingefallen wird: Häusliche Gewalt ist ein Offizialdelikt, ja. Bei Nef wurde das Verfahren eingestellt – also ist die Anschuldigung “häusliche Gewalt” falsch, sonst hätte das Verfahren eben gerade nicht eingestellt werden können.

  6. kathrinb

    @tinu
    Lies mal das Infoblatt zum Thema häusliche Gewalt unter diesem Link http://www.bif-frauenberatung.ch/bif/taetigkeit/gewalt.pdf
    Zitat: “Seit dem 1. April 2004 (…) werden
    verschiedene Gewaltdelikte (…) nicht mehr auf
    Antrag, sondern von Amtes wegen verfolgt, wenn sie zwischen EhegattInnen und
    hetero- oder homosexuellen LebenspartnerInnen stattfinden. Die zuständige kantonale
    Behörde (…) kann allerdings ein
    Strafverfahren zwischen EhegattInnen und LebenspartnerInnen mit Zustimmung des
    Opfers provisorisch einstellen (gilt nicht für Sexualdelikte). Diese Einstellung wird
    definitiv, wenn sie vom Opfer nicht innerhalb von sechs Monaten widerrufen wird.”

  7. tinu

    @kathrinb
    Eben. Das Verfahren wurde eingestellt – von “provisorisch” habe ich nichts gelesen. Aber die Einstellung reichte den Medien und der Meute nicht – Nef musste weg.

  8. kathrinb

    @tinu
    wenn du bis zum ende des abschnitts gelesen hättest, wüsstest du jetzt, dass ein provisorisch eingestelltes verfahren ohne widerruf nach 6 monaten definitv eingestellt wird.
    was du aber nicht begriffen hast:
    a) häusliche gewalt ist ein offizialdelikt
    b) ein verfahren wegen häuslicher gewalt kann dennoch mit der zustimmung des opfers eingestellt werden
    c) deine schlussfolgerung, es könne sich bei nef nicht um häusliche gewalt gehandelt haben, weil das verfahren eingestellt wurde, ist falsch.

  9. tinu

    @kahrinb
    Aber deine Schlussfolgerund, dass es häusliche Gewalt war, ist dann einfach richtig? So so. Ich gehe immer noch vom juristischen Standpunkt aus, dass ich nichts zu beurteilen und schon gar nicht verurteilen habe, wenn ich keine Einsicht in das habe, was tatsächlich geschehen ist. Einfach nachzuplappern, was in den Zeitungen steht, ist Mobbing.

  10. kathrinb

    @tinu
    nach deiner antwort auf andreas’ kommentar, was die SZ-journis betrieben, sei “stalking”, bin ich endgültig davon überzeugt, dass es keinen sinn hat, mit dir noch weiter zu diskutieren. es ist einfach nur zeitverschwendung.

  11. tinu

    @kathrinb
    Ich bin einfach vom ursprünglichen Sinn von “to stalk” ausgegangen: Das englische Wort to stalk bedeutet ursprünglich „jagen, hetzen, steif gehen, stolzieren“ – ich hätte es in Anführungszeichen setzten sollen, stimmt.

  12. Daniel Ordás

    Wenn zwei das Selbe tun muss es nicht immer gleich bewertet werden. Zur Frage warum Knutti (der schlachte Kanderselektionierer) gehen musste und Schmid (der noch schlechtere Kaderselektionierer) bleiben darf findet sich eine interessante Passage in der Bibel.

    http://www.ordas.ch/blog/10.html

  13. Mark.Balsiger

    Ich komme eben von der Medienorientierung im Medienzentrum Bundeshaus zurück. Die Präsidenten der beiden Sicherheitspolitischen Kommissionen standen vor die Mikrofone.

    Sie erläuterten, dass ihnen Armeechef Roland Nef am Morgen Rede und Antwort gestanden war, obwohl er seine Demission eingereicht hatte. Laut den Kommissionssprechern gab Nef nicht Neues preis. Er blieb bei seiner Haltung, dass die Öffentlichkeit kein Anrecht habe auf solche Informationen.

    In der ständerätlichen Kommission war ein Rücktritt von Bundesrat Schmid kein Thema. Hingegen in der Schwesterkommission des Nationalrats. Dort forderten die Grünen den Rücktritt von Schmid. Er wurde mit 8:12 Stimmen abgelehnt – 4 Mitglieder enthielten sich.

    Direkt im Anschluss an die Medienorientierung lud die SVP Schweiz zu einem “Point de Presse” mit drei Nationalräten. Sie brandmarken den Entscheid der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats als “parteipolitisch” motiviert. Dass ihre Rücktrittsforderung einen ebensolchen Hintergrund hat, sei hier nicht verschwiegen.

  14. tinu

    Wie hofft hat man in den letzten Wochen die Worte “Rücktritt”, “Rücktrittsforderung”, “muss zurücktreten”, “abtreten” gelesen? Gibts es eigentlich noch was anderes in diesen Tagen? Aber eben – Sommerloch.

  15. Christian Scheidegger

    Angesichts der durchsichtigen politischen Konstellation, kann man Herrn Schmid nur wünschen, dass er auch jetzt erfüllt und einhält, was man ihm gerne vorwirft: die Sache auszusitzen! Schmid hat mehr zu bieten, als Primeure. Er verkörpert für mich eine “ruhige Mitte”, die unserem teilweise zur Hysterie neigenden Polit-Circus alleweil gut tut!

    Anmerkung zu allfälligen Delikten Nef: Menschliches Ausrasten hat immer eine Qualität, die “dem bösen Nachbarn” sehr gefällt!
    Es ist also ganz klar darauf hinzuarbeiten, dass eine Wertesicherheit angestrebt wird. Eine solche hat sich nicht an einem Namen, sondern an Taten zu orientieren.

  16. Vinzenz Bieri

    @ Mark Balsiger

    Vielen Dank für die Berichterstattung aus dem Medienzentrum Bundeshaus.

    Die hilflosen Rücktrittsforderungen der SVP werden schon langsam tragisch: EWS hatte einfach nur gelacht. Schmid wird ein breites Lächeln aufsetzen. Seit dem SVP-Trauma mit der Abwahl von CB befindet sich die SVP in einem tiefen Schockzustand. Dieser Frust bedarf vermutlich einer längeren Heilbehandlung. Die heutigen SVP-Hardliner sind nicht die richtigen Therapeuten, um wieder an die ersehnte Macht zu kommen. Auch die heutige Niederlage in der SIK bewirkte keine Einsicht in das falsche Vorgehen. Offensichtlich nervt es die SVP gewaltig, dass sich die beiden Dissidenten im Bundesratskollegium rundum wohlfühlen. Nicht nur Schmid, wir alle haben ein Problem mit der Motivation der Armee!

  17. oléandra

    @katrinb
    @tinu

    Die Begriffsunterscheidung „häusliche Gewalt“ und „Stalking“ sowie die daraus resultieren-den Schlussfolgerungen scheinen eure Gemüter zu erhitzen. Nachfolgend einige Überlegungen zu eurer Kontroverse:
    ▪ Im juristischen Sinne entbehren die Bezeichnungen „häusliche Gewalt“ und „Stalking“ einer einheitlichen Definition. Eine solche ist für die Strafverfolgung auch nicht zwingend, da sich letztere an der Beweislage des zur Anklage stehenden Deliktes orientiert. Unterschiedliche Auslegungen finden sich in kantonalen Polizeigesetzen, Strafprozessordnungen sowie spezifischen Gewaltschutzgesetzen. Eine Definition auf Bundesebene ist weder im StGB noch in der Gewaltschutznorm des ZGB (Art. 28b) zu finden. Auch die Vereinheitlichung des Strafprozessrechtes (StPO) sieht keine spezifischen Regelungen vor.
    ▪ Da keine strafrechtliche Definition für „häuslicher Gewalt“ existiert, ist auch nicht jede denkbare Form „häuslicher Gewalt“ (wie u.U. „Stalking“) zwingend ein Offizialdelikt.
    ▪ Die Rechtsgrundlagen haben sich durch normative Reformen während der letzten Jahre auf eidgenössischer und kantonaler Ebene stark verändert. Zumindest in juristischem Zusammenhang kann in Bezug auf „häusliche Gewalt“ zum Glück von Kavaliersdelikten oder Privatsache keine Rede mehr sein.
    Soviel zu den rechtlichen Gegebenheiten.
    Liegen Fehlverhalten oder gar ein Delikt vor, interessieren mich aus psychologischer Perspektive insbesondere die Prozesse der Verarbeitung, d.h. die kognitiv-emotionale Auseinandersetzung mit der Tat, ihren Ursachen und Folgen. Diese Prozesse sind aufgrund der Zirkularität und Interdependenz ihrer Komponenten komplex. Zum Verarbeitungsprozess gehören Offenlegungsbereitschaft, Unrechtseinsicht, retrospektive und prospektive Verantwortungsübernahme, Problem- und Folgeneinsicht, Opferempathie etc. Ihm gegenüber steht eine Vielzahl von Neutralisierungsstrategien wie Verleugnung oder Bagatellisierung der Tat, Ausblendung, Legitimation, Rationalisierung, Verantwortungsexternalisierung, Normalisierung, Abspaltung etc. Demnach verfolge ich die Fälle Nef und Schmid auch unter folgendem Blickwinkel: Wie wird öffentlich über Themen wie Fehlverhalten, Schuld, Straftaten etc. diskutiert. Welche Strategien verfolgen Medien, Blogger, die Protagonisten etc.?

  18. tinu

    @oléandra
    Wie wird öffentlich über Themen wie Fehlverhalten, Schuld, Straftaten etc. diskutiert. Welche Strategien verfolgen Medien, Blogger, die Protagonisten etc.?
    Und was ist das Resultat?

  19. Andi

    @kathrinb: Wie schon andernorts erwähnt, tinu & Co. glauben offensichtlich auch an den Weihnachtsmann; auch diese Passagen aus Nefs Leben sind vermutlich allesamt erstunken und erlogen von den ach so bösen Medien, die das ach so tiefe Sommerloch füllen müssen.

    Selbst bei Diktatoren, Schlächtern, Vergwaltigern sucht er vermutlich noch das Gute im Menschen und gräbt nach dem letzten herausholbaren Quentchen Sympathie. Er wäre sicher ein brillanter Pflichtverteidiger für solche Typen. (Natürlich wird er das vehement bestreiten, und es ist zugegebenermassen auch sehr zugespitzt – dummerweise kann man aber ob so viel Pfleglichkeit und Toleranz fast nur noch diesen Schluss ziehen. Ich habe es drum schon zu Beginn der Woche aufgegeben – es hat keinen Sinn.)

    Seien wir einfach froh, dass Nef weg vom Fenster ist. Möge er die Ruhe und Musse finden, darüber nachzudenken, was er falsch gemacht hat, und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

  20. oléandra

    Schmid versuchte es lange mit Ingnoranz, dann mit seinem Gegenangriff auf die Medien (Verantwortungsexternalisierung) – statt mit Offenlegungsbereitschaft und Fehlereingeständnis. Keine überzeugende Nummer, wenngleich er am Freitag ganz knapp wieder die Kurve kriegte. So oder so: Die Rücktrittsforderung einzelner Parteien fand ich übertrieben.

    Nef hob ebenfalls zum Gegenangriff auf die Medien an, pochte auf Privatsphäre, versuchte sich um den Zeitpunkt der Unterzeichnung der Desinteresse-Erklärung herumzumogeln und entzieht sich mit seinem Rücktrittsantrag weiteren Abklärungen. Alles in allem sehr defensiv. Wer ein derart öffentliches Amt bekleidet, müsste m.E. etwas mehr öffentliche Transparenz bieten. Doch was hätte er zu sagen? Irgendetwas fehlt mir, aber ich kann nicht genau sagen was. Wir wissen ja nicht was vorfiel. Jedenfalls interessieren mich nicht Details zu seinen allfälligen Taten, davor werden hoffentlich alle Beteiligten sowie die Öffentlichkeit verschont.

    Trotz unschöner Begleiterscheinungen begrüsse ich, dass die Medien im Sinne der Kontrolle massive Mängel im Wahlprozedere aufzeigten. Ebenso, dass sie damit eine Klärung der Situation erzwangen, m.a.W. Neutralisierungsstrategien keine Chance liessen.

    Auf dass es uns möglichst oft gelingt, mit eigenen Fehlern konstruktiv umzugehen sowie uns und andere wo nötig zur Rechenschaft zu ziehen, ohne dabei den Respekt vor unserem unzulänglichen Menschsein zu verlieren.

  21. tinu

    @Andi
    liefert wieder mal das klassische Beispiel: Wenn man keine Argumente mehr hat, greift man den Poster persönlich an. Aber dieses Diskussionensmuster sind wir von der SVP gewohnt.

    Ja ja, “er” ist weg vom Fenster, der Scheiterhaufen hat gebrannt – “man” ist wieder zufrieden.

    @oléandra
    Deinen letzten Satz kann ich nur unterstreichen – hoffentlich liest ihn Andi auch.

  22. Titus

    @ Andi
    Auch mit dem Risiko, auf den noch heissen Scheiterhaufen geworfen und womöglich noch als frauenfeindlich beschimpft zu werden:

    Kannst Du Dir vorstellen, dass sein “unbesonnenes Verhalten” eine Folge ihres Verhaltens gewesen sein könnte, so quasi ein gegenseitiges Sich-hineinsteigern, wo das eine das andere ergibt?

    Das, was R. Nef gemacht haben soll, ist ja ziemlich happig, schier unglaublich. Darüber sind wir uns wohl einig. Wenn er aber so Unglaubliches gemacht haben soll, kannst Du Dir vorstellen, dass sie ebenso Unglaubliches gemacht haben könnte (z. B. dass sie etwas inszeniert, dass gar nie stattgefunden hat)?

    Gerade bei diesen Fragen ist es mir einmal mehr wichtig zu betonen, dass ich nichts verniedlichen will und auch nicht der virtuelle Anwalt von R. Nef zu spielen brauche. Ich stell’ diese Fragen sachlich und ohne provozieren zu wollen. Mir fehlt in dieser Geschichte einfach ein Bild über “die unbekannte Dritte”, um mir eine Meinung über ihn (und sie, da es in einer Beziehung ja zwei braucht) machen zu können.

    Die fraglichen Medien, denen ihr Name aus dem Polizeiprotokoll bekannt sein muss, werden über ihr Charakterwesen wohl kaum so tief graben wie bei ihm. Und würden sie etwas finden, würden sie darüber wohl kaum berichten, da sie damit ja ihre eigene, bisherige Berichterstattung torpedieren würden.

    Einen Kommentar zum oben verlinkten Weltwoche-Artikel lasse ich nun mal sein (liefere ich auf Wunsch aber gerne nach).

  23. Andi

    Jaja, das kennen wir aus anderen Diskussionen zur genüge: Sobald man nicht mehr weiter weiss und sich etwas düpiert fühlt, zieht man die “Du-greifst-mich-persönlich-an”-Karte und rückt den bekennenderweise linken Kommentator in die Nähe der SVP.

    Superkreativ, momool!

    Wieso darf man nicht andeuten, dass sich jemand in meinen Augen disqualifiziert, wenn er (anstatt einfach zu schweigen, was auch eine Möglichkeit wäre) zwischen den Zeilen häusliche Gewalt wiederholtermassen verharmlost (auch wenn er auf den Zeilen das Gegenteil behauptet)?

    Aussagen wie “werden über ihr Charakterwesen wohl kaum so tief graben wie bei ihm” und “das, was R. Nef gemacht haben soll, ist ja ziemlich happig, schier unglaublich” heissen nichts anderes als “vermutlich hat das böse Weib eh provoziert und damit alles ausgelöst, ein Mann würde doch sowas nie einfach so tun” und sind somit zutiefst machoid und widern mich derart an, dass ich gerne etwas deutlicher werde.

    Wenn ihr euch (angesprochen ist vor allem Titus) durch solche Einordnungen angegriffen fühlt – mir solls recht sein. Solche Tendenzen müssen imho klar benannt und (aufs heftigste) kritisiert werden. Vielleicht seid ihr noch etwas jung und checkt noch nicht ganz, wie solche Aussagen rüber kommen können; hoffen wirs mal. Es gibt aber einfach ein bestimmtes Niveau, wo’s mir den Hut lüpft und wo ich in einer Diskussion auch mal ausrufen muss.

    Und zugutzerletzt: Ich hab wenigstens das Toupet, auch etwas unangenehme Sachen mit meinem vollen Namen samt Link zu zeichnen. Sobald ihr das auch tut, nehme ich euch vielleicht ein ganz klein wenig ernst. Ansonsten ist “feige” wohl das einzig passende Prädikat, sofern ihr denn einen wirklichen persönlichen Angriff wollt.

  24. Titus

    Andi, da hat’s Dir aber mächtig den Hut gelüpft. Ist zur Kenntnis genommen und wird mangels Sachlichkeit meinerseits nicht weiter erwidert.

  25. Andi

    Das ist zweifellos eine sehr gute Idee.

    Aber anstatt mangelnde Sachlichkeit zu bemängeln, würde ich mich lieber mal ins stille Kämmerlein zurückziehen und mir überlegen, in welche ideologische Ecke dich die gemachten Aussagen stellen.

    Aber eben – anonym kann man ja rausschreien, was man will, ist ja nicht so schlimm.

  26. oléandra

    Es ist hoffentlich unbestritten, dass
    – Gewalt immer inakzeptabel ist;
    – Hinschauen und professionelles Eingreifen Pflicht sind;
    – Wege aus der Gewaltspirale durch Unterstützung sowohl der Opfer wie der Täter gefunden werden sollen;
    – Gewalt zwischen Erwachsenen meist auch Kinder tangiert. Ihnen ist ein besonderes Au-genmerk zu schenken.

    Dennoch: Pauschale Schwarz-Weiss-Malerei i.S. einseitiger Schuldzuweisung wird im Ein-zelfall der Komplexität der Opfer-Täter-Dynamik zumindest bei Erwachsenen nicht gerecht. Diese Aussage hat nichts mit Rechtfertigung der Täter zu tun, sondern zeugt von Sachverstand:

    1. Aufgabe sowohl der Opferhilfeberatung wie von Täterprogrammen ist es, die Gewalt begünstigenden Eigenanteile auf Ebene des Individuum sowie die spezifische Paardynamik zu identifizieren.
    Auf Opferseite können dies frühere Opfererfahrungen – und möglicherweise (aber nicht zwingend) daraus resultierend – fragiles Selbstwertgefühl, Disposition zu emotionaler Abhängigkeit, hohe Gewalttoleranz, psychische Störungen etc. sein.
    Es geht keineswegs darum, Opfern die Schuld zuzuweisen und Täter zu entlasten. Viel mehr geht es darum, dass das Opfer zu verstehen lernt, wie es soweit kommen konnte. Nur so hat es überhaupt eine Chance, sich künftigen Übergriffen in proaktiver Weise entgegenzustellen. Die Eigenanteile der Opfer zu analysieren ist damit nichts weiter als sekundäre Prävention und – so ist zu hoffen – das Ende eines leidvollen Lebensmusters (falls ein solches identifizierbar ist).

    2. Weiter wehre ich mich auch gegen die Kausalität „Gewalt ist immer traumatisierend“ – potenziell ist sie es, absolut. Aber jedem Opfer per se eine schreckliche Traumatisierung überzustülpen käme einer erneuten Grenzüberschreitung und allfälligen Sekundärviktimisierung gleich. Darum: Vorsicht mit Fremdzuschreibungen, sinnvoller sind offene Ohren und Sinne für die Sicht der Betroffenen.

  27. Mark.Balsiger

    @ Titus und Andi

    Ich plädiere dafür, dass Sie beide Ihren “Privatkrieg” subito beenden. Dafür ist dieses Blog nicht da, einverstanden?

    Viele Ihrer Argumente sind gut und es wert nachzudenken. Das persönliche Anfeinden kann andernorts geschehen, aber NICHT hier.

    Danke.

  28. tinu

    @oléandra
    Danke für diese Ausführungen. Es gibt sie also doch – Kommentatoren/Kommentatorinnen, die in der diskutieren Problematik den Überblick nicht verlieren, etwas zurückstehen und die Dinge sehr differenziert beschreiben. “Einfacher” ist halt das digitale Denken (hier gut – dort böse, hier Täter – dort Opfer), das meint, das Verstehen-Wollen oder die Analyse eines Problems sei gleichbedeutend mit einer Entschuldigung oder gar Verharmlosung. Der Volksmund sagt ja nicht vergebens, dass es für einen Streit immer zwei brauche – dass es aber oft viel komplexer ist, hat deine Ausführung gezeigt.

  29. Mark.Balsiger

    Ich musste eben ein paar Kommentare zu diesem Thema löschen. Wer sich in der Wortwahl komplett vergreift, hat hier keinen Anspruch darauf, dass seine Meinung veröffentlicht wird.

    Bezüglich Wortwahl gelten dieselben Regeln wie bei Leserbriefen in Tageszeitungen.

    Harte Kritik und Fairplay schliessen sich nicht aus.

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