Pendlerzeitung “.ch” wird per sofort eingestellt – wann folgt “News”?

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punktch1Zwanzig Monate nach seiner Lancierung ist “.ch” (Punkt CH) Geschichte: Die Gratiszeitung wird per sofort eingestellt, wie der Verlag in einer Medienmitteilung von heute Morgen schreibt. Angesichts der “Schwere der Wirtschaftskrise” sei es für den Verwaltungsrat nicht mehr realistisch, dass “.ch” wie geplant bis Ende 2011 die Gewinnzone erreichen werde.

Die Einstellung kommt nicht überraschend, allerdings bin ich davon ausgegangen, dass erst im Sommer die Luft zu dünn wird.

Die grosse Frage, die sich nun stellt: Was geschieht mit der Pendlerzeitung “News”, die von Tamedia verlegt wird? Sie gilt als Antwort auf die Lancierung von “.ch”. Dass “News” vorab den “Tages-Anzeiger”, aber auch “20 Minuten” kannibalisiert, ist eine Tatsache. Das wird bei Tamedia in Kauf genommen, weil es um das BIG Game geht.

Wenig beschönigend darf man von einem Zeitungskrieg sprechen, der im Gange ist. Auf dem Schlachtfeld “Pendlerzeitungen” will Tamedia-CEO Martin Kall den Mitkonkurrenten “.ch” über die Klippe jagen. Das hat er nun vor allem dank der Wirtschaftskrise geschafft. Die Legitimation von “News” ist deshalb ab sofort infrage gestellt. Gut möglich, dass schon in ein paar Wochen auch dieses Blatt eingestellt wird. Das geht allerdings nur mit einem kommunikativen Rückwärtssalto. Man darf gespannt sein.

Eine Option wäre, dass “News” in Zukunft nur noch als Kampfblatt im Kanton Aargau verteilt wird. Dort will Tamedia die Position der AZ Medien von Peter Wanner angreifen. Die Vorbereitungen für diese Schlacht haben zwar bereits begonnen, bislang sind aber kaum Bauern gefallen.

5 Comments on “Pendlerzeitung “.ch” wird per sofort eingestellt – wann folgt “News”?”

  1. Müller Reto

    Das mögliche Sterben im Blätterwald der Bezahlzeitungen bereitet mir aber wirklich Sorgen. Was der Bund für Bern, ist das Langenthaler Tagblatt (und andere AZ-Medien) für den Oberaargau, Solothurn und Aargau – welche(n) du mit dem Angriff im Kanton Aargau mit News meinst. Was, wenn wir plötzlich nur noch mit einer Zeitung (bspw. BZ) auskommen müssten. Was, wenn uns die Berichterstattung – wie bei uns am 1. Mai – in der einzigen Zeitung nicht gefällt. (http://retomueller.blogspot.com/2009/05/1-mai-langenthal-medienruckblick-und.html)

    Die Gratwanderung der Abhängigkeit zwischen Politik- und Medienschaffenden würde nochmals dahingehend verschärft, dass man umso stärker auf das nun einzig verbleibende Medium angewiesen wäre.

    Für mich eine ungute Vision.

  2. Stefan Mueller

    hihi, das ist jetzt aber unerwartet – news bleibt bestehen, dafür wird die tagi-redaktion zusammengestrichen und darf künftig artikel der news/news-netz-redaktionen sowie der bund-bundeshaus-redaktion abdrucken.

    das schönste am ta-communique aber ist, dass der angriff in solothurn abgebrochen wird.

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  4. Pingback: “Watson” oder die Herausforderung, packende Geschichten multimedial zu erzählen | Wahlkampfblog - Unabhängige Ansichten zu Politik, Medien und Kommunikation.

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