Dorfschwank um Stapi-Kandidaturen

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Man kratzt sich am Kopf. Wieder und wieder.

In den letzten 24 Stunden hat in der Stadt Bern das Kandidatenkarussell fürs Stadtpräsidium urplötzlich viel Schwung gekriegt. Wie es scheint, spickte es aber bereits alle wieder vom Bock – zu viel Tempo ist ungesund. Ein Dorfschwank in vier Akten, der so schnell über die Bühne ging, dass sich selbst ein Zürcher Beobachter via Twitter über die Geschwindigkeit “tief beeindruckt” zeigte.

Am Donnerstagnachmittag gibt Vania Kohli (bdp) an einer Medienkonferenz bekannt, dass sie den Amtsinhaber Alexander Tschäppät herausfordern werde. Allerdings nur, wenn die Gemeinderatskandidaten der FDP/SVP-Liste nicht dasselbe tun würden.

Heute Mittag reagierten FDP und SVP. Die beiden stramm bürgerlichen Parteien deklamieren via Medienmitteilung, dass sie mit Alexandre Schmidt (fdp) und Beat Schori (svp) ins Stapi-Rennen steigen.

Gegen Abend zieht Kohli ihre Kandidatur zurück.

Im Regionaljournal Bern/Fribourg/Wallis von Schweizer Radio DRS erklärten die Parteispitzen von FDP und SVP eben, dass unter diesen Umständen die Kandidaturen Schmidt und Schori auch wieder zurückgezogen würden.

Fazit: Die Situation präsentiert sich wieder so wie am Donnerstagmittag. Alexander Tschäppät hat keinen Konkurrenten, der gegen ihn in den Ring steigen will.

Wie gross der Reputationsschaden ist, den sich vereinzelte Parteien und ihre Spitzenkandidaten mit ihrem Hüsch und Hott holten, werden die Wahlen im November zeigen. Wenn jemand behaupten sollte, diese Übung sei peinlich, gibt es kaum Argumente dagegen. Die Glaubwürdigkeit der Politik allgemein hat Schaden genommen.

Fünf Monate vor dem Wahltermin hätte man sich als Bürger und Steuerzahlerin in dieser Stadt gewünscht, dass ein echter Wettstreit der Ideen beginnt, dass die Spitzenkandidaten und Parteien aufzeigen, wo sie Bern in 20 Jahren sehen und dass sie ihre Schwerpunkte mit Substanz unterfüttert anpreisen und überzeugend verkaufen wollen.


Nachtrag vom Samstag, 23. Juni 2012, 12 Uhr

Die Berner Zeitung publiziert in ihrer heutigen Ausgabe ein Chronologie der Ereignisse – detailliert und erhellend.

4 Comments on “Dorfschwank um Stapi-Kandidaturen”

  1. Mark Balsiger

    “Statt dem amtierenden Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät (SP) und der RGM-Mehrheit überlegt und ernsthaft die Stirn zu bieten, dribbeln sich die oben genannten bürgerlichen Kandidaten gegenseitig aus.” BZ-Redaktor Tobias Habegger geht hart ins Gericht mit den (vorübergehenden) Stapi-Kandidaten.

    Sein kompletter Kommentar:

    http://bit.ly/MjALl1

  2. Mark Balsiger

    Update vom 6. August:

    FDP und SVP halten an ihren Stapi-Kandidaturen fest, BDP-Frau Vania Kohli kommt definitiv nicht. Das heisst: Bern hat Ende November die Wahl zwischen Alexander Tschäppät (sp), Alexandre Schmidt (fdp) und Beat Schori (svp).

    http://bit.ly/MILm8k

  3. Pingback: Wahlkampfblog » Blog Archive » Reto Nause bleibt, Alexandre Schmidt kommt – Prognosen zu den Berner Wahlen (2)

  4. Pingback: Vier Listen für die Stadtberner Regierung – und Alexandre Schmidt braucht einen Wahlverein | Wahlkampfblog - Unabhängige Ansichten zu Politik, Medien und Kommunikation.

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