Nationalratswahlen 2011: Parteistärken, Vergleiche mit 2007 und Umfragen

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Im Waadtland ticken die Uhren anders. Die Stimmen des Wahlsonntags wurden, so ein giftiger Kommentator, noch mit einem Zählrahmen erhoben. Nach massiven Verzögerungen in Lausanne liegen seit gestern Abend nun die definitiven Parteistärken vor. Das Bundesamt für Statistik (BfS) vermeldete die Schlussergebnisse, die Serie von grösseren und kleineren Fehlern ist damit beendet.

Mit Ausnahme der CVP kommen praktische alle Parteien auf leicht bessere Werte als in der letzten Hochrechnung vom Sonntagabend prognostiziert. Auf die Sitzzahl haben die Korrekturen allerdings Einfluss.

Nachstehend eine Zusammenstellung dieser Ergebnisse, verglichen mit den Parteistärken 2007 sowie mit den Umfragen (Isopublic und SRG-Wahlbarometer von gfs.bern) und meiner Prognose:


Weil diese Darstellung vermutlich für die meisten Leserinnen und Leser zu klein ist, gibt es sie auch als PDF-Datei zum Herunterladen:

Parteistärken 2011: Vergleich mit 2007 und Umfragen (PDF)

Neckisches und gleichsam wichtiges Detail: Gemäss den Zahlen des BfS verlor die FDP 0.7% Prozentpunkte (2007: 15.8%, 2011:  15.1%). Seit der Fusion von FDP mit den Liberalen im Jahr 2008 wurden allerdings die beiden Wähleranteile (FDP: 15.8%, Liberale: 1.9%) konsequent zusammen ausgewiesen, also: 17.7%. Das hatte seitens der FDP-Liberalen strategische Gründe (Sicherung ihrer Bundesratssitze), die Medien übernahmen die höhere Prozentzahl nach anfänglichem Aufmucken.

Die Zusammenstellung zeigt einmal mehr, dass Umfragen besser sind als ihr Ruf. Der Stichprobenfehler der SRG-Wahlbarometer beispielsweise wird jeweils mit +/- 2.2% ausgewiesen. Demnach wurde diese statistische Fehlerquote in der 7. Welle vom 12. Oktober nur einmal, beim Wert der SVP, überschritten.

Die SRF-Wahlbörse kam den Schlussresultaten am nächsten, die Abweichung beträgt insgesamt 6.9%. Auf Platz 2 folgt gfs.bern mit einer Abweichung von insgesamt 9.1%. Die Momentaufnahme von Isopublic sowie meine Prognose differierten insgesamt mit je 9.5%.

Heftig schoss auch ich bei der SVP daneben. Damit bin ich in guter Gesellschaft mit Sozialgeograf Michael Hermann. Seine Prognosen stünden in einem fundamentalen Widerspruch zur Forschungsliteratur, schrieb gestern ein junger Politologe. Affaire à suivre.

 

Grafik: border-crossing / wahlkampfblog

8 Comments on “Nationalratswahlen 2011: Parteistärken, Vergleiche mit 2007 und Umfragen”

  1. Simon Lanz

    Lieber Mark,

    Ich will nur klarstellen, dass meine Kritik nicht auf kurzfristige Verschiebungen abzielt. Ob nun also die SVP 3.6, 2.3 oder 0.01 Prozent an Wählerstimmen verliert ist meiner Meinung nach nicht so wichtig.

    Ich glaube auch Michael Hermann sprach in den von mir zitierten Artikeln von einer langfristigen (über 2011 herausgehende) Tendenz. Mein Argument zielt darauf ab, dass die SVP langfristig nicht wie bis anhin zulegen kann. Zumindest nicht ohne…

    (a) …ihr Potential zu vergrössern. Etwas das in den Jahren 1995-2007 und wahrscheinlich auch 2011 nicht gelungen ist. Grundsätzlich ist dies aber nicht ausgeschlossen. Allerdings dürfte auch dies ein langfristiger Prozess sein (zumindest gemäss der Theorie)

    (b) …einen unverhältnismässigen Aufwand zu leisten. Die Ausschöpfungsquote der SVP lag 2007 bei 72 Prozent (http://polithink.ch/2011/09/18/wahlerpotential-und-ausschopfung/). Theoretisch kann sie weiter gesteigert werden. Doch mit jedem Prozent zusätzlicher Ausschöpfung wird der Weg zu noch mehr Ausschöpfung schwieriger…

    Kurz: Vielleicht legt die SVP bei den nächsten Wahlen wieder zu, vielleicht verliert sie weiter. Aber über die nächsten 20 Jahre gesehen würde ich nicht auf massive Gewinne wetten (nicht ohne a oder b zu beobachten).

    Herzlich, Simon

  2. Mark Balsiger

    @ Simon

    No hurt feelings. Ich finde es wichtig, dass die Debatte möglichst in der Breite und mit den kritischen Punkten geführt wird. Deswegen verlinkte ich auf dein Posting.

  3. zoonpoliticon

    Lieber Mark
    Ich will ja nicht pingelig sein. Doch ist die (erneut) ein Rechenfehler unterlaufen – bei unserer Umfrage.
    Die SP hatten wir bei 19.9. Real war sie bei 18.7. Die Differenz ist 1.2.
    Du bezifferst sie auf 1.6.
    Wenn man das berichtigt, verringert sich unsere summierte Abweichung auf 9.1, oder 1.3 Prozentpunkte pro Partei.
    Umfragen können damit noch etwas besser sein als der durch dich verbesserte Ruf …

  4. Mark Balsiger

    Mon Dieu, ich habe es dieser Tage nicht mit den Zahlen. Tut mir echt leid, dass da erneut ein Fehler passierte. Also:

    SP gem. gfs.bern 19.9%, real: 18.7%
    Differenz 1.2 Prozentpunkte, nicht 1.6, wie es in meiner Tabelle steht.

    Sie wird umgehend ausgetauscht. Nüüt für unguet.

  5. Mark Balsiger

    @ zoonpoliticon

    Ich war über das Wochenende unterwegs, der Zugriff auf Dateien des Servers nicht möglich. Aus diesem Grund konnte ich die Tabelle erst jetzt korrigieren und auswechseln.

    Mutmasslich krachte die Welt wegen einer Abweichung von 0,4% bei der SP nicht zusammen.

  6. Pingback: Wahlkampfblog » Blog Archive » Der erste grosse Formtest für alle Parteien

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