Mit Berset twittert der erste Bundesrat

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Vor ein paar Stunden ist die etwa 100’000 Mitglieder starke Twitter-Community in der Schweiz um einen prominenten Politiker gewachsen: Alain Berset. Das ist ein Novum: Vor ihm versuchte sich noch kein Bundesrat auf dem Zwitscherkanal. Seinen ersten Tweet setzte er ab, kurz bevor er in der SF-Sendung “Donschtig-Jass” im Schaffhausischen mitspielte.

Berset machte im Wahljahr 2011 erste zaghafte Versuche auf Twitter, damals noch als Ständerat. Nach 15 Tweets war aber bereits Schluss und sein Profil schlummerte seit dem letzten Oktober vor sich hin – bis gestern Abend.

Weshalb twittert Berset nun als Bundesrat? Glaubt er an die Power, die dieser Kanal entwickeln kann? Steckt eine ausgeklügelte Strategie dahinter? Was will er uns mit 140 Anschlägen vermitteln? Sucht er die Bürgernähe, die sprachliche Herausforderung – oder ist ist es pure Neugierde?

Der EDI-Vorsteher und seine Kommunikationsleute werden heute eine Batterie solcher Fragen zu beantworten haben. Twitter gilt im Gegensatz zu Facebook als hip, in den letzten 18 Monaten sind ein paar Hundert Journalisten dazugestossen, was den Microbloggingdienst popularisierte. Entsprechend ist die Resonanz in den etablierten Medien garantiert.

Noch im März vertrat ich die Meinung, dass Bundesräte nicht auf Twitter setzen sollten, der Arbeitstag sei auch sonst schon lang genug. Als Vizekanzler und Bundesratssprecher André Simonazzi Mitte Juni im Namen der Landesregierung zu twittern begann, war für mich der Fall klar: Das Thema ist abgehakt, die Bundesräte befassen sich nicht aktiv mit diesem Medium, allenfalls sogar ergänzt mit der Entscheidung in corpore, die Social Medias links liegen zu lassen.

Inzwischen hat Simonazzi aber das Kürzest-CV auf seinem Twitter-Konto verändert. Er zwitschert nicht mehr im Namen der Landesregierung, sondern als Bundesratssprecher, assistiert von seinem Team der Bundeskanzlei.  Dass er den ersten Tweet von Berset schon nach wenigen Minuten retweetete, lässt vermuten, dass sich die beiden Romands absprachen.

Viele Politikerinnen und Politiker nutzen Facebook, Twitter & Co. als Einwegkanal. Dabei heisst das Zauberwort: Dialog. Ob sich Berset ab und an darauf einlässt? Tut ers nicht, fällt er in der Community durch.

Unter Exekutivpolitikern hat sich Twitter noch nicht durchgesetzt: Susanne Hochuli (AG) und Guy Morin (BS) sind bislang die einzigen Regierungsräte in der deutschen Schweiz, die diesen Kanal bedienen.

Mark Balsiger

2 Comments on “Mit Berset twittert der erste Bundesrat”

  1. Simonazzi, André

    Lieber Herr Balsiger,

    Nein, als Bundesratssprecher twittere ich selbstverständlich weiterhin Informationen im Namen der Landesregierung. Mein Profil wurde angepasst, damit deutlicher wird, wann ich und wann mein Team (BK) twittert.

    Freundliche Grüsse
    André Simonazzi

  2. Mark Balsiger

    @ André Simonazzi

    Danke für Ihre schnelle Reaktion. Die Präzisierung, ob Ihr Team oder Sie selber twittern, finde ich gut. So hält es ja auch Ihr Pendant der deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert – https://twitter.com/RegSprecher

    Frage: Wurde im BR einmal diskutiert, ob sich die Mitglieder den Social Medias annehmen sollen/dürfen – oder wird das als Pipifax betrachtet?

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