Luzerner Erschütterungen

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Sonnenschein und blauer Himmel in der ganzen Schweiz. Fast in der ganzen Schweiz: Für CVP und FDP brauen sich dunkle Wolken zusammen. Bei den kantonalen Wahlen in Luzern erlebten sie heute ein Debakel.

Seit der Gründung des modernen Bundesstaats bis zu Beginn der Neunzigerjahre hatte im Kanton Luzern die CVP die absolute Macht, sekundiert von den Liberalen (heute: FDP). Zusammen erreichten sie jeweils Wähleranteile von bis zu 80 Prozent. Heute fuhren beide Parteien desaströse Resultate ein: Die CVP verliert nicht weniger als 7 Sitze, die FDP.Liberalen 6 Sitze.

Die grosse Siegerin ist die GLP, die auf Anhieb 6 Sitze holt, sowie die SVP (+ 4). In einer Erstbeurteilung erkenne ich drei Muster:

1.  Image ist wichtiger als starke Strukturen, über die die beiden mächtigsten Parteien weiterhin verfügen. Der Kulturkampf, der beiden Parteien lange Zeit half, ihre Positionen zu konsolidieren, ist nicht nur seit den Achtzigerjahren überwunden, sondern nun auch im konservativen Luzerner Hinterland bedeutungslos geworden.

2.  Das nationalkonservative Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. In der Zentralschweiz kam es  in den letzten vier Jahren zu einem neuen Wachstumsschub der SVP; in allen anderen Kantonen legte sie zum Teil massiv zu, nun auch in Luzern.

3.  Die GLP setzt ihren Siegeszug fort. Dabei luchst sie inzwischen CVP und FDP viele Wähler ab. Noch vor wenigen Jahren hatte sie vor allem Zulauf aus dem rot-grünen Lager.

Die Luzerner Wahlen galten insbesondere für die CVP als Nagelprobe. Die Ergebnisse von heute – auch im Tessin, wo die FDP blutet – dürften in verschiedenen Parteizentralen zu Erschütterungen führen. Bei den Grünliberalen hingegen rollt der “Bandwagon Effect” ungebremst – nichts ist so ansteckend wie der Wahlerfolg.

Foto Gewitterwolken: emmye.wordpress.com

5 Comments on “Luzerner Erschütterungen”

  1. JC

    Wie sich die GLP und die Mitte entwickelt, ist interessant. Dabei geht aber ein wenig die Entwicklung rechts unter. Die Lega dei Ticinesi und das Mouvement Citoyens Genevois vereinen linke Sozialpolitik mit der Ausländerpolitik der SVP. Mit dieser Politik haben sie Erfolg, wie die Wahlen heute im Tessin wieder zeigen. Zudem treffen sie damit eine Achillesferse der SVP. Stimmt doch die SVP-Basis in Fragen der Sozialpolitik häufig nicht nach den Vorgaben der Parteiführung.

  2. Mark Balsiger

    @ JC

    Gut beobachtet. Am äussersten rechten Rand tut sich tatsächlich wieder etwas. Die Geschichte kann isch – in Teilen oder vollumfänglich – wiederholen. In den Achtzigerjahren feierte die Autopartei spektakuläre Erfolge, um danach wieder zu verschwinden.

    Mit Protestparteien war es bislang immer so, dass sie nur eine kurze Zeit präsent waren. Die Ausnahme ist die Lega, die es ja inzwischen seit 20 Jahren gibt, aber eine höchst wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Nur gemässigte Leute schafften es in die Regierung.

    Das Mouvement Citoyens Genevois (MCG) war in den ersten Jahren nach 2005 ein reines Genfer Phänomen. Jetzt wächst es in der welschen Schweiz – wohl zulasten der SVP. Und national könnte eine Fraktionsgemeinschaft mit der Lega folgen. Wenn sie allerdings von Politclowns à la Giuliano Bignasca geprägt werden, werden sie kaum Spuren hinterlassen.

  3. Alexander Müller

    MCG ist ein regionales Randphänomen, das von unseren nationalen Medien überbewertet wird. Die werden den Sprung über den Röschtigraben in absehbarer Zeit nicht schaffen. Dasselbe gilt für die Lega, die auch südlich des Gotthards bleiben wird.

    Zur FDP: Welche liberalen Werte vertritt diese Partei eigentlich noch? Ich bin SVP’ler und kämpfe mittlerweile für liberalere Werte als die FDP’ler, wie mir scheint. Und die CVP ist in Zeiten halbvoller Kirchen ein katholisches Auslaufmodell für alte Leute.

  4. BS

    @A. Müller
    Geben Sie uns doch einige Beispiele von liberalen Werten, die Sie als SVP-Mitglied vertreten.

    Als neben der CVP auf kantonaler und Bundesebene wichtigste Regierungspartei wird die FDP vor allem für die vorherrschenden politischen Probleme abgestraft, welche jedoch mehrheitlich durch die Opposition der Pole in den Parlamenten verursacht wurden.

    Die SVP hat eine interne Strategie zur Erreichung von 51% Wählerstärke. Die Partei arbeitet rhetorisch und inhaltlich an einer Zukunft der Schweiz mit Einheitspartei. Ich sehe da wenig liberales Gedankengut verankert.

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