Kuno Lauener kämpft für den “Bund”

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Die meisten Medien setzen auf Geschwindigkeit, Trivialität, knallige Storys, People, Kurzfutter. Die Tageszeitung “Bund” setzt auf Einordnung, Tiefgang, Analyse und ein ruhiges Layout. Trotzdem soll sie noch in diesem Jahr eingestellt werden.

Verleger müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, alle in dieselbe Richtung zu trotten. Blind vor Angst. Sie suchen seit bald zehn Jahren nach Möglichkeiten, im Internet Geld zu verdienen. Erfolglos. In der Schweiz machen die Online-Erlöse keine 4 Prozent des Werbekuchens aus. Auch in Deutschland sieht es so aus.

Kuno Lauener ist seit 30 Jahren “Bund”-Leser. Er gehört zu den Erstunterzeichnern der Petition “Rettet den Bund”. Unterzeichnen auch Sie – hier und jetzt:

http://rettet-den-bund.ch/?page_id=9

P. S.
In den letzten Monaten hörte ich immer wieder dieselbe Aussage: “Der ‘Bund’ ist nicht mehr zu retten.” Womöglich stimmt das, aber immerhin sind wichtige Elemente des “Bund” zu retten. Auch dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Es gibt in diesem Land erschreckend viele Schwarzmaler, Defaitisten und Totengräber. Sie tönen und schreiben stets gleich, mit schweren Stiefeln zertreten sie zarte Pflänzchen, die zu spriessen beginnen. Von solchen Leuten sind nie Ideen, Engagement oder Goodwill zu erwarten. Tragisch.

Für den “Bund” oder ein Nachfolgemedium gäbe es eine Zukunft: Vielen Leuten habe ich die Ansätze erläutert, stets mit demselben Ergebnis: nach spätestens 15 Minuten glaubten auch sie daran.

Merke: Man sollte sich von den Schwarzmalern, Defaitisten und Totengräbern nicht zumüllen lassen.

5 Comments on “Kuno Lauener kämpft für den “Bund””

  1. open society

    Nochmals:

    Pressevielfalt ohne Meinungsvielfalt ist unmöglich. Meinungsvielfalt ohne Pressevielfalt hingegen schon.
    Ich ziehe vor jedem den Hut, der bereits ist, für das „zarte Pflänzchen“ zu kämpfen. Aber jene, welche –vielleicht aus Mangel an Betroffenheit- aus anderer Perspektive emotionslos analysieren und daraus andere Schlüsse ziehen, als Schwarzmaler und Totengräber hinzustellen, ist verfehlt.

    Es sind zwei gesellschaftliche Entwicklungen, welche nun auch dem „Bund“ das (Über-)Leben schwer machen.
    Zum einen sind dies Gratiszeitungen oder, wie es im NZZ-Jargon heisst: Kleinformatzeitungen, welche ein offensichtliches Bedürfnis nach Null-Information befriedigen. Null-Information deshalb, weil dieses ewig-gleiche kopieren-einfügen von Agenturmeldungen nicht ein Informationsbedürfnis befriedigen soll, sondern schlicht für die Dauer einer Tramfahrt einen Vorwand liefert, nicht mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen.

    Und dann der Informationszyklus. Lasen die Briten im kolonialen Afrika des 19. Jh. ihre Times noch taggenau – aber um exakt ein Jahr versetzt, las man im 20. Jh. noch Wochen- aber auch Tageszeitungen. Jetzt, an der Schwelle des 21. Jh. hat sich der Rhythmus abermals beschleunigt. Wenn ich heute eine wichtige Meldung am Vormittag entdecke, habe ich bis Mittag längst sämtliche relevanten elektronischen Medien konsultiert.
    Was soll ich da noch am anderen Tag aufwärmen? Es liegt also nicht an der Form (digital oder hard copy) sondern an der Verfallszeit des Wertes von Nachrichten – dies hat mit dem „Bund“ sehr wenig, mit der Fähigkeit eines Unternehmers, sich auf solche Trends und Entwicklungen einzustellen und daraus Massnahmen abzuleiten hingegen sehr viel zu tun.

  2. Titus Sprenger

    Dem wäre noch hinzuzufügen, dass “Kleinformatzeitungen” primär kaum aus einem Informationsbedürfnis heraus gelesen werden, sondern wohl eher aus Langweile oder zur Ablenkung. Wäre dem nicht so, wären vor der “Schwemme” an Gratiszeitungen viele Kaufzeitungen in den öVs rumgelegen, was bekanntlich nicht in diesem Ausmass wie bei den Gratisblättern der Fall war.

    Zum Bund: Bern IST mit zwei Tageszeitungen heute (noch) eine Ausnahme im Schweizer Zeitungsmarkt. Oder anders gesagt: In allen anderen Ballungsräumen, vom Bodensee bis zum Genfersee, gibt es schon seit Jahren nur noch eine Tageszeitung. Das will ich nicht als Rechtfertigung für nur eine Tageszeitung auf dem Platz Bern verstanden wissen. Im Gegenteil: Wenn die Pressevielfalt mit der Meinungsvielfalt gleichgesetzt wird, dann gibt’s in den anderen Ballungszentren schon lange keine Meinungsvielfalt mehr. Und andere Medien wie die Lokal-Radios oder Lokal-TV-Stationen vermochten hier höchstens teilweise in die Lücke zu springen, werden sie doch oftmals vom lokalen Medienunternehmen getragen (keiner sägt an dem Ast, der ihn nährt). Das Dilemma ist also kein rein Bernisches…

  3. Anonymous

    ich kenne den bund nicht, da aus einer ganz anderen region.

    aber viele tageszeitungen machen den fehler, zu viel platz den nationalen und internationalen ereignissen zu widmen. viele unter uns haben, bis sie die tageszeitung öffnen, bereits via radio, tv oder internet, die wichtigsten news diesbezüglich in erfahrung gebracht. eine wiederholung langweilt.

    wenn der bund wirklich das regionale an die erste stelle hebt, es mit interviews, pro und kontras, lokalreportagen und viel bildmaterial aus der region belebt, so sollte er eigentlich eine zukunft haben.

  4. Jan Flückiger

    Wer wie ich den “Tages-Anzeiger” und den “Bund” regelmässig liest, wird gemerkt haben, dass die Option “TagesBund” bereits schleichend eingeführt wird. Immer mehr Artikel im Inland-Teil werden in “Tages-Anzeiger” und “Bund” gleichzeitig und mit demselben Wortlaut publiziert. Auf den Online-Medien ist die Verheinheitlichung ja bereits vollzogen.

    Dies ist betreibswirtschaftlich sicher sinnvoll, so kann man ein Interview mit Frau Leuthard gleich doppelt verwenden und muss es nur einmal führen. Nur: Fehler werden so natürlich ebenfalls dupliziert und bleiben unwidersprochen. Und noch viel schlimmer: Die Meinungsvielfalt wird zur Meinungseinfalt. Bald werde ich es mir sparen können, “Bund” und “Tages-Anzeiger” und BZ zu lesen.
    Gut für das Portemonnaie, aber schlecht für die Vielfalt der Argumente und für die Meinungsbildung.

    Was zudem oft vergessen geht: Nicht nur die Argumente und einzelnen Themen werden nicht mehr kontrovers diskutiert, auch die Themensetzung selbst ist nun eingleisiger. Wenige Verlage und Redaktion haben das Monopol zur Frage, welche Themen überhaupt Einzug finden in die Presse. Es ist zu hoffen, dass neue, innovative Produkte in die Lücke springen! Wie wärs z.B. mit einer unabhängigen Berner Wochenzeitung?

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