Kathrin Martelli vs Corine Mauch: Zürich kriegt zum ersten Mal eine Stadtpräsidentin

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corine_mauch_small_11350187.jpgNun ist die Katze endlich aus dem Sack: Die SP der Stadt Zürich nominierte gestern Abend Corine Mauch (48, links) als Kandidatin fürs Stadtpräsidium. Ein Schwarztreffer für Mitblogger Andreas Kyriacou, der schon am 22. Oktober auf sie setzte.

Ebenfalls gestern Abend schickten die Delegierten der FDP definitiv die langjährige Stadträtin Kathrin Martelli (56) ins Rennen. Im Gegensatz zum Dreikampf bei der SP war das eine reine Formsache.

Beurteilen wir die Chancen der beiden Kandidatinnen aufgrund von drei Kriterien:

1. Bekanntheitsgrad:

kathrin-martelli_lead_11348783.jpgMauch kennt kaum jemand, der sich nicht mit der Stadtzürcher Politik befasst. Obwohl sie bereits seit 1999 im Stadtparlament sitzt und vor kurzem Fraktionschefin wurde. Martelli (links) hingegen ist seit 1994 im Stadtrat und muss kaum mehr jemandem vorgestellt werden. Für die SP wird es eine grosse Herausforderung, ihre Kandidatin in den verbleibenden zwei Monaten bis zum Wahltag (8. Februar 2009) bekannter zu machen. Der Weihnachtsstress und Schulferien kommen dieser Absicht nicht entgegen. (Immerhin hat die SP sehr schnell geschaltet: Im heutigen “Tages-Anzeiger” ist ein halbseitiges Inserat von Corine Mauch erschienen. Vierfarbig.)

Allerdings sei an die Situation im Jahr 1990 erinnert: Damals schaffte Josef Estermann (sp) den Einzug in den Stadtrat, gleichzeitig verdrängte er Thomas Wagner (fdp) aus dem Präsidium. Die Wende zu einer rot-grün dominierten Regierung war perfekt. Estermann hatte bei seiner ersten Wahl auch noch keinen grossen Bekanntheitsgrad.

2. Wählerbasis:

Das Elektorat in Zürich wählt seit vielen Jahren zu etwa 50 Prozent rot-grün. Das gibt Corine Mauch einen soliden Vorsprung. Bei Kathrin Martelli ist die Basis kleiner – und fragiler: Ihre Partei bewegt sich zwischen 12 und 15 Prozent, die Zusammenarbeit mit der SVP (Wähleranteil zwischen rund 18 und 23 Prozent) ist seit Jahren von Feindseligkeiten und Verletzungen geprägt.

Schaffen es die bürgerlichen Parteien FDP, SVP und CVP nicht, ein solides Päckli zu schnüren, wird nichts mit dem Sturm auf das Stadtpräsidium – an eine bürgerliche Wende ist ohnehin nicht zu denken. Die “Deals” sind noch in der Schwebe: Die CVP hat Hemmungen, SVP-Stadtratskandidat Roger Liebi zu unterstützen. (Die Volkspartei ist übrigens seit 1990 nicht mehr in der Exekutive vertreten.) Bleibt diese aus, zeigt die SVP dem CVP-Kandidaten für Statthalteramt, Christoph Holenstein, die kalte Schulter.

3. Wirtschaftliche Lage:

In rezessiven Phasen kriegen soziale Fragen mehr Bedeutung – ein klarer Vorteil für Sozialdemokratin Mauch.

Bislang haben es die Tageszeitungen nicht gemerkt: Zürich wird zum ersten Mal eine Stadtpräsidentin erhalten. Höchste Zeit.

Fotos Corine Mauch und Kathrin Martelli: www.nzz.ch

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