Journal B vermag seine eigenen Ansprüche noch nicht einzulösen

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Die Menschen hinter den News sollen im Journal B im Vordergrund stehen. Ziel dieser Online-Zeitung ist es, eine einordnende Berichterstattung zu ermöglichen und Geschichten zu erzählen, die neue Blickwinkel auf das alltägliche Geschehen der Region Bern eröffnen. Eine Bilanz nach fünf Monaten.

Bild Journal B

GAST-BEITRAG von Sharon Sue Siegenthaler*

Das Journal B setzt gemäss eigenen Angaben auf einen modernen und übersichtlichen Auftritt. Der Aufbau mit der Frontseite in grauer Farbe und den drei Ressorts „Alltag“ in grüner Farbe, „Politik“ in blauer Farbe und „Kultur“ in roter Farbe wirkt gut strukturiert. Die unterschiedlichen Farben ermöglichen eine Zuteilung der Artikel zu den jeweiligen Ressorts, womit das Online-Magazin übersichtlich aufgebaut und benutzerfreundlich ist. Das Journal B bietet zudem einen Blog an, in violetter Farbe, sowie verschiedene Dossiers in gelber Farbe. Der chronologische Aufbau ist logisch und intuitiv.

Das Design ist tatsächlich modern und innovativ, für meinen Geschmack aber etwas gewöhnungsbedürftig. Schade, dass es auf der Frontseite nur wenige und zu kleine Bilder gibt. Fotos, Illustrationen, Grafiken und Tabellen unterstützen die Informationsvermittlung. Hier besteht Verbesserungspotenzial.

Täglich werden neue Artikel veröffentlicht, meist sind es zwischen drei und vier. Das ist positiv. Leserinnen können Themenvorschläge und Ideen einbringen, womit Raum geschaffen wird für Dialoge und Diskussionen. Das Journal B beansprucht nicht, tagesaktuelle Informationen zu liefern. Wenn aber schon nicht die Breaking-News im Vordergrund stehen, sollten die Artikel ausführlicher sein als in den beiden grossen Berner Tageszeitungen. Positiv sind Geschichten, die weder in „Bund“ noch „BZ“ zu finden sind, wie beispielsweise der Text über das Herzogstrassenfest. Allerdings dürfte das Thema nicht auf überdurchschnittliches Interesse stossen, da das Strassenfest nur ein Quartier in der Stadt Bern betrifft.

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Inhaltlich besteht ebenfalls noch Verbesserungspotenzial. Das Organisationskomitee des Fests wird mehrmals zitiert, aber nicht die einzelnen Mitglieder. Wo bleiben die Menschen hinter den News? Das Ziel, Protagonisten zu Wort kommen zu lassen, wird verfehlt. Ein Interview und mehr Hintergrundinformationen wären sehr spannend gewesen. Zudem fehlen Bilder, die als Blickfang dienen und den Artikel visualisieren und attraktiv machen. Gesichter sollten gezeigt werden. Gut finde ich, dass die Artikel verständlich geschrieben sind mit kurzen und einfachen Sätzen. Das ist ein Plus.

Einmal berichtete das Journal B über den geplanten RBS-Tiefbahnhof. Während „Bund“ und „BZ“ denselben Inhalt präsentieren, hebt sich der Artikel im Journal B ab, weil er nicht das Projekt an sich behandelt, sondern Baudirektorin Barbara Egger sich zur Problematik der Kosten äussert, und zwar seit der ersten Version im Jahr 2008. Hier hätte das Journal B Hintergrundinformationen liefern und mit einer Geschichte einen neuen Blickwinkel eröffnen können, der zudem mit Bildern hätte ergänzt werden müssen. Während „Bund“ und „BZ“ sogar eine Bildstrecke auf den jeweiligen Online-Ausgaben haben, gibt es im Artikel vom Journal B lediglich eine Grafik. Hier ist eine Chance verpasst worden.

Das Nutzungskonzept für den Loryplatz ist ein Thema, das die Berner bewegt. Hier müsste es Geschichten geben, die den Blick auf zusätzliche Aspekte ermöglichen und damit über die Berichterstattung von „BZ“ und „Bund“ hinausgehen. Anstelle von Bildern gibt es ein kurzes Video. Ich persönlich hätte ein Bild bevorzugt, da das Video nicht viel aussagt. Dieser Artikel generierte lediglich einen Kommentar.

Mit eigenen Ansätzen, Hintergrundinformationen und überzeugenden Fotos könnte das Journal B tatsächlich einen Gegentrend zur heutigen Informationsflut setzen. Bislang schafft es die Online-Zeitung noch nicht, ihre Ansprüche einzulösen.

 

Screenshot:  Journal B
Foto Herzogstrassefest: adi

 

* Sharon Sue Siegenthaler arbeitet zurzeit bei Border Crossing, wo sie zwei Projekte in Medien- und Öffentlichkeitsarbeit mitbetreut.

 

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