“Jekami” in Bern: Wenn sich 430 Kandidierende um 20 Sitze balgen

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Seit drei Wochen höre ich in der Stadt Bern immer und immer wieder dieselbe Aussage: Der Wahl- und Abstimmungssonntag vom 30. November fordert stark, ja er überfordert. Nebst den städtischen, kantonalen und eidgenössischen Vorlagen gilt es, die Stadtregierung und das Parlament zu wählen.

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Knapp 500 Personen kandidieren für das 80-köpfige Parlament. Das ist eine grosse Auswahl – Lästerzungen sprechen von einem Jekami -, allerdings wird damit die Wahlentscheidung nicht einfacher. Im Gegenteil.

Im grossen Feld der Kandidierenden treten 68 Bisherige wieder an, das “bisher” ist weiterhin der wichtigste Faktor für eine Wiederwahl. Laut einer Faustregel müssen bei Parlamentswahlen aber jeweils 15 Prozent der Bisherigen fürchten, nicht mehr gewählt zu werden.

Unter dem Strich dürfen sich in Bern also insgesamt etwa 20 Kandidierende Hoffnungen machen, neu ins Stadtparlament einzuziehen. (Vor vier Jahren schafften das 22.) Es balgen sich also theoretisch etwa 430 Kandidierende um 20 neu zu vergebende Sitze – etwa jeder 22. mit Erfolg.

Angesichts solcher Aussichten kann es nicht erstaunen, dass viele Kandidierende mit angezogener Handbremse in den Wahlkampf stiegen. Wenn überhaupt.

Einige beschränkten sich darauf, einer Liste bzw. Partei ihren Namen zur Verfügung zu stellen, und damit hatte es sich. Andere kämpfen auch in diesen letzten Stunden noch um ein wenig Aufmerksamkeit – frierend auf dem Bärenplatz oder anderswo. Bewaffnet mit Flyern und Give-aways. Andere sitzen an der Wärme und geben ihre Kommentare im virtuellen Wahlbistro ab.

Ich ziehe den Hut vor diesen Unentwegten, die jetzt noch um jede Stimme kämpfen. Für ihre Überzeugungen und Parteien – oder für sich.

Foto: www.bern.ch

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