Einsichten und Zitate, die nachhallen – heute: Peter Kurer, UBS (14)

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“Ich kann nicht ausschliessen, dass es auch in Zukunft Boni in zweistelliger Millionenhöhe geben wird.”
Quelle: SF, 10vor10, 16.10.2008

“Wir sitzen nicht mehr auf dem hohen Ross.”
Quelle: Tages-Anzeiger, 17.10.2008

Peter Kurer, Verwaltungsratspräsident UBS

Foto Peter Kurer: nzz.ch

8 Comments on “Einsichten und Zitate, die nachhallen – heute: Peter Kurer, UBS (14)”

  1. David Stampfli

    Peter Kurer kann und will hohe Managerlöhne nicht ausschliessen! Das ist das Problem. Noch auf dem Höhepunkt(?) der Krise denken die lieben Manager schon wieder an die nächsten Boni. So kann das System nicht gesunden. Aber solange nach dem Credeo “Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen” gewirtschaftet wird, wird sich auch nichts ändern!

    In Erklärungsnotstand geraten alle netten wirtschaftsliberalen Politiker. Gerold Bührer (FDP) verkündete beispielsweise noch vollmundig in der “Weltwoche”, die Schweizer Wirtschaft meistere die Krise ohne Staatshilfe. Nun freut er sich wie alle anderen bürgerlichen Politiker über das Massnahmenpaket des Bundes.

    Gleichzeitig sind aber die gleichen Politiker nicht bereit über Beschränkungen bei Managerlöhnen zu reden, ja sie wollen nicht einmal ein ausserordentliche Session des Parlamentes einberufen – wie von der SP gefordert!

    Wie kann “Joe the plumper” – es könnte auch Karin sein, die im Coop arbeitet – solchen Politikern noch trauen?

    Es gibt nur eine Antwort: bürgerlichen Wirtschaftsfilz-Politikern darf man nicht trauen! Das wurde uns nun genügend oft vor Augen geführt.

    In Wirtschaftsfragen wird die grosse Mehrheit der Bevölkerung, nämlich die Angestellten und ArbeiterInnen, nur durch die SP adäquat vertreten. Statt hohe Managersaläre zuzulassen, fordert die SP folgendes:

    – für alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz
    – faire Arbeitsbedingungen
    – Mindestlöhne
    – gleiche Löhne für Frauen und Männer
    – familienfreundliche Teilzeitmodelle

    “Joe the plumper” wählt in den USA Obama – Karin aus dem Coop wählt in Bern die SP.

  2. open society

    @ David Stampfli

    Dass die „grosse Mehrheit“ der Bevölkerung in Wirtschaftsfragen nur durch die SP adäquat vertreten wird, ist Wunschdenken, billiger Opportunismus und … realitätsfern.

    Wirtschaften hat etwas zu tun mit einem uralten Kreislauf von Produkten und Dienstleistungen, die jemand nachfragt. Es ist berechtigt, über die unersättliche Gier von Investmentbankern und Bankenmanagement wütend zu sein. Statt fakten- und wissensbasiert zu wirtschaften, haben sie versucht, heisse Luft zu verkaufen.

    Schwarze Schafe in eine Reihe mit der Gesamtheit derjenigen gleichzusetzen, welche Führungsfunktionen übernehmen und diese verantwortungsbewusst ausüben (als Beispiele wären Hayek und die Schmidheinys etc. zu erwähnen), wäre etwa so, wie wenn ich jeden SP-Vertreter mit Valerié Garbani gleichsetzen würde.

    Kleine Anmerkung zum Schluss: Es erstaunt, dass es sich in SP-Kreisen noch nicht herumgesprochen hat, dass laut aktuellen Wählerstudien „Joe the plumber/ Karin aus dem Coop“ heute grossmehrheitlich SVP wählen. Ihr neuer Parteipräsident könnte dies wohl mit einigen Grafiken zur Mitglieder-Entwicklung der letzten zehn Jahre in diversen Gewerkschaften anschaulich untermalen.

  3. David Stampfli

    @ open society

    Es mag opportunistisch klingen, entspricht aber der Realität. Die politischen Forderungen der SP liegen im Interessen der Angestellten und der Arbeiterschaft: Mindestlöhne, faire Anstellungsbedingungen, sichere Sozialwerke, gleiche Löhne für Frau und Mann, Vereinbarkeit von Familie und Beruf. usw. Alle diese Forderungen nützen einer Mehrheit der Gesellschaft. Also müsste diese Mehrheit eigentlich SP wählen.

    Die privaten Probleme von Valerié Garbani haben nichts mit ihrer Fachkompotenz zu tun, sie ist deswegen nicht ein schlechteres Parteimitglied.

    Ein Grossteil der Wirschaftsführer (inkl. bürgerlichen Politikern) hat das System der Abzockerei bis anhin kräftig unterstützt oder zumindest geduldet. Das kritisiere ich! Das läuft etwa so: Politiker X zeigt sich in einem Interview über diese Boni empört und besorgt. Sobald das Parlament aber dem Finanzsektor Ketten anlegen will, ist er dagegen. So vertritt Politiker X weder Angestellte noch Arbeiterschaft!

    Diese Studien sind nicht neu und in der SP bekannt. Ich spreche davon, dass Joe und Karin SP wählen müssten, wenn sie wirtschaftlich rational wählen würden.
    Leider wählen viele Leute überhaupt nicht. Und ein Grossteil entscheidet sich nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern wegen anderen Themen für eine Partei. Zum Beispiel: Ausländer, Sicherheit, Öffnung, gesellschaftliche Veränderungen. Mit ihrem Populismus und den Blochermillionen hat insbesondere die SVP hier leichtes Spiel!

    Ziel der SP muss es sein, die Wählerschaft wieder dazu zu bringen, aus wirtschaftlichen Überlegungen zu wählen. So wurde Clinton gewählt und bei Obama wäre es zu einem grossen Teil dasselbe. Eben: It’s economy, stupid!

  4. open society

    @ David Stampfli

    Dass ein Grossteil der Wirtschaftsführer inkl. bürgerlicher Politiker diese Abzockerei bislang unterstützt oder aber geduldet hätte, ist Vokabular aus der Zeit des Klassenkampfes. Ich darf daran erinnern, dass Managersaläre in zweistelliger Millionenhöhe selbst von bürgerlichen Kreisen kritisiert wurde. Insbesondere ist dies auch vielen Managern aus der Industrie sauer aufgestossen, weil man sich dort – und vor allem bei den KMU – solche Gehälter schlicht nicht leisten kann.

    Die von Ihnen erhobenen politischen Forderungen lassen sich zwar allesamt per Gesetz verordnen. Wohin dies führt, zeigt beispielsweise Deutschland. So werden aufgrund gesetzlicher und teilweise auch tarifvertraglicher Regelungen heute noch Steiger im Kohlebergbau ausgebildet. Dies, obwohl man heute schon weiss, dass es diesen Beruf in 20 Jahren nicht mehr geben wird. So etwas ist nicht mal mehr Sozialromantik – es ist einfach unverantwortlich.

    Ein Wort noch zu Ihrer Neuenburger Parteikollegin: Man kann den Politiker nicht vom Menschen trennen. Die Beleidigung eines Polizisten durch ein Mitglied der Exekutive als „Privatangelegenheit“ zu bezeichnen, ist Euphemismus (= Beschönigung, die Red.).

    Die Hypothese, wonach Arbeitnehmer die SVP aus anderen Gründen unterstützen, hat auch aus meiner Sicht einen wahren Kern. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass gerade jener Schicht, welche die SP einst zu Ihrer Basis zählte, heute andere politische Themen wichtiger sind. Mit anderen Worten: entweder die SP trifft die Themen ihrer Wählerinnen und Wähler nicht oder sie hat die falschen. Beim höchsten Akademiker-Anteil innerhalb der Parteien könnte durchaus auch letzteres zutreffen.

  5. David Stampfli

    @ open society

    Sie haben teilweise Recht. Thomas Minder hat ja als Unternehmer seine “Abzocker-Initiative” lanciert. Aber: oft bleibt es eben bei den schönen Worten und im Parlament stimmen diese Politiker dann wieder für die Manager. Der Finanzsektor wurde jedenfalls bis jetzt immer wieder geschont.

    Ich wäre ganz sicher gegen eine solche Ausbildung. Da ist eben auch Innovation gefragt. Die meisten Forderungen sind aber sicher nicht unrealistisch – es liegt am politischen Willen.

    Ich will keinen Sozialismus propagieren. Aber nachdem der Kapitalismus im Zeichen der Finanzkrise wieder einmal gewaltige Mängel aufgezeigt hat, muss man über Einschränkungen im kapitalistischen System reden können.

    Valerié Garbani hat sicher falsch gehandelt. Deswegen ist dennoch eine gute Sozialdemokratin.

    Wie gesagt: die Wirtschaft muss wieder zählen für die Schicht. Das ist die (Herkules)aufgabe für die SP.
    Die Akademiker wählen die SP eben aus moralischer Überzeugung, aus Gerechtigkeitssinn und vor allem weil die SP sie bei anderen Themen überzeugt: insb Bildung, aber auch Verkehr, politsiche Öffnung, Wertehaltung usw.

  6. Mark.Balsiger

    Die Finanzkrise bzw. das Hilfpaket des Bundes für die UBS betrachtet Stefan Bühler von der “NZZ am Sonntag” aus einer anderen Perspektive:

    Think big

    Klar: Es ärgert, wenn der Bundesrat zuerst Homöopathie-Kügelchen aus der Grundversicherung streichen will und dann derart klotzt bei den Banken. Aber seien wir ehrlich: Das UBS-Rettungspaket hat auch etwas Grandioses. Es eröffnet uns völlig neue, viel weitere Horizonte.

    Nehmen wir das Bahnhofparking Bern: Das Abstellen eines Autos kostet da 30 Franken für den ersten Tag und 16 Franken für jeden weiteren. Bis anhin schien das extrem teuer. Nach dieser Woche sieht das nun ganz anders aus. Rechne: 68 Milliarden geteilt durch den langfristigen Tagessatz von 16 Franken geteilt durch 365. Resultat: Mit einem UBS-Rettungspaket darf man im Bahnhof Bern sein Auto mehr als 11 Millionen Jahre abstellen.

    Setzen wir dieses Ergebnis in einen erdgeschichtlichen Zusammenhang, so begegnen wir Lucy, der Australopithecus-Dame aus Äthiopien, die vor 3,2 Millionen Jahren gelebt hat. Wäre diese Lucy mit ihrer ganzen Verwandtschaft in drei Autos nach Bern gereist und hätte hier mit einem UBS- Rettungspaket Parking-Tickets gelöst, dann würden die drei Autos noch heute legal auf ihren Parkfeldern stehen – hätte sie der Aaregletscher in der Eiszeit nicht zermalmt.

    Oder die Pizza-Kalkulation. Ausgangspunkt ist eine Pizza Margherita mit einem Durchmesser von 33 Zentimetern und einem Preis von 15 Franken. Das UBS-Rettungspaket reicht für rund 4,5 Milliarden solcher Pizzas. Die einzelne Margherita misst ungefähr 850 Quadratzentimeter – und die 4,5 Milliarden Pizzas zusammen demnach etwa 380 Quadratkilometer. Damit liesse sich Brooklyn zudecken und dazu Manhattan inklusive Wall Street.

    Allerdings muss man trotz der neuen Grosszügigkeit einwenden, dass so ein Giga-Pizza-Hut über halb New York eine ziemlich sinnlose Geldverschwendung wäre.

    Schlauer wäre es gewesen, man hätte schon vor einigen Jahren mit dem halben UBS-Rettungspaket Marcel Ospel angestellt – unter der Bedingung, dass er nichts tut. Das hätte bei einem Jahreslohn von 25 Millionen für 1360 Jahre Nichtstun gereicht. Ospel wäre nie in Amerika waghalsige Abenteuer eingegangen, die UBS hätte dort keinen Schaden angerichtet – und der Bund hätte die andere Hälfte des Rettungspakets sparen können.

  7. open society

    Think Big

    Klar, es ärgert, ……….. wenn man solchen Stuss liest. Ich habe an sich keine Probleme mit Satire. Einer WOZ würde ich dies auch in einem solchen Umfeld und in solchen Zeiten zugestehen. Einer NZZ und ihrem Sonntagsblatt nicht! Man kann sich nicht jahrelang als spiritius rector der freien Marktwirtschaft inszenieren, sobald uns diese aber mit ihrer hässlichsten Fratze anstarrt, in Satire Zuflucht suchen.
    Vielleicht hilft ja ein Blick in den hauseigenen Klosterblog. Von Schwester Maria oft benutzte Begriffe wie „Demut“ oder „Schweigen“ sind in jedem Duden nachzuschlagen.

    Vorschlag für die Titelseite der nächsten NZZaS: ganze Seite schwarz, in weiss ein einziger Satz: „der Rest ist Schweigen“.

  8. David Stampfli

    …oder vielleicht das Geständnis: “wir haben uns jahrelang geirrt!”
    Erstaunlich, dass es auch auf dem Gipfel(?) der Krise immer noch Uneinsichtige gibt!! Aber wer hört schon auf die SP und den einsamen Rufer Strahm in der Wüste??…
    Gewisse Einschränkungen für die Banken sind jetzt das Mindeste! Und da soll niemand behaupten, es werde nach “Sozialimus” geschrien.

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