Einsichten und Zitate, die nachhallen – heute: Adolf Ogi (13)

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Nur über Bundesräte, die weit überdurchschnittlich gut waren, werden Witze gemacht. So über Kurt Furgler, der letzte Woche verstorben ist. Oder Adolf Ogi. Über ihn wurde 1999 sogar ein ausgewachsenen Witzbuch herausgegeben: “Freude herrscht. Adolf-Ogi-Witze und Anekdoten.” Er soll, so wissen gut unterrichtete Quellen, selber Freude an diesem Band haben.

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An seiner Partei, der SVP, hingegen, hatte Ogi in seiner Zeit als Bundesrat (1988 – 2000) nicht immer Freude. Regelmässig kam es zu Konflikten mit dem Zürcher Flügel.

Ogi äusserte sich am Sonntag erstmals zu der neu gegründeten Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP). Übertrittsvermutungen erstickte er im Keim:

“Ogi ist SVP, und Ogi bleibt SVP.”

Früher, erzählte Ogi weiter, hätten sich Christoph Blocher und er nach Konflikten ab und an bei ihm in Kandersteg ausgesprochen. Und danach seien sie gemeinsam zum Blausee marschiert und hätten eine Forelle gegessen.

Quelle: NZZ am Sonntag, 3. August 2008

Foto Adolf Ogi: daylife.com

4 Comments on “Einsichten und Zitate, die nachhallen – heute: Adolf Ogi (13)”

  1. J.C.

    Freude herrscht, denn meine Lieblingsquelle hat es auf dieses Blog geschafft! Erstaunlich, was “gut unterrichtete Quellen” immer alles so wissen. Eine solche Quellenangabe bringt dem Leser doch nun wirklich nichts. Wenn schon eine Quellenangabe, dann bitte eine, bei der man sich auch mit der Quelle an sich auseinander setzen kann und nicht bloss mit der damit unterlegten Aussage. Warum also eine solche Angabe nicht einfach weglassen?

  2. Titus

    Den Link zur Online-Version befindet sich hinter meinem Namen.

    Selber nicht mehr aktiv in der Politik finde ich seine Haltung schon etwas einfach. Wie hätte er reagiert, wenn er aus der Fraktion ausgeschlossen worden wäre?

    Auch seine Position, wie in der Online-Ausgabe zu lesen, dass er schon vermittelt hätte, um den Bruch zu verhindern, ist etwas “flach”. Die (SVP-)Welt hat nicht auf ihn gewartet…

  3. Vinzenz Bieri

    Adolf Ogi wurde von der SVP-Fraktion vorgeschlagen, von der Vereinigten Bundesversammlung gewählt und ist aus der Sicht der SVP ein ganzer Bundesrat.
    Seine Persönlichkeit gleicht einer immergrünen Zeder aus dem Libanon und seine Wurzeln sind tief im Urgestein von Kandersteg verankert.

    Ein Förster würde sagen: “Treue herrscht!” Jeder erwachsene Baum kennt seinen Standort und lässt sich nicht mehr verpflanzen.

  4. open society

    Dass Alt-Bundesrat Adolf Ogi nicht zur neu gegründeten BDP überwechselt, ist verständlich. Einerseits hat er schon viel Wasser die Kander hinablaufen sehen und zweitens kennt er den Unterschied zwischen einem Politiker und einem Staatsmann – letzter denkt an sein Volk, erster an seine nächste Wiederahl. Und Ogi war und ist Staatsmann durch und durch.

    Gegenüber jenen, die sich derzeit in der Phase des Bewährens und Sich-einen-Namen-Machens Befindlichen und ihm gibt es aber noch einige weitere gewichtige Unterschiede:

    • Ogi wurde während seiner Zeit als Bundesrat zwar oft und vor allem aus den sogenannten „eigenen Reihen“ angefeindet. Aber seine Popularität als Bundesrat konnte mit jener von Blocher locker Schritt halten.
    • Ein öffentlicher und massierter Angriff auf Ogi als Bundesrat hätte wohl innerhalb der damaligen SVP-Bundeshaus-Fraktion zu harrschen Kritiken seitens der Berner Vertreter geführt.
    • Ogi und Blocher sind sich stets auf Augenhöhe begegnet. Persönliche Anfeindungen mörgelischer oder maurerscher Provenienz haben eine solche Augenhöhe zwischen den amtierenden BDP-Bundesräten und Spitzenexponenten der SVP (gewollt oder ungewollt) verunmöglicht.

    So oder so: tempi passati.

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