Eine Beübung des Publikums

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“Man sollte die Herbstsession im Wahljahr abschaffen” – eine Aussage, die ich immer wieder höre. Nicht zu unrecht. Einige Parlamentarier schaffen es in diesen drei Wochen nicht mehr in den grünen Bereich. Die Nervosität ist kaum mehr zu überbieten, jede Möglichkeit für etwas Aufmerksamkeit will genutzt werden. Klar, wer seinen Kopf herausstrecken kann – am liebsten in der “Tagesschau” oder “10vor10” -, erhöht seine Chancen für die Wiederwahl. Dass diese Bemühungen mitunter peinlich sind, liegt auf der Hand.

Die Sonderdebatte zum Fall Roschacher/Blocher wurde durchgedrückt. Ich sparte mir die Zeitungslektüre, weil der “Bund” schon in seinem ersten Satz alles klar machte:

“NEUE ERKENNTNISSE HAT DIE GESTRIGE DEBATTE IM NATIONALRAT NICHT GEBRACHT.”

Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, dürfte es Dezember werden. Oder später. Dann wäre die politische Aufarbeitung dieses Falles angebracht gewesen. Der gestrige Schlagabtauch war eine Beübung der Medien – und des Publikums. Was Wunder, wenn es sich angesichts des Gebotenen abwendet.

Am Freitag wird Bundesrat Christoph Blocher in der “Arena” auftreten. Er kriegt also nochmals 80 Minuten Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen – eine Plattform par excellence. Das dürfte Arbeit für Ombudsmann Achille Casanova geben. Derweil schreibt CVP-Generalsekretär Reto Nause von einem “Service Hickhack im Berlusconi TV”.

Mark Balsiger

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