Doris Fiala und ihre “gröberi Gschicht”

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Doris Fiala ist in Schieflage. Wie die ETH Zürich in einer Medienmitteilung schreibt, wurde die Abschlussarbeit der Nationalrätin nicht anerkannt, weil sie Plagiate enthalte. Den Titel “Master of Advanced Studies” (MAS) – nicht zu verwechseln mit einem Masterstudium, das mit einem “Master of Arts” (M.A.) oder einem “Master of Science” (M.Sc.) abgeschlossen wird – darf Fiala nicht mehr tragen. Die professionellen Plagiatssucher von “VroniPlag” in Nürnberg stellten schon vor geraumer Zeit fest, dass es in Fialas Abschlussarbeit auf insgesamt 74 Seiten plagiierte Stellen hat.

Damit es zu keiner Fehlinterpretation kommt: “VroniPlag” wurde aus eigenem Antrieb aktiv; die Entscheidung der ETH basiert auf dem Gutachten eines anderen externen Spezialisten.

Vor etlichen Jahren erlangte Doris Fiala den Abschluss einer PR-Assistentin mit eidgenössischem Fachausweis. Aus Theorie und Praxis weiss sie, dass ihre Reputation aus diese Fall Schaden nimmt. Es gilt das Schlimmste abzuwenden, mithin ist es besser, hinzustehen und sich zu erklären. Das tat Fiala heute Morgen gegenüber vielen Medien. Strahlend. Sie nennt es “Vorwärtsstrategie”.

Zu einer schnellen und glaubwürdigen Kommunikation zählten aber auch absolute Transparenz und Ehrlichkeit. Im Video-Interview mit “Tages-Anzeiger” online erklärt sich Fiala. Die Passage ab 3:58 wird hier transkribiert und von “Züridütsch” in holpriges Hochdeutsch übersetzt:

“Man sagt explizit in diesen Gutachten und auch die ETH sagt, dass ich weder geschummelt (“bschisse”) habe noch einen Betrug begangen habe, sondern dass mir leider Fehler passiert sind.”

Man reibt sich erstaunt die Augen und hört diese Passage ein zweites Mal und ein drittes Mal ab. Fassen wir zusammen: In der Abschlussarbeit wurden Plagiate festgestellt, Fiala will aber nicht bemerkt haben, dass sie geschummelt hat.

Doris Fiala hält selbstverständlich an ihrem Nationalratsmandat fest, obwohl dieser Fall “e gröberi Gschicht” sei, wie sie selber sagt. Sie sei nicht angezählt, sondern “marschiere weiter”. Der Reputationsschaden ist angerichtet. In Mitleidenschaft werden auch die FDP und die Politik insgesamt gezogen.

Die Story dreht weiter: Das Trommeln dürfte lauter werden und auch die ETH kommt unter Druck.

Mark Balsiger


Frühere Beiträge über Doris Fiala:

Doris Fiala ist wie ein Kampfhelikopter (20. März 2012)
FDP Zürich: Zurück zum aufrechten Gang (27. November 2007)

 

Foto Doris Fiala: blick.ch

2 Comments on “Doris Fiala und ihre “gröberi Gschicht””

  1. Mark Balsiger

    Das Gröbste scheint für Doris Fiala bereits vorbei zu sein. Ein beachtlicher Teil der Kritik kriegt die ETH selber ab.

    Der “Tages-Anzeiger” befragte PR-Profis, wie Fiala die Krise gemeistert habe. Sie kriegt gute Noten:

    http://bit.ly/18imeAM

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