Die Türe zugeknallt, und doch einen Spalt weit offen gelassen

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Nach zwölf Jahren ist Schluss: Franco Cavalli (Foto) hat heute seinen Rücktritt bekannt gegeben. Damit verliert der Nationalrat eine kantige, wenn nicht sogar schillernde Persönlichkeit.

Zunächst ist das einfach schade. Cavalli ist schnell, klug, und das Debattieren mit Herzblut, Schärfe und raumgreifender Gestik war ihm gegeben. Einmal in Hochform konnte man ihn kaum mehr bremsen. Cavalli ist aber auch konsequent, ein Politiker und Mensch, der vorlebt, wofür er mit Vehemenz eintritt.

Dass es ruhiger um ihn geworden ist, seit er das Fraktionspräsidium abgegeben hat, steht auf einem anderen Blatt. Im Rückblick scheint es, dass er sich nach dem brutalen Nein zur Gesundheitsinitiative im Mai 2003, für die er wie ein Löwe kämpfte, sukzessive zurückgezogen hatte.

Cavalli wäre nicht Cavalli, wenn er seine Rücktrittsmeldung nicht lautstark inszeniert hätte. In der Zeitung „La Regione Ticino“ mokiert es sich über die „Harmoniesucht“, an der seine Partei leide: „Die SP ist eine faule Funktionärspartei geworden.“ Das ist starker Tobak. Und Gift für die Genossen in einem eidgenössischen Wahljahr.

Sein Rücktritt wird morgen den Blätterwald ins Rauschen bringen, seine knackigen Zitate dürften bis zum Wahltag am 21. Oktober immer wieder gebraucht werden. Willkommene Munition für die politischen Gegner. Im Generalsekretariat schliesslich ist man froh, dass der Unbequeme endlich abtritt. Ein klares Indiz dafür: Eine Würdigung, wie sonst üblich, hat die Parteizentrale bislang nicht via Communiqué verbreitet.

Franco Cavalli sagt, er habe den Enthusiasmus verloren. Gleichzeitig schliesst er, demnächst 65-jährig, eine Kandidatur für den Ständerat nicht aus. Wie das zusammenpassen soll, bleibt sein Geheimnis. Mit dieser Ankündigung versucht er, der nichts zu verlieren hat, seine Chancen auszuloten. Bloss: Das Türenknallen von heute wird nachhallen. Für den Wechsel ins Stöckli war das nicht der richtige Ton.

Mark Balsiger

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