Die Nagelprobe für Toni Brunner

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Im St. Galler Ständeratswahlkampf ist plötzlich Pfeffer drin: Die gestern angekündigte Kandidatur von Toni Brunner (svp) macht es möglich. Er ist der einzige aus den Reihen seiner Partei, der eine Wahlchance hat. Brunner ist populär, populistisch und dennoch sympathisch, er wirkt jugendlich und sitzt doch schon seit 12 Jahren im Nationalrat. 1995 wurde er, damals gerade 21-jährig, bereits gewählt. In der mit 63 Mitglieder grössten Bundeshausfraktion ist er heute der zweitjüngste, gleichzeitig aber einer der Amtsältesten.

Seit geraumer Zeit ist Brunner Vize-Präsident der SVP Schweiz und gilt als möglicher Nachfolger von Ueli Maurer. Seine Ständerats-Kandidatur ist eine echte Nagelprobe für ihn. Einfach nur mitmachen, um ebenfalls im medialen Scheinwerferlicht zu stehen, reicht nicht mehr aus. Der Druck auf Brunner ist gross. Die SVP St. Gallen ist in wenigen Jahren zur wählerstärksten Partei geworden – ein exemplarisches Beispiel für den schnellen Aufstieg dieser Partei, der vor allem zulasten der CVP ging. Genauso wie die Kantone Luzern oder Schwyz war St. Gallen während Jahrzehnten eine CVP-Hochburg, in der die Katholisch-Konservativen faktisch das alleinige Sagen hatten.

Sollte Toni Brunner nicht gewählt werden, verliert er sein Winner-Image und damit womöglich die Chance, Maurer als Parteipräsident zu beerben. Er ist laut seiner Partei „nicht die bürgerliche Alternative, sondern der einzige bürgerliche Kandidat“. Bei der CVP und FDP, die ihre Bisherigen ins Rennen schicken, Eugen David und Erika Forster, wird man diesen rhetorischen Klimmzug zur Kenntnis genommen haben. Beide sind moderate Bürgerliche, die in der Kleinen Kammer den Dialog und Kompromiss suchen. So, wie man sich das von Ständeratsmitgliedern gewöhnt ist.

Von der Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen könnte die Kandidatin der SP, Kathrin Hilber, profitieren. Die Regierungspräsidentin ist populär und mehrheitsfähig. Auf diesen Vierkampf dürfen wir uns freuen. Umso besser, wenn es nicht nur um Persönlichkeiten geht, sondern auch um einen echten Austausch verschiedener politischer Konzepte.

Mark Balsiger

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