Bern: Die Bürgerliche Partei Schweiz (BPS) am Vorabend ihrer Gründung

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Morgen wird die Berner Sektion der Bürgerlichen Partei Schweiz (BPS) gegründet. Der Name hat dieser Tage für Verwirrung und Ärger gesorgt. Wer die Internetadresse www.bps.ch eingibt, wird zu einer Schweizer Grossbank umgeleitet. Mit der Domain www.bps.com landet man bei einer Firma in Kalifornien. Das Parteikürzel BPS ist bereits seit 12 Jahren belegt: von der Bürgerpartei Schweiz, die im Raum Bern ab und zu mit Leserbriefen auffällt und nach eigenen Angaben etwa 30 Mitglieder hat.

nette_svp.jpgWomöglich wird der Parteiname BPS an der Gründungsversammlung in Münsingen nochmals geändert. Ein Sprecher der Bubenberg-Gruppe sagte, BPS sei erst ein Arbeitstitel. Einen Arbeitstitel lieferte auch eine Werbeagentur – im Auftrag der “SonntagsZeitung” (siehe Illustration). Und damit stellt sich einmal mehr die Frage, ob die neue Partei sich primär im Stil von der SVP unterscheiden will, faktisch also eine “nette SVP” wäre.

Die Bezeichnung bürgerlich hat einen nostalgischen Beigeschmack. Sie erinnert an eine Zeit, als es in der Schweiz noch soziale Milieus gab. Sie lässt aber auch die Interpretation zu, dass die abtrünnigen SVPler an die guten alten Zeiten der Bauern-, Gewerbe- und Bauernpartei anknüpfen möchten.

Die Erinnerung an die guten alten Zeiten kann den Parteigründerinnen und -gründern Mut machen. Sie stehen seit bald drei Wochen in der Kritik. Praktisch täglich liest man von Sektionen, dass sie sich für die alte SVP entschieden haben. So der Tenor. Die Vermutung ist aber naheliegend, dass viele Parteigänger es nicht wagen, sich auf die andere Seite zu schlagen. Andere haben kalte Füsse gekriegt.

Mut schöpfen kann die Berner BPS aus zwei Gründen: Erstens schrumpfte die SVP des Kantons Bern in den letzten 16 Jahren von aprox. 33’000 auf 20’000 Parteimitglieder. Viele sind gestorben, viele aber auch ausgetreten. Das ist ein Aderlass – und gleichzeitig das Potenzial für die neue Partei. Zweitens ist die Abspaltung bzw. Neugründung schon jetzt die erfolgreichste in den letzten 90 Jahren Schweizer Parteiengeschichte.

Im Jahre 1918 lösten sich Bauern und Gewerbler im Kanton Bern vom Freisinn und gründeten eine eigene Partei. Sie wurde bereits 1919 zur stärksten Kraft im Kanton – und ist es bis heute geblieben. Dieser Erfolg kann sich wiederholen – theoretisch.

Vorentscheidend ist es, dass die neue Partei morgen beim Besetzen der Schlüsselpositionen auf die richtigen Köpfe setzt. Insider wollen wissen, dass es nämlich nicht nur unter den Parteimitgliedern, die aus eigennützigen Gedanken bei der SVP blieben, Opportunisten gäbe. Ausgedeutscht: Es geht vereinzelten Figuren nicht um die Sache, sondern vor allem um die eigene Politkarriere, die bei der SVP partout nicht mehr weiter gedeihen wollte.

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