Der dritte Frühling der Grünen

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Mit einem hohen Rhythmus werden wir von neuen Bildern aus Japan überrollt. Bilder, die viel zeigen und wenig erklären. Angst macht sich auch bei uns breit – zu recht. Die Katastrophe von Fukushima ist das Fanal im Wahljahr 2011. Die AKW-Problematik wird zu einem zentralen Thema bis zum 23. Oktober, vermutlich sogar darüber hinaus. Davon dürften nicht alle Parteien im rot-grünen Lager profitieren.


Wenn Martin Beglinger
in die Tasten greift, lohnt sich die Lektüre des “Magazin” immer. Er hört zu, recherchiert, unterlegt mit Fakten, geht in die Tiefe und pflegt eine elegante Sprache. In der Ausgabe vom 5. März 2011 hält er den Grünen dieses Landes den Spiegel vor – schonungslos.

Hoffen auf die Neuen (“Das Magazin” Nr. 9; PDF)

Die Lage der Grünen im anrollenden Wahlkampf sei “ziemlich ungemütlich”, schliesst Beglinger seinen Essay. “Links ist die Wand, rechts sind die Grünliberalen, und direkt vor der Sonne stehen ihnen die Sozialdemokraten.” Das galt bis am letzten Wochenende. Seither ist nichts mehr wie es war. Die Katastrophe von Fukushima brachte die politische Agenda komplett durcheinander, das Top-Thema im Super-Wahljahr 2011 ist gesetzt.

Obwohl es makaber ist: Der Kampf um die Meinungsführerschaft in der Anti-AKW-Debatte tobt bereits. Die Kampfansage kommt von SP-Präsident Christian Levrat. In der heutigen “Aargauer Zeitung” sagt er: «Es ist unsere Verantwortung, hier die Führungsrolle zu übernehmen, denn die Grünen haben das Thema vernachlässigt.» Der grüne Nationalrat Geri Müller entgegnet gelassen: “Das ist wohl einfach ein bisschen Wahlkampf.”

Seine Gelassenheit lässt sich deuten: Den Grünen wird in der Öffentlichkeit das stärkste Profil in Umwelt- und Energiethemen zugebilligt. Sie stehen nach 1987 und der Phase 2003 bis 2007 vor ihrem dritten Frühling. Sie werden gewinnen, zuerst bei den kantonalen Wahlen: am 27. März in Baselland, am 3. April im Kanton Zürich, eine Woche später in Luzern und im Tessin, am 23. Oktober schliesslich bei den eidgenössischen Wahlen.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt: Die Grünen profitierten immer dann, wenn Umweltthemen hoch im Kurs standen. Das war bei der “Hoffnungswahl” 1987 so (+ 3 Prozentpunkte); das war 2003 nach dem Jahrhundertsommer und seinen sichtbaren Folgen so; und das war 2007 so, als der Klimawandel als das wichtigste Thema bezeichnet wurde. Bei den eidgenössischen Wahlen 2003 legten die Grünen 2,4 Prozentpunkte zu, 2007 waren es 2,2 Prozentpunkte. Kräftig Auftrieb erhielten 2007 auch die Grünliberalen, die zum ersten Mal antraten. Auch sie werden heuer erneut gewinnen. Echtgrün und lindengrün sind die Farben des Super-Wahljahres 2011.

Zum Vergleich: Die SP verlor 1987 4,4 Prozentpunkte und 2007 3,8 Prozentpunkte, 2003 konnte sie sich halten. 1995 legte sie kräftig zu
(+ 3,3%) und die Grünen verloren. Dieser Mechanismus hat sich grosso modo seit dem Aufkommen der grünen Bewegung gehalten. Nur einmal, 2003, kamen SP und Grüne gemeinsam über die 30-Prozent-Marke.

Im Parlamentsspiegel wird ersichtlich, dass die Mitglieder von SP und Grünen in Umweltthemen praktisch deckungsgleich positioniert sind. In Bezug auf Engagement und Kompetenz sind aus der Beobachterwarte kaum Unterschiede wahrnehmbar.

Der Kampf um die Meinungsführerschaft im rot-grünen Lager ist voll entbrannt.

Bild: fotoplatforma.pl

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