Der Blocher-Herbst hat begonnen

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Christoph Blocher / Quelle: Wikipedia

Im Frühjahr 2006 äusserte ich mehrfach die Vermutung, dass das Wahljahr 2007 zu einem Blocher-Jahr werden könnte. Wieso? Ich hätte es dem Justizminister zugetraut, eine Kandidatur für den Nationalrat bekannt zu machen. Mit diesem Entscheid hätte er für Monate die Schlagzeilen nach Belieben diktiert. Dieses „Zeuseln“ liess Blocher sein, die Anmeldefrist für Nationalratskandidaturen ist abgelaufen.

Es wird immerhin einen Blocher-Herbst geben. Er begann im Grunde genommen bereits am Parteitag der SVP Schweiz, der am 18. August in Basel inszeniert wurde. Seit Ende August rollt die „Geheimplan-gegen-Blocher!“-Inseratewalze. Der Blocher-Herbst wird am 13. Dezember, am Tag nach den Bundesratswahlen, enden.
Neun Hypothesen:

1. Das angebliche Komplott gegen Valentin Rorschacher bleibt eine Vermutung. Viel warme Luft, keine harten Fakten. Der Berg dürfte eine Maus gebären.

2. Die gewaltige Dynamik rund um diesen Fall beherrscht die Schlagzeilen in den nächsten Wochen.

3. Die Medienhysterie ist beispiellos.

4. Der Fall untergräbt die Glaubwürdigkeit der Politik. Kandidierende, die heute auf der Strasse ihre Flugblätter und Schöggeli verteilen, werden das deutlich zu spüren bekommen.

5. Christoph Blocher und die SVP sind ein weiteres Mal in der Opferrolle, eine Rolle, die sie selber suchen und die ihnen ausgesprochen behagt.

6. Das Trommeln gegen SVP und Blocher schliesst bei der Volkspartei die Reihen – und mobilisiert kräftig. Studien zeigen, dass die SVP am besten mobilisiert – die SP übrigens am schlechtesten. Die SVP wird am 21. Oktober ihr Potential fast ganz ausschöpfen können.

7. Vom SVP-Aufwind profiterte bei den Wahlen 1995, 1999 und 2003 auch die SP. Wieso? Es gibt Wählerinnen und Wähler, die sich nur für die SP entscheiden, weil sie gegen die andere Pol-Partei, die SVP, sind. Die SP positioniert sich heuer ein viertes Mal als Anti-Blocher-Partei. Das hat sich abgenützt und lässt sich nicht mehr ummünzen in Wählerstimmen. Ohne rlevante eigene Themen gerät die SP in Vergessenheit.

8. Die Grünen legen weniger zu als bisher prognostiziert. Wieso? Im Schlagabtausch und vergifteten Klima der nächsten Wochen werden sie kaum mehr wahrgenommen. Im Vordergrund stehen die vier Bundesratsparteien. Der Klimawandel als wichtigstes Thema der Grünen verliert in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit an Brisanz.

9. Die SVP diktiert die Agenda der Medien. Wieso? Das Machtzentrum dieser Partei besteht aus einem halben Dutzend Personen. Diese arbeiten schon lange zusammen, und das sehr effizient, medienbewusst und clever. Die Medienlogik kommt ihnen entgegen. Mit dem Auftritt am Donnerstag landeten die SVP-Oberen einen ersten Volltreffer, im Gegensatz zur GPK, die mit ihrer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz am Mittwoch um 20 Uhr dilletantisch vorgegangen ist.

Die anderen Parteien kommen aus der Defensive nicht heraus. Business as usual.

Mark Balsiger

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