Das Zentralisierungsprojekt der SRG ist vorerst gestoppt

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Veto des Nationalrats: Das Radiostudio Bern soll in der bisherigen Grösse bestehen bleiben und nicht am Standort Zürich-Leutschenbach zentralisiert werden.

Dieses Signal ist überdeutlich: Der Nationalrat entschied heute mit 120 zu 54 Stimmen, sich gegen die Verstümmelung des SRF-Radiostudios Bern zu wehren. Das ist eine Watsche für die SRG-Führungsriege – gemeint ist nicht der Verwaltungsrat! -, die vor 14 Monaten die Zentralisierung am Standort Zürich-Leutschenbach ankündigte und seither um jeden Preis durchboxen will.

Seit 14 Monaten wiederhole ich immer wieder dasselbe:

> Nein, es geht nicht um Lokalpatriotismus!
> Ja, die SRG soll sparen – sie kann es auch. Bei diesem Zentralisierungsprojekt konnte sie allerdings bis heute nicht überzeugend belegen, dass es einen Spareffekt gibt. Vielmehr wurde versucht, den Umzug als alternativlos darzustellen.

Es ist entscheidend für die Qualität der SRF-Informationssendungen, dass TV und Radio nicht unter demselben Dach und von denselben Entscheidungsträgern im gemeinsamen Newsroom produziert wird. Die Folge wäre eine Verwässerung und Angleichung der Programme. Das darf sich ein Medienhaus, das zur Hauptsache von öffentlichen Geldern finanziert wird, nicht leisten.

Die undurchdachte Hauruckübung ist auch ein Desaster in Sachen Kommunikation und hat einen erheblichen Reputationsschaden für die SRG zur Folge – selbstverschuldet. Jetzt liegt es am Ständerat, also den Herren, die den Föderalismus hochhalten, auf die Position des Nationalrats einzuschwenken. Klar ist: Mit der Entscheidung des Nationalrats kommen die Umzugs- und Zentralisierungspläne ins Stocken. Wenn die Führungsriege der SRG die Zeit nutzt, um dieses Projekt in Ruhe zu überdenken, kommt sie vielleicht doch noch zum richtigen Schluss.

Ergänzend: Dieses Signal kann die SRG-Spitze nicht ignorieren
der Kommentar von «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz.

2 Comments on “Das Zentralisierungsprojekt der SRG ist vorerst gestoppt”

  1. Mark Balsiger

    Zehn Tage nach der Entscheidung des Nationalrats hat auch die SRG die Bremse gezogen. Nur ein Teil der Redaktionen am Radiostandort Bern soll in Zürich zentralisiert werden, gab die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler gestern bekannt. Aber in Stein gemeisselt ist nichts.

    Die SRG schreibt in ihrer Medienmitteilung: ” Die Audiostrategie soll bis Ende September 2019 vorliegen.” Das ist merkwürdig: Normalerweise wird zuerst eine Strategie definiert und hernach folgt die Umsetzung. Was die SRG macht, ist das Gegenteil.

    Das Wort “Salamitaktik” macht die Runde.

    https://www.derbund.ch/bern/wenig-freude-trotz-srf-zuegelstopp/story/22303164

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