Claude Longchamp zu den Basler Wahlen: “Rot-Grün politisiert undogmatisch”

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In der siebenköpfigen Regierung von Basel-Stadt behält Rot-Grün die Mehrheit. Eva Herzog (SP) machte ein Glanzresultat, gefolgt vom Grünen Guy Morin. Die beiden neuen SP-Männer Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels schafften das absolute Mehr klar. Wiedergewählt wurden die Bisherigen von CVP und LDP, Carlo Conti und Christoph Eymann. Hanspeter Gass (FDP) hingegen schaffte die Wiederwahl nicht und muss in einen zweiten Wahlgang. Der SVP-Kandidat Patrick Hafner hatte keine Chance.

Das die knappe Zusammenfassung des gestrigen Wahltages in Basel. Was lässt sich darauf lesen? Ich befragte Claude Longchamp, Politikwissenschaftler und Leiter des Instituts gfs.bern.

Claude Longchamp, die Basler Regierung bleibt in rot-grüner Hand, obwohl die SP mit zwei Neuen angetreten ist. Wie interpretieren Sie das überaus klare Ergebnis?

In Basel gibt es keine Wendestimmung. Rot-Grün hat sich sachpolitisch erneuert und pragmatisch ausgerichtet. Umgekehrt ist man in Basel von einem bürgerlichen Block weit entfernt, weil CVP/FDP/LDP und SVP tief zerstritten sind.

Patrick Hafner von der SVP ist weit abgeschlagen auf Platz 8 gelandet. Weshalb kommt die Volkspartei bei Exekutivwahlen auch mit einem konzilianten Kandidaten nicht auf einen grünen Zweig?

Personen sind das eine, parteipolitische Konstellationen das andere. Alleine aus der Minderheit antreten, ist politisch gesehen ziemlich aussichtslos. Zudem: Die SVP legte zwar im Vergleich zu den letzten kantonalen Wahlen vor vier Jahren zu, das Bestergebnis der Nationalratswahlen 2007 verfehlte sie angesichts der verringerten Mobilisierung deutlich.

Auffallend ist, dass das rot-grüne Quartett in der Regierung die letzten vier Jahre einen sehr moderaten Kurs gefahren ist und sogar Steuersenkungen eingeleitet hat. Sind die Linken in Basel verkappte Bürgerliche?

Ach nein, Rot-Grün politisiert in Basel modern, urban und sozialökologisch. Die Positionen werden indessen nicht dogmatisch eingenommen, um eine konsensorientierte Politik betreiben zu können. In der Steuerfrage hat sich die Kantonsregierung die programmatische Weiterentwicklung der Linken in verschiedenen Städte zu Eigen gemacht.

Als gouvernementale Kraft hat die SP klar gewonnen, bei den Parlamentswahlen hingegen 2,6 Prozent verloren. Ein Zufall?

Die SP hat in den letzten eineinhalb Jahren viele Wahlen verloren. Die Wählerrückgänge waren vor allem auf dem Land beträchtlich. Da wurde Rot-Grün sogar geschwächt. In den Städten ist die Situation anders. Entscheidend ist dort vielmehr, woher die grünliberalen Wähler kommen.

Wie können sich die Wahlresultate in Basel-Stadt auf die kommunalen Wahlen in den Städten Biel und Bern auswirken? Darüber sprechen wir im Wahlbistro mit Claude Longchamp – und Sie können mitdiskutieren.

Interview: Mark Balsiger
Foto von Claude Longchamp: www.gfsbern.ch

2 Comments on “Claude Longchamp zu den Basler Wahlen: “Rot-Grün politisiert undogmatisch””

  1. Pingback: Das Wahlbistro » Weshalb die Grünliberalen den Zeitgeist am besten treffen, und die FDP vor allem mit sich selber beschäftigt ist

  2. Mark.Balsiger

    Die Ausgangslage bei den Regierungsratswahlen bereinigt sich, und zwar so, wie man es bereits am Sonntag hörte. Die SVP zieht ihren Kandidaten zurück, der im ersten Wahlgang weit abgeschlagen auf dem 8. Platz gelandet war. Damit ist Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (fdp) vermutlich in stiller Wahl gewählt, es sei denn, irgendjemand versuche noch eine hoffnungslose Gegenkandidatur anzumelden.

    Mehr hier:

    http://www.onlinereports.ch/News.109+M52f512868fc.0.html

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