Christoph Blocher ebnet dem zweitbesten SVPler den Weg in den Bundesrat

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Die Szenerie hatte etwas Bizarres: An der Medienkonferenz spricht vor allem der Zürcher Kantonalpräsident und Nationalrat Ueli Maurer. Neben ihm sitzt stoisch und mit vorgeschobener Unterlippe Christoph Blocher.

Maurer war in den letzten Tagen zum Kronfavoriten für die Schmid-Nachfolge geworden. Jetzt musste er wortreich erklären, weshalb die Überfigur der einzig richtige Kandidat sei.

Der Parteivorstand der Zürcher SVP nominierte Blocher vor ein paar Minuten als Bundesratskandidaten. Am nächsten Montag darf die Delegiertenversammlung den Einervorschlag durchwinken. Blochers Name wird auch 10. Dezember auf den Ticket der Bundeshausfraktion stehen.

Gewählt hingegen wird Blocher er nicht ein zweites Mal. Das weiss er, das wissen seine Getreuen. Damit geht es auch gar nicht. Es geht darum, dem zweiten Kandidaten auf dem Ticket den Weg in den Bundesrat zu ebnen. Dieser zweite Kandidat dürfte Adrian Amstutz oder Ueli Maurer heissen. Blocher, der gestürzte Kaiser, wird also zu einer Art Königsmacher.

P.S. Adrian Amstutz hatte sich vor wenigen Monaten aus dem Rennen genommen, was damals in vielen Zeitungen zu Schlagzeilen führte. Heute gilt das nicht mehr. Merke: Das Wort eines Spitzenpolitikers hat etwa denselben Wert wie die Aussagen eines Fussballtrainers.

Archivbild Ueli Maurer und Christoph Blocher: Sabina Bobst

7 Comments on “Christoph Blocher ebnet dem zweitbesten SVPler den Weg in den Bundesrat”

  1. Lupe, der Satire-Blog

    ich vermute eher, und habe es in meinem blog versucht aufzuschlüsseln, dass blocher diese demontage der svp gezielt macht, weil er als der erfolgreichste svp-politiker aller zeiten in die geschichte eingehen will.

  2. Titus Sprenger

    Als Königsmacher verstehe ich eher jene, welche es verstehen, im Hintergrund Mehrheiten zugunsten einer bestimmten Person zu bilden.

    Mit dieser Nominierung wird es wohl kaum quasi “automatisch” zu einer Mehrheit für den zweiten SVP-Kandidaten kommen. Die vereinigte Bundesversammlung hat am 12.12.2007 gezeigt, wozu sie im Stande ist, vor allem aber dass sie sich nicht erpressen lässt – auch nicht von Parteiausschluss-Klauseln in den SVP-Statuten…

    Letztere könnte übrigens trotz oder gerade wegen einem vorgesehenen Hintertürchens zu einer weiteren Zerreissprobe für die SVP werden, sollte kein offizieller Kandidat gewählt würde (Art. 9, Abs. 5 der SVP-Statuten).

  3. c.wyss

    Wie lange muss der angeschossene Revierkeiler Blocher wohl noch in seinem Wundbett liegen, bis er ‘gehen’ kann…? Noch grunzt er laut, seine Waffen (riesige Parteispenden) machen noch Eindruck. Die Kampfansagen sind bis in die hintersten Bergtäler zu hören. Seine selbsternannten Mitbuhler trauen sich nicht, ihn anzugreifen. Es könnte ja sein, dass sie ohne die finanziellen Zustüpfe zu schwach sind, um ‘fremden’ Revierkeilern standzuhalten.
    Also ‘päppeln’ die Fürsten den krankenden König nochmals auf.
    Es ist zu hoffen, dass die Jäger mit dem zweiten Schuss dem Oberkeiler Blocher und seinen Nebenfürsten entgültig zeigen, dass es noch andere Tiere gibt, die das gleiche Recht im Wald haben.

  4. open society

    Auch Du, mein Sohn, Brutus….

    Zunächst einmal gebührt jenem Einen und unbekannten, welcher in der Präsidumssitzung der Zürcher SVP gegen Blocher gestimmt hat, meine Hochachtung. In einem Gremium von 48 Personen als einziger gegen den Rest zu stimmen? In dieser Partei? In dieser Frage? Chapeau!

    Die Zürcher SVP und insbesondere die „Alten“ sind dem Wahn erlegen. Dem Wahn, es vielleicht, irgendwie doch noch zu schaffen. Als Ausrede lässt sich allenfalls noch ins Feld führen, man wolle mit Blocher’s Nomination und Nichtwahl „dem Vok“ zeigen, wie Bundesbern tickt.

    Wie weiter? Auf DRS 1 hat Parteipräsident Toni Brunner angekündigt, Blocher’s Wahlchancen bei den Präsidenten von FDP und CVP ausloten zu wollen. Im Wissen darum, dass er sich dies eigentlich sparen kann, da er die Antwort bereits kennt.

    Mit dieser Aussage hat sich Toni Brunner entweder in eine Sackgasse manövriert oder sich von seinem Ziehvater emanzipiert. Im ersten Falle wird er Christoph Blocher die Einernomination nicht verweigern … und sang- und klanglos mit ihm untergehen. Im zweiten Falle wird er eine Zweierkandidatur durchsetzen. Wird sich also dem Willen seines politischen Ziehvaters und wird ihn so moralisch meucheln. Tu quoque, fili mi………. Welch ein Drama bahnt sich hier an!

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  7. BS

    Herr Balsiger, Ihre Einschätzung kann ich nicht nachvollziehen. Dass sich Blocher auf ein Zweierticket setzen lässt, ist höchst unwahrscheinlich. Zudem gibt es in der SVP nach wie vor sture Leute, die von einer Einerkandidatur Blochers überzeugt sind. Dass er von diesen Personen als taktisches Mittel vorgeschoben wird, scheint mir nicht logisch.
    Die Fraktion wird sich ohnehin erst einmal entscheiden müssen, ob sie ein Einer- oder ein Zweierticket präsentieren will. Ersteres scheint schwierig, die Interessen in der Partei sind zu verschieden und zu viele Personen wurden bereits vorgeschlagen. Zu guter Letzt: zwei Zürcher als offizielle Kandidaten wird es kaum geben.

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