Der strategische Fehler mit Casanova

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Die Sonntagspresse hat gestern nochmals einige Anstrengungen unternommen, um so etwas wie Spannung für die Bundesratswahlen herbeizuschreiben. Mehr als eine eigentliche Service-Public-Leistung ist es aber nicht geworden. Immerhin wissen jetzt ein paar Leute mehr, dass am Mittwoch Morgen die Landesregierung wieder gewählt wird.

Auch wenn heute Abend und morgen nochmals Manöver vorbesprochen werden sollten: Es bleibt alles beim Alten. Passé die Zeiten, als man in der Nacht vor dem Wahltag in der “Bellevue”-Bar oder im “Fédéral” Bundesräte “gemacht” wurden. Das ist lange, sehr lange her, und die Legenden aus dieser Zeit wachsen weiter.

Die vier Bundesratsparteien haben alle etwas zu verlieren, sie operieren alle sehr vorsichtig aus der Defensive. Die CVP hätte es zwar in der Hand gehabt, mit ihrer besten Figur, Fraktionschef Urs Schwaller, anzutreten – und zu gewinnen. Gegen Christoph Blocher. Weil damit der latente Unruheherd der Schweizer Politik in Pension geschickt werden könnte. Allein: Die Furcht vor seinem Gang in die Opposition – ohne Mandat – ist zu gross.

Gäbe es in der Schweiz so etwas wie Fraktionsdisziplin, wäre der Zweikampf bereits gelaufen: 128 Stimmen für Schwaller aus dem schwarz-rot-grünen Lager, maximal 118 Stimmen von FDP und SVP für Blocher. Ein Wahlgang würde reichen. So einfach ginge das.

Die CVP machte einen strategischen Fehler: Sie nominierte Vizekanzlerin Corina Casanova für die Nachfolge von Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz. Casanova ist in der Pole-Position. Wird sie gewählt, hat ihre Partei bei der nächsten Bundesratswahl ein Handicap. Das Amt der Bundeskanzlerin mag heute weniger politisch interpretiert und ausgeübt werden wie zu Zeiten von Walter Buser (bis 1991 “der achte Bundesrat”). Es bedeutet aber weiterhin Macht. Und darum wird es für die CVP dannzumal schwierig(er) werden, einen Anspruch auf einen zweiten Sitz im Bundesrat zu legitimieren.  

5 Comments on “Der strategische Fehler mit Casanova”

  1. Jeanôt

    Endlich wird der grossmaul blocher die rechnung presenterd!! ich freue mich!! SUPER!!

  2. Jeanôt

    ist jetzt der 12. Dezember ein National feiertag? jetzt wo mir Blogger los sind.

  3. Andi

    Ja, lieber Blogger statt Blocher, aber wir sind definitiv und zum Glück (vorerst) Blocher los und nicht die Blogger :)

  4. Baldo

    Wieder einmal bewahrheitet: Hochmut kommt vor dem Fall. Freude herrscht!

  5. proff

    Jetzt hat sich gezeigt, was die Blocher-Falle wirklich gewesen ist: Die Volksparteistrategen haben die Falle für ihre Gegner gebaut, doch sie sind selber in sie gefallen. Die Parteisoldaten beschuldigten die linken und netten Parteien solange, dass sie ihren geliebten Führer mit einem Geheimplan meucheln, nur um ihr eigenes Volk mobilisieren zu können. Doch am Schluss blieb den anderen gar nichts mehr anders übrig, als ihn tatsächlich abzuwählen.

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