Bern: Stephan Hügli lässt die Katze endlich aus dem Sack – und er zeigt Krallen

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Jetzt herrscht Klarheit: Stephan Hügli tritt bei den Wahlen in die Stadtberner Regierung wieder an. Er wurde im verflossenen Winter von seiner Partei, der FDP, fallen gelassen. Kurz darauf trat er aus der Partei aus, seine Frau und andere bekannte Mitglieder taten es ihm nach.

Hüglis Entscheid ist logisch. Einerseits geht es um Finanzielles: Hügli hat eine Entschädigung von etwa 150’000 Franken zugute, die ihm nur ausbezahlt wird, wenn er erneut kandidiert. Andererseits geht es um verletzten Stolz und Fairness.

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Stephan Hügli hat die Katze aus dem Sack gelassen. Er zeigt, dass er Krallen hat und kämpfen will – wohlwissend, dass er alleine keine Chance auf eine Wiederwahl haben wird. Wohlwissend, dass er nicht nur Applaus ernten wird, sondern auch viele böse Kritik von ehemaligen Weggefährten. Am nächsten Montag folgt der nächste Streich: Eine neue Gruppierung namens “die Mitte” will sich der Öffentlichkeit präsentieren. Diese Medienkonferenz war schon vor Wochen anberaumt gewesen, wurde aber kurzfristig verschoben. Zur “Mitte” sollen bislang vor allem ehemalige Freisinnige gehören.

Mit Hüglis wilder Kandidatur ist die bürgerliche Wende in der Stadtregierung definitiv vom Tisch. Die Rot-Grün-Mitte-Parteien und ihre vier Kandidierenden für den Gemeinderat haben die Reihen längst geschlossen, ihr Wahlkampf läuft. Allen voran Stadtpräsident Alexander Tschäppät: Er punktet seit Wochen täglich mit medienwirksamen Auftritten, die oranje Wellen aus Holland liessen ihn zur Hochform auflaufen.

Frühere Postings zum Thema:

Bern wählt Blöcke statt Köpfe (30. Mai 2008)
Stephan Hügli wird kampflos geopfert (28. Januar 2008)
Stephan Hügli abserviert – alles im Lot? (22. November 2007)
Wasserfallen junior will nicht – wer packts? (9. November 2007)
Die Bilanz am Tag nach der Demo (7. Oktober 2007)
Neo-Gemeinderat Hügli und das Halali auf seinen Sitz (19. März 2007)


Foto Stephan Hügli: keystone

2 Comments on “Bern: Stephan Hügli lässt die Katze endlich aus dem Sack – und er zeigt Krallen”

  1. Andreas Kyriacou

    Der Erhalt der eigenen Rente ist eines der ärgerlichsten Motive um für ein Amt zu kandidieren. Hügli nutzt – wie andere zuvor – einen Systemfehler, der eigentlich dringend korrigiert werden müsste.

    Wenn ich mich hier selbst zitieren darf (es macht’s ja sonst keiner ;-):

    Die Berufsrente für vollamtliche Exekutivmitglieder geht von einem mystischen Bild des Berufspraktikers mit Milizpolitikervergangenheit aus, der irgendwann die Berufung in die höhere Politik annimmt und dabei auf wundersame Weise zum elder statesman mutiert (die ausschliesslich männliche Form passt hier schon).

    Dies ist aber längst genauso wenig Realität, wie dass ein Mensch im Laufe seines Berufslebens nur zwei- dreimal den Arbeitgeber wechselt. Heute sind Anstellungen von wenigen Jahren der Normalfall, ein Hin- und Herwechseln zwischen Selbständigkeit und Anstellungsverhältnissen nichts aussergewöhnliches. Genauso normal muss es sein, ein Exekutivmandat für eine, zwei – oder wenn man/frau wirklich gut ist, gerne auch auch für drei oder vier – Legislaturen zu übernehmen und danach in sein angestammtes Berufsumfeld zurück zu wechseln oder erneut etwas ganz anderes anzupacken. Wie bei jeder Lohnanstellung sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dabei gemeinsam Beiträge für die künftige Rente entrichten. Der Arbeitgeber, also der Staat, darf dabei ruhig mehr als gesetzlich gefordert leisten, Knausrigkeit bei der Leistung von Pensionskassenbeiträgen ist nicht nötig.

    Aber die Rente soll – wie für andere Arbeitnehmer auch – erst ab dem Pensionsalter fällig sein. Und deren Höhe schon gar nicht davon abhängen, ob der Rücktritt freiwillig oder unfreiwillig erfolgte.

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