“Arena”-Boykott ist ein doppelter Fehler

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Man kann es drehen und wenden wie man will: Die “Arena” ist die wichtigste Plattform für unsere Politiker. Im Durchschnitt schauen etwa 260’000 Personen diese Sendung. Gerade neues Spitzenpersonal der Parteien kann sich dort schweizweit aufbauen und einen Namen machen.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass CVP, FDP, Grüne und SP die letzte Sendung boykottierten.  Sie sind daran, neues Spitzenpersonal aufzubauen, das man noch wenig oder kaum kennt: Christophe Darbellay (cvp, erst sein knapp eineinhalb Jahren Parteipräsident), Gabi Huber (fdp, designierte Fraktionschefin), Ueli Leuenberger (grüne, möglicher neuer Parteipräsident), Christian Levrat (sp, Bald-Parteipräsident). Die drei Herren sind in der Romandie zuhause, Gabi Huber in Uri. Sie blieben zu Hause. Das war der erste Fehler. 

Der zweite: Man wolle Blocher keine Plattform bieten, hiess es – und verzichtete selbst auf ebendiese Plattform. Christoph Blocher wiederum nutzte die 80 Minuten, die ihm das Schweizer Fernsehen bot.

Es ist blauäugig zu glauben, dass man mit einem Boykott das Schweizer Fernsehen hätte umstimmen können. Das wäre ein fatales Signal gewesen und hätte die Glaubwürdigkeit des Senders untergraben. Die “Arena”-Redaktion muss ihr Thema unabhängig setzen und und auch bei heftiger Kritik daran festhalten. Mit “Blochers Opposition – die alten Themen?” hoffte sie darauf, Stunden vor seiner Rede im “Albisgüetli” bereits inhaltlich etwas zu erfahren. Das blieb aus.

  

5 Comments on ““Arena”-Boykott ist ein doppelter Fehler”

  1. Thomas Läubli

    Man hätte die Macher des Schweizer Fernsehens für besagte Sendung nicht umstimmen können, aber sie werden es sich dank dem Boykott in Zukunft hoffentlich zweimal überlegen, bevor sie zum x-ten Mal den Herrn B. in den Mittelpunkt stellen und um der politischen Korrektheit und der Einschaltquote willen den Blocher-Kult zelebrieren. Da offensichtlich, wie Ihrem letzten Satz zu entnehmen ist, auch inhaltlich nichts Eigentliches über das gesetzte Thema der Sendung zu erfahren war, zeigt sich, was die Sendung de facto gebracht hat: nichts – womit sich diese Sendung selber entlarvt als doppelter Fehler.

  2. J.C.

    Ob es wahltaktisch klug war, eine Arena zu boykottieren, kann ich nicht beurteilen und es stimmt, die Arena-Macher sollen ihre Themen frei wählen. Doch muss es wirklich x-fach immer mehr oder weniger dasselbe Thema sein? Gibt es denn in diesem Land wirklich kein anderes politisches Thema, das die gewünschte Einschaltquote bringt?

  3. Mark.Balsiger

    Die “Arena” und Christoph Blocher haben im Prinzip ein symbiotisches Verhältnis. In den ersten Jahren der Sendung war er überdurchschnittlich oft im Ring. Das begünstigte seinen weiteren Aufstieg, aber auch seine Partei. Damals standen sich noch zwei bzw. drei Protagonisten gegenüber, inzwischen sind es jeweils mindestens vier.

    @ J.C.
    Schön, dass sie wieder da sind, ich machte mir schon Sorgen, Sie seien abgesprungen. – Ob die Einschaltquoten tatsächlich höher sind, wenn man in der “Arena” faktisch über Personen oder die Volkspartei spricht, habe ich bislang noch nicht eruiert. Das werde ich demnächst nachholen.

  4. J.C.

    @ Mark Balsiger: Abgesprungen? Warum auch? Ich hatte nie eine solche Absicht. Wohl aber Fragen, auf die ich eine Antwort such(t)e. Doch eigentlich war ich in letzter Zeit vollends damit beschäftigt, mit meinem Leben Schritt zu halten. Da wir (mein Leben und ich) uns aber schon geraume Zeit kennen, weiss ich, dass über kurz oder lang jeweils mein Leben an Fahrt verliert und ich ihm dann wieder mühelos folgen kann.

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