“Behinderte liegen uns nur auf der Tasche” - die IV-Debatte ist somit neu lanciert

Geschrieben am Freitag, 6. November 2009 15:45 von Mark Balsiger / Kommentare

Die Teaser-Kampagne, die seit Anfang Woche auf vielen Plakatwänden in der ganzen Schweiz zu sehen ist, hat mächtig Staub aufgewirbelt. Gerade auch bei den Behindertenverbänden.

Eines von diversen Sujets dieser Plakatkampagne:

behinderte_plakat_teaser_tasche_495

Werbung soll etwas auslösen. Werbung sollte intelligent sein - und scheitert mit diesem Anspruch oft.

Werbung setzt vielfach auf drei “Trigger”:

-  die massierte Verwendung, damit so Wirkung erzielt werden kann
-  Zuspitzung
-  Provokation

Zuspitzungen gelingen nur selten, lies: das Publikum versteht die Botschaften gar nicht. Provokationen wiederum können zynisch oder dumpf sein. Auf den ersten und zweiten Blick war ich geneigt, die aktuelle Teaser-Kampagne zu verurteilen.

Jetzt liegt allerdings die Auflösung der Kampagne vor, seit heute hängen an den Plakatwänden die neuen Sujets. Ein Beispiel:

behinderte_plakat_tasche_aufloesung_495

Zugegeben, die Teaser strapazierten stark. Ich kann nachvollziehen, wenn Betroffene schlecht darauf reagierten. Allerdings, und das scheint mir wichtiger, wurde so die wichtige IV-Diskussion neu lanciert. Buchautor Markus Schneider, nach zwei Hirnschlägen selber ein Betroffener, schreibt, dass dank dieser Kampagne nun alle wüssten: “Ohne Integration in die Arbeitswelt wird es teuer. Teuer für Nicht-Behinderte.”

Die Kampagne ist dann ein echter Erfolg, wenn nun die Diskussion breit geführt wird und gleichzeitig auch Tiefe erreicht. Wenn das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), die Behindertenverbände und nicht zuletzt die Politiker die Chance nutzen, das Thema Reintegration mit diesem positiven Dreh auf die Agenda zu setzen, ist einiges erreicht.

Foto: news.ch, Sujet: BSV

Datum: Freitag, 6. November 2009 15:45
Themengebiet: Kampagnen, Medien, Werbung Trackback: Trackback-URL
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4 Kommentare

  1. 1

    hätte man mit dem gleichen Text Ausländer so bezeichnet ,aber Behinderte darf man offensichtlich beleidigen.

  2. 2

    gibt es eine untersuchung, welche deinen optimistsichen schluss belegen würde?-
    mir ist nicht von begleitforschung bekannt geworden.

  3. 3

    Aber der bittere Nachgeschmack bleibt. Dennoch, schon nur, dass man sich empört, wirkt mehr als eine “normale” Kampagne. Somit ist das Ganze zum Schluss doch positiv?

  4. 4

    Bundesrat Burkhalter stoppt eine weitere Staffel der provokativen Serie:

    http://bit.ly/5C9nCm

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