Auf der politischen Landkarte wird die Farbe Lindengrün zunehmend kräftiger

Montag, 8. März 2010 20:25 | Kommentieren

logo_gruenliberale_farbig_small250_bauemle_chEs gibt nichts zu deuteln: Das ist ein “grünliberaler Erdrutsch”, wie die NZZ in ihrer heutigen Ausgabe vermerkt. Im Stadtzürcher Parlament zieht die glp gleich mit 12 Sitzen ein. Sie steigert ihren Wähleranteil um satte 7,1 Prozent - eine Zuwachsrate, die Erstaunen und Neid hervorrufen.

Auch in einigen anderen Städten des Kantons Zürich räumten die Grünliberalen ab, so in Winterthur (+ 4, neu 6 Sitze) oder in Uster (+ 2, neu 4 Sitze). Bei allen Wahlen in kommunale Parlamente, die dieses Jahr im Kanton Zürich stattfanden, legte die glp laut dem NZZ-Chronisten insgesamt 22 Sitze zu.

Mit diesen jüngsten Wahlsiegen knüpft die glp an ihre Erfolge der letzten drei Jahre an. Zur Erinnerung: 2007 holte sie bei den Zürcher Kantonsratswahlen 10 Sitze, ein halbes Jahr später 3 Nationalrats- und mit Verena Diener einen Ständeratssitz. In Basel-Stadt und der Stadt Bern reichte es auf Anhieb für je 5 Sitze, in Biel  für 4 und in der Stadt Luzern für 3, womit erst die grösseren Städte genannt sind. Das ist ein veritabler Siegeszug, auf der politschen Landkarte der deutschen Schweiz wird die Farbe Lindengrün zunehmend kräftiger. Das bedarf einer näheren Betrachtung.

Zunächst: Das Label “grünliberal” strahlt weiterhin kräftig, und das reicht vermutlich bei vielen Wählerinnen und Wählern bereits zur Wahlentscheidung. Sie wollen unverbrauchte Köpfe. Die glp holt ihre Stimmen im links-grünen Lager, vor allem bei der SP, sie grast aber auch bei der FDP sowie den Werteparteien CVP und EVP. Ein beachtlicher Anteil des glp-Elektorats dürfte aber komplett parteiungebunden sein bzw. erst mit der glp eine politische Heimat gefunden haben.

Gerade in den Städten füllt die glp offensichtlich eine Lücke, die es seit dem Aus des Landesrings anno 1999 gibt. Ihre Supporter sind liberal und wirtschaftsfreundlich, aber zugleich dezidiert ökologisch, eine Position, die sich auf der traditionellen Links-Rechts-Achse nicht verorten lässt. Möglicherweise macht das ein Teil des elektoralen Erfolgs aus, weil viele Leute das dogmatische Blockdenken und -handeln der etablierten Parteien als überholt empfinden.

Ein genauerer Blick auf die Kandidierenden und Gewählten bringt zutage, dass die glp offensichtlich vor allem junge und gut ausgebildete Kräfte anzieht. Die Berufsgattungen sind kunterbunt gemischt, von der Rechtsanwältin bis zum Physiker, vom Ökonomen bis zur Pflegefachfrau. Gerade das jugendliche Alter könnte einer der Trümpfe der glp werden. Alle etablierten Parteien kämpfen nämlich gegen die Überalterung, alle haben die letzten 15 Jahre mindestens einen Viertel ihrer Mitglieder verloren.

Wahlsiege sind das eine, der harte Alltag in den Niederungen der Politik das andere. Hier müssen sich die Grünliberalen und ihre Fraktionen erst noch beweisen.

Die glp-Fraktion der Stadt Bern zeigt seit 15 Monaten exemplarisch auf, was möglich wäre. Mit viel Fleiss und Ehrgeiz knien sich die 5 jungen Mitglieder in die Dossiers. Sie vertreten eigenständige Positionen und bringen sich in den Debatten selbstbewusst, in einem Fall gelegentlich auch besserwisserisch ein.

Dank der frischen lindengrünen Fraktion hat sich der Parlamentsbetrieb, in dem sich zuvor zwei erratische Blöcke oft unversöhnlich gegenüberstanden, merklich entkrampft. Nicht selten ist die glp das Zünglein an der Waage. Diese Rolle könnte auch die neue glp-Fraktion im Stadtzürcher Parlament einnehmen. Mit dem Verlust von 5 SP-Sitzen hat Rot-Grün dort die Mehrheit verloren. Die neue Konstellation ermöglicht Mehrheiten von Geschäft zu Geschäft, und das ist eine Chance für das politische Zürich.

Nachtrag vom 9. März 2010:

Der Erfolg der Grünliberalen wird heute in den Zürcher Tageszeitungen prominent augenommen, eingeordnet und analysiert. Gordana Mijuk von der NZZ stellt fest, dass “nur gerade zwei der zwölf neugewählten Gemeinderäte zuvor Mitglied in einer anderen Partei waren. Die anderen kamen zur Politik durch die GLP selbst, die als erste Partei konsequent versucht, Ökonomie und Ökologie zu vereinbaren.”

- Grünliberaler Traum geht weiter (NZZ, G. Mijuk, PDF)

Hannes Nussbaumer vom “Tages-Anzeiger” kommt in seiner Analyse zum Schluss, dass CVP und FDP den Mitte-Wählern keine Heimat mehr zu bieten vermögen. Die Grünliberalen hätten “das perfekte Image für ein urban, ökologisch und liberal getaktetes Publikum”.

- Das Bedürfnis nach der Mitte (Tagi, H. Nussbaumer, PDF)

Politikwissenschaftler Claude Longchamp schaut im Interview im “Tages-Anzeiger” in die Zukunft. Dabei kommt er im Gegensatz zu mir zu keinen optimitischen Schlüssen.

- “Ein beträchtliches Absturzrisiko” (Tagi, V. Vonarburg, PDF)

Luzi Bernet, der neue Inlandchef bei der NZZ, zieht aus dem Wahl- und Abstimmungswochenende Erkenntnisse für das eidgenössische Wahljahr 2011. Er schreibt von einer zunehmenden “Pluralisierung der bürgerlichen Mitte”:

- Zunehmendes Gerangel in der politschen Mitte (NZZ, L. Bernet, PDF)

Sujet: baeumle.ch

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Direkte Links zu den Wahlergebnissen

Sonntag, 7. März 2010 14:53 | Kommentare

Auf nationaler Ebene ist die Sache längst gelaufen, und das mit überdeutlichen Ergebnissen: BVG-Umwandlungssatz (Nein), Tierschutz-Initiative (Nein), Forschung am Menschen (Ja).

Wir können den Fokus also auf verschiedene Exekutiv- und Parlamentswahlen in Kantonen und Städten legen. Die direkten Links zu einigen Resultateseiten:

- Stadt Zürich: Stadt- und Gemeinderatswahlen
- Stadt Winterthur: Stadtrat und Grosser Gemeinderat
(Hochrechnungen auf 15.30 Uhr, Endergebnisse ca. 20 Uhr)

- Kanton Glarus: Regierungsrat, Gesamterneuerungwahlen
(Schlussresultate liegen bereits vor)
- Kanton Nidwalden: Regierungsrat, Gesamterneuerungswahlen
- Kanton Obwalden: Regierungsrat, Gesamterneuerungwahlen

Wahl- und Abstimmungstage sind für die Verwaltungen gute Gelegenheiten, sich in Bezug auf Auszählungstempo und Aktualisierungen der Websites zu profilieren. Ab und an gibt es Abstürze, etwa wenn zeitgleich zu viele Zugriffe vorgenommen werden.

Ins Auge sticht dabei Winterthur: Die zweitgrösste Zürcher Stadt wartet mit einem Liveportal auf. Das ermöglicht einen schnelleren Überblick als das, was die Websites der anderen Städte und Kantone preisgeben.

Die Taste, die heute am häufigsten gedrückt werden muss: F5.

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Der Blick in die Kristallkugel: Wer in der Stadt Zürich gewinnt, wer verliert

Sonntag, 7. März 2010 11:59 | Kommentieren

In diesen Minuten schliessen in der Stadt Zürich die Wahllokale. Ich erlaube mir eine Spielerei, schliesslich ist Sonntag, die Sonne scheint und der Kaffee war so aromatisch wie schon lange nicht mehr.

Es handelt sich um keinen Versuch mit wissenschaftlichen Anstriss, stattdessen kommt die Kristallkugel erneut zum Zug. Ich beurteile mit meiner Prognose über die letzten vier Jahre folgende Kriterien:

- Performances des Spitzenpersonals
- Medienpräsenz
- Wahlkampagnen
- Image
- “Strahlkraft” der nationalen Parteien und deren Schlüsselfiguren
- politische Grosswetterlage und Ereignisse schweizweit
- Einfluss der nationalen Vorlagen (Mobilisierung)

Meine Prognosen für die Gemeinderatswahlen:
(im Klammer der Wähleranteil in % von anno 2006)

- AL 3,5 (3,7)
- SP 30,0 (33,7)
- Grüne 12,0 (10,9)
- Grünliberale 7,5 (2,7)
- EVP 4,5 (4,5)
- CVP 8,5 (7,9)
- FDP 12,0 (15,0)
- SVP 20,0 (18,4)
- SD 1,0 (2,7)
- Div. 1,0 (0,7)

Die Grünliberalen sind also die grossen Gewinner für die Wahlen in das 125-köpfige Parlament. FDP und SP verlieren erneut.

Laut dem Wahlsystem kann eine Partei nur dann im Gemeinderat einziehen, wenn sie mindestens in einem der 9 Wahlkreise einen Wähleranteil von 5 Prozent erreicht. Aufgrund dieser Hürde werden SD und PfZ (Partei für Zürich) in der nächsten Legislatur nicht mehr im Parlament vertreten sein.

Die Wahlen in die Stadtregierung:

Alle 6 Bisherigen werden wieder gewählt, und zwar in folgender Reihenfolge:

- 1.  Corine Mauch (sp)
- 2.  Ruth Genner (grüne)
- 3.  Martin Waser (sp)
- 4.  Martin Vollenwyler (fdp)
- 5.  Andres Türler (fdp)
- 6.  Gerold Lauber (cvp)

Auf den Plätzen 7 bis 10 kommt es zu einem Gerangel zwischen Urs Egger (fdp), Daniel Leupi (grüne), Claudia Nielsen (sp) und André Odermatt (sp). Die Kristallkugel zeigt beim Zieleinlauf dieses Quartetts dunkle Flecken, eine Prognose ist deshalb nicht möglich.

Auf Platz 11 landet Mauro Tuena (svp), 12. wird Susi Gut (PfZ) und 13. Karl Zweifel (svp).

Es kann sein, dass mehrere Sitze erst in einem zweiten Wahlgang vergeben werden können. Das absolute Mehr beträgt 25′000 Stimmen.

Corine Mauch wird als Stadtpräsidentin klar bestätigt.

Thema: Wahlkampf national, Zürich | Kommentare (1)

Wahlen in der Stadt Zürich: Ein wichtiger Formtest für das kommende Jahr

Samstag, 6. März 2010 18:51 | Kommentare

Parteistrategen und Auguren erwarten morgen Sonntag den Ausgang der Stadt- und Gemeinderatswahlen in Zürich mit Spannung. Sie sind möglicherweise ein wichtiger Indikator für die eidgenössischen Wahlen 2011. Im Vordergrund stehen drei Fragen:

1.  Schafft die SP die Trendwende, nachdem sie seit nunmehr drei Jahren zum Teil heftige Wahlniederlagen einstecken musste?
2.  Setzt sich der Siegeszug der Grünliberalen, der bei den Kantonsratswahlen in Zürich im Frühling 2007 begann, fort?
3.  Was geschieht mit der FDP?

Von geringerer Bedeutung ist die Frage, ob die 9-köpfige Stadtregierung sich in Zukunft mit einem Verhältnis von 6/3 oder wie bis anhin 5/4 (rot-grün/bürgerlich) zusammensetzt.

In spätestens 24 Stunden sollten die Resultate vorliegen, und dann kann das grosse Kaffeesatzlesen beginnen. Auch hier.

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Tschäppäts Vollmondgesänge oder Wieviel Privatleben darf ein Politiker haben

Freitag, 5. März 2010 20:00 | Kommentare

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Alexander Tschäppät ist ein Causeur, aber auch der beste Verkäufer der Bundesstadt - und seiner selbst. Bei unverzerrtem Licht und nüchtern betrachtet, hat Berns Stadtpräsident einen beachtlichen Leistungsausweis als Politiker vorzuweisen.

Der Politiker Alexander Tschäppät kommt allerdings regelmässig ins Gehege mit dem Menschen Alexander Tschäppät. Etwa wenn man Hormone und Pheromone Polka tanzen lässt oder die gut geölte Zunge sich verselbständigt.

Am letzten Wochenende feierte Tschäppät den Sieg von YB über den FC Zürich im “Luna llena”. Bald einmal stand er auf der Bühne und besang zusammen mit einer Partyband nicht nur den Vollmond, sondern auch zwei ehemalige Bundesräte, die in den Songzeilen allerdings ganz anders benamst wurden.

Seither muss Tschäppät sich nicht um mediale Unaufmerksamkeit sorgen, er gibt von den Kameras und Mikrofonen den Reuigen und gelobt, dass “so etwas” nicht mehr vorkomme.

Mit der nötigen Distanz und Schärfe fällt die Analyse von Jean-Martin Büttner im heutigen “Tages-Anzeiger” auf:

Wo eine Bühne ist, steht auch ein Tschäppät (PDF)

Nach jedem Tritt in das Fettnäppchen thematisiert Tschäppät das Recht auf ein Privatleben. Damit hat er im Prinzip Recht, bloss: bei Berufspolitikern, National- und Ständeräten hat es keinen Platz für Eskapaden in der Öffentlichkeit. Für sie existiert nur noch in den eigenen vier Wänden eine Privatsphäre. Das ist der Preis eines hochdekorierten Amtes.

Foto Alexander Tschäppät: flickr.com

Thema: Bern (Stadt), Humor, Satire & Co, Medien | Kommentare (2)

Von Prominenz und Kompetenz

Dienstag, 2. März 2010 13:36 | Kommentieren

regula_fecker2_small250_werbewocheVor Monatsfrist wurde Regula Fecker (Foto) zur Werberin des Jahres 2010 erkoren. Ein prestigeträchtiger Titel, den sie zurecht erhielt. Fecker wählt mit ihrer Agentur unkonventionelle Ansätze, denkt konsequent crossmedial und setzt das auch um. Der Erfolg der Kampagne “slown down, take it easy” ist der beste Beweis dafür.

Auch sonst ist Fecker erfrischend anders: Sie nimmt sich selber zurück und will deshalb nicht so recht in das gängige Bild der Werbeszene passen. Wir erinnern uns beispielsweise an ihren Vorgänger. In einer “Arena” im Herbst letzten Jahres begann dieser ein Votum so: “Ich bin ja nicht nur Werber des Jahres 2009, sondern auch…”

Der “Tages-Anzeiger” bat Regula Fecker, die Plakate der Zürcher Stadtratskandidierenden zu beurteilen - auf einer ganzen Zeitungsseite. Das wurde längst zum Standard in der Wahlkampfberichterstattung. Sie kritisiert und lobt die verschiedenen Sujets - fair und ausgewogen. Doch dann… der Killersatz:

“Deshalb sollten die Kandidaten [...] TV- und Radiospots schalten.”

Ohweh, da hat sich Frau Fecker eine Blösse gegeben, die in Onlineforen subito für Spott sorgte: Politische Werbung in Radio und TV ist in der Schweiz verboten. Das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) wurde 2006, nach einem langen und zähflüssigen Prozess, revidiert. Dabei wäre das Verbot beinahe gefallen. Im letzten Jahr kam das Thema erneut aufs Tapet: Die Staatspolitische Kommission suchte nach Möglichkeiten, den Parteien Fernsehwerbung zu ermöglichen.

Doch zurück zum Beitrag im gestrigen “Tages-Anzeiger”. Zwei Fragen drängen sich auf:  Wurde Feckers Fauxpas bewusst publiziert? Oder hat ihn die Redaktion gar nicht bemerkt: Weder der Interviewer, immerhin ein zeichnender Redaktor, noch der Korrektor noch der Blattmacher?

Foto Regula Fecker: werbewoche.ch

Thema: Wahlkampf national, Werbung, Zürich | Kommentare (0)

Umfragen sind wichtige Stimuli im Endspurt

Dienstag, 23. Februar 2010 22:22 | Kommentare

Aufregung in den Parteizentralen der Stadt Zürich: Am frühen Abend wurde die erste und einzige Umfrage zu den Parlamentswahlen veröffentlicht. Demnach verlieren SP und FDP, die SVP wiederum kann leicht zulegen. Die eigentlichen Sieger wären die Grünliberalen, die mit einem Wähleranteil von 6,2 Prozent erstmals im Gemeinderat einziehen.

Weil es um Köpfe geht, sind die Umfrageergebnisse der Stadtratswahlen vom 7. März allerdings spannender:

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Sie zeigen, dass die sechs Bisherigen mit deutlichem Vorsprung die Wiederwahl schaffen sollten. Auf den Platzen 7 bis 11 herrscht higegen ein Gerangel:

- Urs Egger (fdp) 22,5%
- Daniel Leupi (grüne) 22,5%
- André Odermatt (sp), 21%
———————————-
- Mauro Tuena (svp), 19,5%
- Claudia Nielsen (sp), 17,0%

Der sogenannte Stichprobenfehler beträgt  +/- 3,2 Prozent, d.h. Abweichungen sind maximal bis zu dieser Zahl möglich. Ein Faktum, das übrigens diverse Medien nicht erwähnten. Kommt dazu, dass eine Umfrage keine Prognose, sondern eine Momentaufnahme ist.

Vor diesem Hintergrund ist der Zieleinlauf weitgehend offen. Die fünf Erstrangierten der Isopublic-Umfrage sind so gut wie gewählt, nicht aber Gerold Lauber (cvp). Es ist möglich, dass im ersten Wahlgang das absolute Mehr nicht von 9 Kandidierenden übertroffen wird.

Realistischerweise gibt es vier Szenarien, wie die 9 Stadtratssitze in Zukunft verteilt sein werden:

a)  4 SP (bisher 4), 3 FDP (bisher 3), 2 Grüne (bisher 1)
b)  4 SP, 2 FDP (- 1) , 2 Grüne (+ 1), 1 CVP
c)  3 SP (- 1), 3 FDP, 2 Grüne (+ 1), 1 CVP - gem. Umfrage
d) 4 SP, 3 FDP, 1 Grüne, 1 CVP - wie bisher

Mauro Tuena wird den Sprung in die Exekutive nicht schaffen. Die SVP ist bereits seit 1990 nicht mehr in der Stadzürcher Regierung vertreten. Das hat sie zum einen ihrem kompromisslosen Kurs und ihrem Stil zu verdanken. Zum anderen schlugen die Fehden mit der FDP derart tiefe Wunden, dass ein geeintes bürgerliches Lager seit langem inexistent ist.

In den verbleibenden 11 Tagen können Kandidierende und Parteien sich mit vollem Engagement in den Wahlkampf stürzen. Nicht selten ist dabei die Mobilisierung der entscheidende Faktor. Die Umfrage hat die Parteien aufgerüttelt, sie wirkt wie ein Stimulus. Der herannahende Wahltermin rückte so auch auf den Radar vieler Zürcherinnen und Zürcher. Für sie ist die Umfrage ein Reminder.

Grafik: kyriacou.ch

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Umwandlungssatz BVG: Die generelle Stimmung im Land deutet auf ein Nein hin

Samstag, 20. Februar 2010 21:50 | Kommentieren

In zwei Wochen stimmen wir u.a. über den Umwandlungssatz bei den Pensionskassen ab. Die Parteien und ihre Verbündeten kämpfen dieses Mal wieder engagiert für ihre Überzeugungen. Am 29. November letzten Jahres, bei der Anti-Minarett-Initiative, war das ja nicht der Fall - hüben wie drüben.

rentenabbau_comic_smallPrima vista verläuft die Konfliktlinie nach dem gängigsten Muster: Hier die Bürgerlichen und Wirtschaftsverbände, dort die linken Parteien und Gewerkschaften. Bei solchen Konstellationen setzen sich in der Regel die bürgerlichen Parteien durch.

Beim zweiten Blick stellt man aber fest, dass es im Lager der Befürworter unüblich viele “Ausreisser” hat: Drei Kantonalsektionen der CVP beschlossen die Nein-Parole (GE, SO, ZH), ebenso die CVP-Frauen. Bei der SVP sind es sogar fünf Sektionen (NW, OW, SG, SZ, Unterwallis), die der Parole der Mutterpartei nicht folgen mochten.

umwandlungssatz_jungendcampa1Die Abweichler-Sektionen haben etwas gemeinsam: Entweder stammen sie aus ruralen Regionen und/oder sie sind echte Volksparteien. Mit anderen Worten: sie spüren die Parteibasis gut, und dort liegt das Nein näher. Das Nein der SVP St. Gallen ist eine Ohrfeige für Parteipräsident Toni Brunner, der diese Sektion in 15 Jahren von Null zur stärksten Partei des Kantons gemacht hatte.

Die Vorlage ist technisch und sehr kompliziert. Die Schlagworte und der Alarmismus von beiden Seiten führen zu einer Kakofonie, wie sie derzeit selbst die schlechtesten Guggenmusigen nicht hinbringen. Wer keine oder nur ein schwache idelogische Prägung hat und Kampagnen grundsätzlich misstraut, muss viel Zeit für die Meinungsbildung investieren.

Der entscheidende Faktor für den Ausgang dürfte deshalb die generelle Stimmung in diesem Land werden, und diese ist von Angst geprägt. Vor diesem Hintergrund liegt ein Nein näher.

Unabhängige Informationen zur Meinungsbildung bietet Vimentis.

Thema: Abstimmungen, Kampagnen, Krisen, Parteien, Politik national | Kommentare (1)

Slalomfahrt für zusätzliche Stimmen

Montag, 15. Februar 2010 17:42 | Kommentieren

Der beste Wahlkampf wird weder von den Medien noch vom Publikum als Wahlkampf dechiffriert. Diese Erkenntnis ist simpel, so steht es in vielen Manuals der Campaigner. Die Planung und Durchführung einer medien- und publikumswirksamen Aktion ist allerdings eine echte Herausforderung.

corinne_schmidhauser1_rahmen_skicharity_at

Die bislang zweifellos beste Aktion im Berner Wahlkampf kann Corinne Schmidhauser (Foto) für sich verbuchen. Die FDP-Grossrätin aus Bremgarten bei Bern war in den achtziger Jahren ein Aushängeschild der Schweizer Skirennfahrerinnen, in der Saison 1986/87 gewann sie sogar den Slalomweltcup.

Gestern testete Schmidhauser, ob der Hang beim Rosengarten für einen Sprintslalom taugen würde. (Für Nicht-Berner: Der Rosengarten ist ein beliebter Aussichtspunkt in der Bundesstadt - für Touristen und Einheimische.) Das tat sie auf Anfrage der “Berner Zeitung”. Die Initialzündung kam also vom mit Abstand grössten Medium im Kanton. Für die Wahlkämpferin ist das ein Geschenk.

Die Zeitung wollte diese Aktion auch für Werbung in eigener Sache nutzen - das ist legitim. Allerdings gibt es im Nachgang der rasanten Slalomfahrt offenbar Probleme: “TeleBärn” meldet in der Vorschau auf die Sendung von heute Abend, dass der Test am Rosengarten-Hang gar nicht bewilligt war.

Der Knatsch, der nun möglicherweise folgt, dürfte Corinne Schmidhausers Wahlkampf kaum negativ beeinträchtigen. Sie war nicht verantwortlich für das Organisatorische dieser Aktion.

Foto Corinne Schmidhauser: skicharity.at

Thema: Bern (Kanton), Bern (Stadt), Medien | Kommentare (1)

Wahlbistro - die Antwort auf die anonyme Bashing-Kultur in Foren und Blogs

Mittwoch, 3. Februar 2010 15:13 | Kommentare

Die politischen Akteure bekunden zunehmend Mühe, die Menschen in diesem Land zu erreichen. Die Gründe liegen einerseits bei der Politik selber. Andererseits aber auch bei den etablierten Medien, die mit schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen und sich schleichend entpolitisieren.

Innert kurzer Zeit haben verschiedene Onlinemedien den Durchbruch geschafft. Mit ihrem Aufkommen ist ein neues Phänomen akzentuiert zu Tage getreten: das Kommentieren von Artikeln bzw. das Mitdiskutieren in Foren. Wer sich einmal durch die vielen Kommentare gelesen hat, braucht danach, je nach Naturell, Baldrian oder einen Boxsack. Wer das noch vor sich hat: exemplarisch wird die Problematik im Forum des “Club” vom 1. Dezember 2009 sichtbar.

Das Niveau ist oft lamentabel. Viele Kommentare sind diffamierend, und in aller Regel geben sich die Verfasser nicht mit ihrem echten Namen zu erkennen, sondern verstecken sich hinter Pseudonymen.

Gerade in der jetzigen Phase wären aber echte Debatten wichtig - auch in der Breite. Es reicht nicht, wenn die Mitglieder des “Club Helvetique” mit fein gedrechselten Worten in die Tiefe gehen und dank ihrer Deutungsmacht eine grosse mediale Beachtung finden. Eine breitere Masse sollte involviert werden.

Hier setzt das virtuelle Diskussionsforum Wahlbistro an. Es handelt sich um ein Non-Profit-Projekt, das die Interaktion unter politisch Interessierten verbessern will.
Bistro Adrianos

Im Gegensatz zu allen anderen Foren oder Blogs ist im Wahlbistro die anonyme Teilnahme nicht möglich. Wir als Betreiber werden alle Interessierten, die mitdebattieren möchten, zuerst telefonisch verifizieren. Auf diese Weise sorgen wir für eine bessere Diskussionskultur. Fakes und sogenannte Trolls sollen sich anderswo austoben.

Das Wahlbistro war bereits im Herbst 2008 als Pilotprojekt geöffnet. Rund 180 Personen beteiligten sich im Vorfeld der kommunalen Wahlen im Kanton Bern an den Debatten. Jetzt steht das Wahlbistro Bern vor der Wiedereröffnung, Mitte Februar geht es los. Im Wahlbistro Zürich ist seit Anfang dieser Woche die erste Debatte im Gang. Sie zeigt, dass offensichtlich das Bedürfnis nach einem solchen Forum besteht.

Für das Wahlbistro erkenne ich auch langfristig kein Geschäftsmodell. Es soll jeweils nur in den letzten Wochen vor einem Wahltermin betrieben werden. Längere Öffnungszeiten machen keinen Sinn bzw. sie würden zu viel zeitliche Ressourcen fressen.

Entscheidend sind in der jetzigen Phase Parteien, Kandidierende, politisch Interessierte und Blogger. Nur wenn sie alle mithelfen, dieses Diskussionsforum bekannter zu machen, kann es ein Erfolg werden. Gefragt sind: Links, Links und nochmals Links.

Bereits beim Pilot im Herbst 2008 zeigte sich: Jeder Kommentar im Wahlbistro erreicht pro Tag mehr Leute als jedwelche Aktion einer Partei. Nur schon aufgrund dieser Tatsache müssten eigentlich innerhalb von 24 Stunden hunderte von Links auf das Wahlbistro gesetzt werden.

Aber halt, ich habe vorübergehend vergessen, dass wir uns in Milizstrukturen und in einem Umfeld bewegen, das Neuerungen skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen.

Archiv zum Thema:

Virtuelles Wahlbistro ermöglicht Debatten rund um die Uhr (5. August 2008)

Thema: Bern (Kanton), Blogosphäre & Web 2.0, Krisen, Politik national, Zürich | Kommentare (7)